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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 03.2021
AuflagenNr.: 1
Seiten: 104
Abb.: 40
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Der Zusammenhang zwischen Sprache und dem Denken beschäftigt ForscherInnen schon seit geraumer Zeit, doch eine klare Antwort lässt weiterhin auf sich warten und die Diskussion ist noch lange nicht beendet. Die vorliegende Studie reiht sich in diesen Korpus ein und befasst sich mit dem Genus als Quelle des Einflusses auf die SprecherInnen. Dazu werden Stimuli herangezogen, die in den untersuchten Sprachen zu unterschiedlichen Genera gehören und anhand einer Vielzahl von Methoden untersucht. Dabei reicht das Spektrum von einer Kinderbuchanalyse, die es ermöglicht, Wahrnehmungsveränderungen im Verlauf der Zeit abzubilden, bis hin zum außergewöhnlichen Bubble-Task. Als einer der ersten Vergleiche der Rolle des Genus im Spanischen und im Deutschen eröffnet diese Studie ein neues Themenfeld und bietet erste Einblicke in die Wahrnehmung und Denkweise der SprecherInnen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2, Arbitrarität, Motivation und Remotivation: Wie auch immer die korrekte Frage in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken sein mag, im Rahmen dieser Untersuchung werde ich die Haltung von Sapir einnehmen und die Theorie der linguistischen Relativität akzeptieren und meine weitere Vorgehensweise darauf stützen. Auf diese Weise, in Übereinstimmung mit diesem Ansatz, kann Sprache den Einfluss und die Erinnerung über vergangene Ereignisse durch ihre strukturellen Aspekte beeinflussen (vgl. Ervin 1962: 249). Eine Quelle des Einflusses wäre die (sprachliche) Motivation. Dementsprechend widmet sich das folgende Kapitel der Natur des linguistischen Zeichens und seinem arbiträren, von Saussure geprägten, Charakter, der im Gegensatz zur Motivation steht. Ungeachtet dessen ist es auch Saussure selbst, der zugibt, dass Worte nicht immer in seine Klassifikation passen und ihr Charakter nicht ausschließlich arbiträr wäre (vgl. Saussure 2001: 81). Dementsprechend folgt auch eine kurze Einführung in das Gebiet der Motivation in Verbindung mit der Onomatopoesie und der Lautsymbolik, zwei Formen, in der sich uns die Motivation präsentiert. 2.2.1, Arbitrarität: Tatsächlich geht die Frage nach dem arbiträren oder motivierten Charakter des linguistischen Zeichens schon bis zum Ursprung der Sprache zurück. Zu Beginn sind es die griechischen Stoiker, besonders die Gruppe der Anomalisten, die sich weigern, die Verbindung zwischen dem, was später als fra.: signifiant und fra.: signifié (vgl. Saussure 2016: 29 vgl.: Lyons 1995: 12) bekannt wird, zu akzeptieren. Selbst große Philosophen wie Aristoteles und Platon befassen sich mit diesem Zusammenhang, aber die Frage gilt noch bis zum 19. Jahrhundert als unbeantwortet, bis die Studien und Forschungen der historisch-komparativen Sprachwissenschaft auftauchen und in der These von Saussure gipfeln (vgl. Burdiel 1978: 1). So geht das Konzept der linguistischen Arbitrarität, wie man es heute kennt, aus dem Cours de Linguistique Générale (vgl. Saussure 2016: 29) von Ferdinand de Saussure hervor. Er weist darauf hin, dass die Form des Zeichens (fr.: signifiant, dt.: Signifikant) keinerlei natürliche Verbindung mit dem Inhalt des Zeichens (fr.: signifié, dt.: Signifikat) hat, was bedeutet, dass es keinen rationalen Grund dafür gibt, die Pflanze, die aus einem Stamm, Ästen und Blättern besteht, Baum zu nennen und nicht Haus (vgl. Saussure 2001: 79). Diese spezielle Form des Symbolismus wird auch referentieller Symbolismus genannt (vgl. Sapir 1929: 226). Dennoch funktioniert Kommunikation nur dank eines gewissen Grades an gesellschaftlicher Konvention, was bedeutet, dass jeder die zuvor beschriebene Entität dt. Baum nennt (vgl. Kessel/Reimann 2017: 151 vgl. Saussure 2001: 80). Dies soll aber keinesfalls bedeuten, dass Sprachen ausschließlich arbiträr sind (vgl. Saussure 2016: 97 vgl. Cuskley/Kirby/Simner 2010: 389) da ein System, welches über keinerlei Ordnung oder Logik verfügt, ein ausgesprochen kompliziertes System wäre (vgl. Saussure 2016: 97). Saussure ergänzt: [n]icht alle Zeichen sind völlig beliebig […] es gibt Abstufungen der Arbitrarität, was freilich nichts gegen das Prinzip insgesamt besagt das Zeichen kann relativ motiviert sein” (Saussure 2016: 94). Dies zeigt sich beispielsweise in der Onomatopoesie (vgl. Saussure 2001: 81 vgl. Hundt 2000: 190) und dem verwandten Konzept der Lautsymbolik (vgl. Ertel/Dorst 1965: 557-569 vgl. Elsen 2014: 186, 190 vgl. Sapir 1929: 226). Diese Formen bilden eine Ausnahme zu Saussures Aussage, da es hier sehr wohl jene Verbindung gibt, die er im größten Teil unseres Wortschatzes vermisst. So folgt eine kurze Erklärung des von ihm relative Arbitrarität genannten Konzeptes (vgl. Saussure 2016: 94). 2.2.2, Motivation: Nachdem ich auf die durch Saussure geprägte Arbitrarität des Zeichens verwiesen habe, werde ich nun ein dazu gegensätzliches Konzept vorstellen – die Motivation oder relative Arbitrarität. Motivation bedeutet […] [to] explain (or motivate) why it is natural for a lexical unit to mean what it means, or that explain why it is natural, or <makes sense>, that a specific meaning is expressed by a certain lexical item, rather than another.” Andere, wie Nygaard/Allison/Namy (2009) fügen sogar noch hinzu, dass sich SprecherInnen dieser nicht-arbiträreren Verbindung in natürlichen Sprachen (im Gegensatz zu künstlich konstruierten Sprachen) sehr wohl bewusst sind und diese auch wahrnehmen (vgl. Nygaard/Allison/Laura 2009: 181). Für Saussure bilden die relativ arbiträren Worte eine Ausnahme vom generellen Prinzip der Arbitrarität und er unterstreicht, dass diese es nicht aufheben (vgl. Saussure 2016: 31f. 94). Allerdings behandelt er die Onomatopoesie und die Interjektionen nur oberflächlich. Später studiert Ullmann (1973) diese detaillierter und unterscheidet drei Kategorien – ich werde dementsprechend sowohl die Beschreibung von Saussure als auch jene von Ullmann vorstellen. Jene Worte, die zu keiner der folgenden drei Arten der Motivation (siehe dazu 2.2.3.2 Motivation nach Ullmann ) zuordenbar sind, können als nicht transparent und nicht zerlegbar bezeichnet werden, was also bedeutet, dass sie tatsächlich arbiträr sind (vgl. Ullmann 1973: 104). 2.2.2.1, Die Rolle der Motivation: Die Rolle, die die Motivation im Bereich der zerebralen Speicherung von Worten spielt, ist nach wie vor ungeklärt, was dem Umstand geschuldet ist, dass es die Ergebnisse vergangener Studien oft nicht erlauben, eindeutige Schlüsse zu ziehen (vgl. Laing 2017: 44). Sicher ist allerdings – und hier sind sich auch die LinguistInnen einig – dass sich SprecherInnen motivierte Worte leichter und besser merken als arbiträre (vgl. Rainer 1993: 17f. vgl. Swanepoel 1992: 291 Nygaard/Allison/Laura 2009: 181). Es scheint schon an dieser Stelle angebracht zu erwähnen, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Konzepten der Motivation oft wenig klar sind und eine eindeutige Zuordnung oder Klassifizierung zu einer der unten beschriebenen Ausprägungen oft schwerfällt.

Über den Autor

Thomas Unterstetter, M.A., BSc (WU) wurde 1992 in Eisenstadt geboren. Schon früh war er von der spanischen Kultur und Sprache begeistert, weshalb er sich für ein Studium der Romanistik zusammen mit Internationaler Betriebswirtschaft entschied. Das besondere Interesse an der Wirkung der Sprache, auch im Bereich der Werbung, motivierten ihn zum Verfassen des vorliegenden Buches.

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