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Pädagogik & Soziales

Elisabeth Richter

Die Lebenssituation von Migrantenkindern in Deutschland

ISBN: 978-3-95934-932-1

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2016
AuflagenNr.: 1
Seiten: 88
Abb.: 38
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Kinder mit Migrationshintergrund stellen in den letzten Jahren eine zunehmend große Population innerhalb der deutschen Bevölkerung dar. Trotz zahlreicher Studien weiß man erschreckend wenig über die Lebenssituation von Migrantenkindern und –jugendlichen, weshalb sich die vorliegende Arbeit mit diesem Thema auseinandersetzt. Es sollen vorhandene Informationen zusammengetragen werden, um eine Art Status Quo der deutschen Forschung in Bezug auf Migrantenkinder zu erstellen und Lücken sowie Potentiale aufzuzeigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Bereich Bildung, die Arbeit folgt in ihrem Aufbau dem einer Bildungsbiographie, wobei jeweils die Daten aus der amtlichen Statistik und aus Studien mit Individualdatensätzen präsentiert werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel: 4.1.3 Ursachen für geringere Beteiligung an außerhäuslicher Betreuung: Kinder beginnen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ihre Schullaufbahn. Die Fähigkeiten und der Wissensbestand eines Kindes hängen in erster Linie von seiner Sozialisation ab. Hierfür wichtig sind vor allem bildungsrelevante Ressourcen des Elternhauses. Schon im Vorschulalter wirken Effekte der sozialen Herkunft auf die Entwicklung eines Kindes. Damit unterscheiden sich Chancen und Potentiale einer erfolgreichen Schullaufbahn schon vor der Einschulung. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass benachteiligte Kinder außerfamiliäre Lernkontexte erfahren, da durch diese negative Sozialisationseffekte kompensiert werden können. Die Unterschiede in Fähigkeiten und Wissensbestand schon vor Schulbeginn sind als Spiegelbild sozialer Ungleichheit zu verstehen, da benachteiligte Familien oftmals über weniger bildungsrelevante Ressourcen verfügen. Bei Migrantenfamilien kommen noch migrationsspezifische Ungleichheitsfaktoren und Sozialisationsbedingungen hinzu. So erschwert der Mangel an sprachlichen und kulturellen Ressourcen die (Bildungs-)Situation von Kindern mit Migrationshintergrund noch zusätzlich. Dabei ist gerade der Besuch einer außerhäuslichen Betreuungseinrichtung eine günstige Gelegenheit, um die deutsche Sprache und Kultur kennen zu lernen und diese ungünstigen Startchancen schon vor Schulbeginn auszugleichen. Zudem kann ein früher Kontakt zum deutschen Bildungssystem auch positive Einflüsse auf die Eltern haben, da eventuelle Vorbehalte und Ängste abgebaut werden können und sich auch langfristig die Bildungserwartung an die Kindern verändern kann. Positive Erfahrungen in vorschulischen Einrichtungen können dazu führen, dass Eltern ihren Kindern mehr zutrauen und sie zu höheren Bildungsabschlüssen motivieren. Dies führt bei den Kindern wiederum zu einem erhöhten Vertrauen in die eigene Leistung, welches sich positiv auf die Schulleistung auswirken kann. Jedoch können unter bestimmten Umständen auch negative Effekte aus dem Be-such einer außerhäuslichen Betreuungseinrichtung entstehen, da nicht jede Einrichtung für Migrantenkinder ein günstiges Lernklima bietet. Damit ist es auch möglich, dass sich durch die Wahl einer ungeeigneten Einrichtung Leistungsunterschiede zwischen deutschen und Migrantenkindern noch vergrößern können. Ob sich Familien mit Migrationshintergrund dann aber für die günstigere Einrichtung entscheiden, ist eher fraglich, aufgrund mangelnder bildungsrelevanter Ressourcen. Diese bildungsrelevanten Faktoren, die die Wahl einer außerhäuslichen Betreuungseinrichtung beeinflussen, lassen sich unterscheiden in (1) ökonomische Faktoren, (2) soziale Netzwerke (3) Informations- und Wissensstand über das Betreuungssystem und (4) normative und kulturelle Einflussfaktoren, wobei es teilweise zu Überlappungen kommt. 4.1.3.1 Ökonomische Faktoren: Der Besuch einer vorschulischen Betreuungseinrichtung ist mit finanziellen Aufwendungen verbunden. Der private Finanzierungsanteil beträgt in Deutschland 37% und ist somit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 17%. Wenn man bedenkt, dass Familien mit Migrationshintergrund meist über geringere finanzielle Ressourcen verfügen, ergibt sich, dass vorschulische Bildungsinvestitionen für Migrantenfamilien deutlich höher ausfallen als für Einheimische. So äußersten rund 40% der befragten Türken, Griechen, Ex-Jugoslawen und Italiener in der Repräsentativuntersuchung 2001 des Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung den Wunsch, dass Kindergärten kostenfrei sein sollten. Gerade für Migrantenkinder ist ein Kindergartenbesuch aufgrund der ungleichen sozialen und ökonomischen Situation besonders wichtig, um eventuelle kognitive, soziale und sprachliche Defizite auszugleichen. Aus diesem Grund ist die gesetzliche Situation als problematisch anzusehen, denn es gibt keine einheitlichen Regelungen zu den elterngetragenen Finanzierungsanteilen in den Bundesländern. Zwar wird der Rahmen durch das achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII) gegeben, da §90 vorsieht, dass Teilnehmerbeiträge oder Gebühren nach Einkommensgruppen und Kinderzahl gestaffelt und auch erlassen werden können, jedoch untersteht die Ausführung des Sozialgesetzbuches der Ländergesetzgebung. Das bedeutet, dass es zwischen den Bundesländern enorme Unterschiede gibt, ob und in welchen Umfang die Elternbeiträge gesetzlich geregelt sind. So ist beispielsweise im Saarland und Mecklenburg-Vorpommern das letzte Kindergartenjahr kostenfrei. Andere Bundesländer verankern gesetzlich, dass die Elternbeiträge sozialverträglich nach Einkommen und Kinderzahl gestaffelt werden müssen (z.B. Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen). In Sachsen und Rheinland-Pfalz wird dagegen eine prozentuale Grenze gesetzlich vorgegeben, die nicht überschritten werden darf. In einigen Bundesländern erfolgt keine gesetzliche Verankerung der Elternbeiträge. So werden beispielsweise in Bayern und Hessen die Elternbeiträge von der jeweiligen Einrichtung festgelegt. Die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen der Länder haben offensichtlich einen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen. Dies wird deutlich, wenn man den Anteil ausländischer Kinder an den prinzipiell kostenfreien Schulkindergärten und/oder Vorschulen in den oben genannten Bundesländern vergleicht. Bundesländer mit eher sozialverträglichen Gesetzesregelungen liegen unter dem Durchschnitt (früheres Bundesgebiet) von 21,1% So ist im Saarland, seit der Einführung des kostenfreien letzten Kindergartenjahres im Jahr 2000, der Anteil von 27,7% auf 18,4% (2005/2006) gesunken. Auch Niedersachsen und Rheinland-Pfalz liegen mit 18,9% und 14,3% unter dem Durchschnitt, während in Hessen der Anteil an ausländischen Kindern in Schulkindergärten mit 28,2% deutlich darüber liegt. Die Erwerbstätigkeit der Mutter hat neben den direkten Kosten auch Einfluss auf den Besuch einer außerhäuslichen Betreuungseinrichtung. Prinzipiell steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind extern betreut wird an, wenn die Mutter erwerbstätig ist, da die Mutter bei einer Berufstätigkeit mehr Zeit auf dem Arbeitsmarkt verbringt und weniger Zeit für die Kinderbetreuung zur Verfügung steht. Die Erwerbstätigkeit der Mutter hängt wiederum u.a. vom erwartbaren Einkommen, Preis der externen Kinderbetreuung und Zahl der Kinder ab. Wenn das erwartbare Einkommen hoch ist und die Kosten für die externe Kinderbetreuung nicht übersteigt, wird Kinderbetreuungszeit mit Arbeitszeit substituiert, da dies mehr Nutzen generiert. Mit steigender Kinderzahl erhöhen sich auch die Kosten für die externe Kinderbetreuung, während bei häuslicher Kinderbetreuung sich die Kosten für die Mutter auch bei mehreren Kindern kaum erhöhen. Bezogen auf Mütter mit Migrationshintergrund kann man sagen, dass zumindest die Zahl der Kinder und das erwartbare Einkommen einen negativen Effekt auf die Erwerbsbeteiligung haben und somit auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Migrantenkinder eine außerhäusliche Betreuungseinrichtung besuchen. Denn generell haben Frauen mit Migrationshintergrund aufgrund schlechterer Bildungsabschlüsse eher ungünstigere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und das erreichbare Einkommen wird entsprechend niedrig ausfallen. Zudem ist die Kinderzahl in Migrantenfamilien meist höher, welches die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit aufgrund höherer Kosten für eine externe Betreuung zusätzlich reduziert. 4.1.3.2 Soziale Netzwerke: Unter einem sozialen Netzwerk versteht man ein Beziehungsgeflecht, welches Menschen mit anderen Menschen und Institutionen verbindet und somit in eine Gruppe oder Gemeinschaft integriert. Die zentralen sozialen Netzwerke sind Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Arbeit und Vereine. Soziale Netzwerke können auch als Ressource sozialer Unterstützung aufgefasst werden. Man kann drei Unterstützungsformen unterscheiden: (1) emotionale Unterstützung (vertrauensvolle Beziehungen, in denen z.B. persönliche Probleme besprochen werden können (2) instrumentelle Unterstützung materieller oder immaterieller Art (z.B. Geld, Sachgüter oder Dienstleistungen wie Kinderbetreuung) und (3) informative Unterstützung durch die Bereitstellung von Wissen (siehe 4.1.3.3). Die sozialen Netzwerke von Zuwanderern sind relativ homogen, das heißt sie bestehen zumeist aus Personen der gleichen ethnischen Herkunft. Dies hat Konsequenzen für die Art der Unterstützungen, die sie aus ihren Netzwerken erhalten können. Zwar ist anzunehmen, dass sich die materiellen Unterstützungen aufgrund des eher geringen ökonomischen Kapitals in den Netzwerken in Grenzen halten, jedoch ist ein hohes Potential an instrumentellen immateriellen Unterstützungen vorhanden. So bieten gerade die ausgeprägten verwandtschaftlichen Netzwerke viele Alternativen zur institutionellen Kinderbetreuung – z.B. durch ältere Kinder oder andere Verwandte. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Entscheidung der Eltern auch davon beeinflusst wird, ob im persönlichen Netzwerk schon eine andere Familie ihre Kinder in eine Be-treuungseinrichtung geschickt hat. Wenn ein solches Vorbild nicht vorhanden ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern ihre Kinder extern betreuen lassen.

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