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Pädagogik & Soziales

Philipp Schünemann

Erlebnispädagogik am Waldlehrpfad. Ein fachdidaktisches Konzept am Beispiel Opel-Zoo

ISBN: 978-3-96146-670-2

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 10.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 128
Abb.: 45
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Diese Studie beschäftigt sich mit der Nutzung von Waldlehrpfaden zur ganzheitlichen nachhaltigen Umweltbildung. Dazu werden zunächst verschiedene Einteilungen der Lehrpfade in Kategorien vorgenommen und die Geschichte ihrer Entwicklung dargelegt. Dabei geht die Studie auf die teilweise unterschiedlichen Meinungen der Fachbuchautoren ein. Im Anschluss werden die Funktionen von Lehrpfaden im allgemeinen außerschulischen Kontext beschrieben, bis schließlich dazu übergegangen wird, die Lehrpfadpädagogik aus dem Blickwinkel der Didaktik zu schildern. Dabei befasst sich die vorliegende Studie unter anderem mit dem neuen Kerncurriculum, welches die Funktion der Lehrpläne übernommen hat. Mit Blick auf die Lehrtätigkeit wird versucht, die Relevanz der Lehrpfadpädagogik mit dem Curriculum zu begründen. Diese Studie beschäftigt sich also mit der Frage, wie eine möglichst umfassende und ganzheitliche Umweltbildung durch Lehrpfade erreicht werden kann.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3: Beitrag eines Waldlehrpfades zur schulischen Umwelterziehung: Die Umwelterziehung ist schon seit geraumer Zeit Inhalt und Thema der Schulen. Als Vorstufe und Voraussetzung der Umweltbildung (siehe Kapitel 2.3.1.) verfolgt auch sie die Ziele, einen behutsamen Umgang mit der Natur sowie das umweltgerechte Verhalten zu fördern und zu vermitteln. Laut ROST (2002) ist der Höhepunkt der Umwelterziehung in Bildungseinrichtungen bereits erfolgt. Anstatt einer klassischen Erziehung nachzutrauern, welche sich auf bereits verlorene oder ausgestorbene Individuen beschränkt und dadurch ziellos zu sein scheint, solle man sich eher auf die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung einstellen. Diese hat zum Ziel, dass zu schützen, was noch nicht ausgestorben ist. Die heutige Pädagogik sollte sich auf die Vermittlung nachhaltiger Lebensweisen konzentrieren. Der Besucher soll erkennen, dass es nicht zu spät ist, etwas gegen das Artensterben und die zunehmende Zerstörung von Lebensraum zu unternehmen. Zu dieser nachhaltigen Entwicklung ist im nächsten Kapitel ein Abschnitt zu finden. Die Umwelterziehung soll Situationen und Bekanntes aus der Lebenswelt der SchülerInnen aufgreifen und vertiefen (SPÖRHASE - EICHMANN & RUPPERRT 2010). Im Folgenden wird die Nutzung von Lehrpfaden als außerschulischer Lernort im Biologieunterricht beschrieben. 3.1: Außerschulischer Lernort Wald: Der Wald an sich stellt im Biologieunterricht ein wichtiges Ziel für Exkursionen dar. Durch die zunehmende Nutzung elektronischer Freizeitmedien sinkt die Freizeitaktivität, welche der Besucher im Wald verbringt. Somit sind auch die Kenntnisse über die heimische Flora und Fauna oft mangelhaft. Die Wälder stellen einen didaktisch nicht aufbereiteten außerschulischen Lernort dar (SPÖRHASE - EICHMANN & RUPPERRT 2010). Plant man Exkursionen, sind daher umfassende Vorbereitungen zu treffen, um Inhalte zu vermitteln und mit den teilweise sehr großen Schulklassen diesen sensiblen Lebensraum nicht nachhaltig zu stören. Ein Waldlehrpfad hingegen kann ohne große Vorbereitung besucht werden, da hier die Planung schon geschehen ist und die Lernziele festgelegt sind. Als didaktisch gut aufbereiteten Lernort können die SchülerInnen den Wald ganzheitlich erleben, ohne die Gefahr der Beeinträchtigung des Ökosystems. Bei außerschulischen Aktivitäten wird den SchülerInnen die originale Begegnung ermöglicht. Diese Begegnung kann einer Primärerfahrung in freier Natur gleichkommen. Die SchülerInnen lernen ganzheitlich. Durch dieses oft positive Erlebnis wird der Besucher dazu animiert, sich mit dem Thema auch außerschulisch zu beschäftigen. Laut MESSMER et al. (2011) tritt eine angestrebte Änderung des Verhaltens aufgrund von außerschulischen Lernorten erst nach wiederholten oder länger andauernden Besuchen ein. Daher bietet es sich an, den Pfad mit Schulklassen regelmäßig zu besuchen, die behandelten Themen sollten jedoch variieren, um keinen Überdruss aufkommen zu lassen. Auch die Einbindung in Projektwochen oder in den Wahlpflichtunterricht bietet sich an. 3.2: Naturerleben: […] Das Naturerleben verfolgt das Ziel, dem Menschen durch positives und direktes Erleben der Natur, diese näher zu bringen. Das durch JANSSEN (1987) entwickelte Modell des Naturerlebens (Abb. 1) basiert auf der Annahme, dass die Handlungsebene, also die Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen, nur durch das Ansprechen einer emotionalen Basis erreicht werden kann. Diese wiederum verlangt nach der originalen Begegnung und bildet den Kern dieses Modells. Nur wenn die emotionale Ebene angesprochen wird, kann man ein Verständnis für die Natur entwickeln. Dies kann nur über die Auseinandersetzung mit der Natur funktionieren. Das Naturverstehen auf der Sachebene entwickelt sich aus dem Beschreiben und Erklären der Natur. In der Lehrpfadpädagogik werden diese beiden Punkte direkt an den Stationen angesprochen und durchgeführt. Das Verstehen biologischer Vorgänge wiederum ist Voraussetzung für das Erreichen der Bewusstseinsebene. Der Mensch entwickelt ein Umweltbewusstsein, welches ihm die Probleme, aber auch Handlungsalternativen darlegt. Nur durch das Vorhandensein von Handlungsalternativen ist der Mensch bereit, sein Verhalten zugunsten der Natur zu ändern. In der darauf erreichten Handlungsebene besteht eine Wechselbeziehung zwischen dem Erkennen der Probleme, der Hinterfragung der Ursache sowie der Handlungsoptionen und dem Handeln. Die Wichtigkeit der Lehrpfadpädagogik wird hier erneut deutlich. Über eine rein emotionale Ebene (Waldspaziergang), also ohne den beschreibenden und auffordernden Charakter von Lehrpfaden, wird zwar das Naturerleben geschehen, die Bewusstseinsebene als auch die Handlungsebene werden jedoch ohne das Vorhandensein der Sachebene nicht erreicht. Da das Naturerleben der emotionale Kern dieses Modells ist, kann ebenfalls nicht auf die Begegnung mit der Natur verzichtet werden und die Sachebene als Ausgangspunkt zum Erreichen der Handlungsebene gesehen werden (EBERS 1998). Eine ähnliche Herangehensweise hat der Biologe TROMMER (1999) mit seiner outdoor – school beschrieben. Diese als Rucksackschule bekannt gewordene Bildungsweise verzichtet weitgehend auf Institutionen und findet somit überwiegend draußen statt. Die Kinder bekommen einen Rucksack, welcher wichtige Instrumente zur Wahrnehmung der Natur enthält. Die Grundidee ist auch hier, die Natur ganzheitlich wahrzunehmen. Die emotionale Ebene findet ebenfalls statt, untermauert von der Wahrnehmung und der Auseinandersetzung mit der Natur. Nach TROMMER soll eine unmittelbare Begegnung mit der Natur die Primärerfahrung darstellen. Trommer beschreibt vier Bildungsebenen, welche ähnlich des Modells von Janssen aufeinander aufbauen. Als erste Stufe beschreibt er die Wahrnehmung der Natur mit allen Sinnen. Gefolgt von der Beobachtung und der Untersuchung von Phänomenen. In der dritten Stufe werden durch Selbsterfahrung Zusammenhänge erkannt. Dadurch lernen die Kinder, die Natur zu verstehen. Als Folge des Verstehens entwickeln sie ein Umweltbewusstsein, welches ein ökologisches Handeln zur Folge hat (TROMMER 1999). Die Rucksackschule findet heute noch großen Zulauf.

Über den Autor

Der Autor ist Biologielehrer und Jäger. Durch seine jahrelange Erfahrung mit Vorträgen zum Thema Wald und Jagd in Schulen sowie der Arbeit bei Umweltorganisationen sammelte er viel Erfahrung, welche durch das Lehramtsstudium pädagogisch unterstrichen wurde.

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