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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2016
AuflagenNr.: 1
Seiten: 68
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Das Phänomen der Mehrsprachigkeit tritt zunehmend immer häufiger auf, auch in Deutschland. Es ist bereits üblich, dass Englisch in der Grundschule unterrichtet wird und optional im weiteren Schulverlauf Französisch oder Spanisch hinzukommen. So gesehen können auch deutsche Staatsbürger, die vorab ausschließlich die deutsche Sprache beherrschen, im Verlauf ihrer Schulkarriere mehrsprachig werden. Ihnen gegenüber stehen Schüler mit Migrationshintergrund, die mehr als nur eine Sprache beherrschen – bereits vor Schulbesuch. Hat diese Bilingualität einen Einfluss auf das Erlernen neuer Sprachen? Im vorliegenden Buch wird eine Beantwortung dieser Frage unternommen, wobei das Fremdsprachenlernen von bilingualen mit monolingualen Kindern vergleichen wird. Auf Basis von begrifflichen Definitionen und der autobiografischen Sprachbiografie wird angenommen, dass Unterschiede tatsächlich existieren, wozu eine Reihe von sprachlichen Fähigkeiten dargestellt und untersucht wird.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel: 3.2.3 Forschungsstand: Die Erwerbsforschung zur Erstsprache ist sehr weit fortgeschritten. Gegensätzlich dazu steckt die Erforschung des Zweitspracherwerbs noch in den Kinderschuhen (Krafft 2014, S. 11). Eines der größten Hindernisse für die Zweitspracherwerbsforschung war oder ist die Annahme, dass Bilingualität negative Auswirkungen auf den Sprecher haben kann (vgl. Krafft 2014, S. 11). Desweiteren ist die Größe der Vielfalt bilingualer Lebensumstände (Krafft 2014, S. 11) ein weiterer Faktor, der die Zweitspracherwerbsforschung nur sehr stockend voran schreiten lässt. Die zahlreichen Variablen […] erschweren die Interpretation der Leistungen von L2-Sprecher/inne/n erheblich (ebd.). Nach Krafft konzentriert sich die Forschung des Zweitspracherwerbs auf folgende sprachliche Ebenen: a) Der phonetisch-phonologische Erwerb. b) Der Erwerb semantischer und lexikalischer Fähigkeiten. c) Der Erwerb pragmatischer und diskursiver Fähigkeiten. d) Der Erwerb morphosyntaktischer Fähigkeiten. (vgl. Krafft 2014, S. 11 ff.). Krafft betont, dass sich aus den in seinem Werk geschilderten Befunden schließen lässt, dass zumindest hinsichtlich der basalen syntaktischen Eigenschaften des Deutschen der frühe L2-Erwerb in seinen Grundzügen dem L1-Erwerb entspricht (Krafft 2014, S. 15). Demzufolge können die Hypothesen des frühen Zweitspracherwerbs, die von ihm in seinem Werk angeführt werden, denen des doppelten Erstspracherwerbs gleichgesetzt werden (vgl. Krafft 2014, S. 15). 3.2.4 Formen des individuellen Bilingualismus: Nachfolgend werden vier verschiedene Formen des individuellen Bilingualismus voneinander abgegrenzt, die sich hauptsächlich durch den Zeitpunkt des Erwerbs abgrenzen lassen. 3.2.4.1 Simultaner und sukzessiver Bilingualismus: Bei der Unterscheidung zwischen simultanem und sukzessivem Bilingualismus steht das Lebensalter des Individuums im Mittelpunkt. Von simultanem Bilingualismus spricht man, wenn ein Kind von Geburt an mit zwei Sprachen aufwächst, also beide Sprachen zum gleichen Zeitpunkt parallel erworben werden (vgl. Müller et al. 2007, S.15) Folglich besitzt das Kind deswegen zwei Erstsprachen. Darum kann der simultane Bilingualismus auch als doppelter Erstspracherwerb beschrieben werden (vgl. De Houwer 1990, S. 3). Dieser Begriff wird in der Forschungsliteratur bevorzugt verwendet und ist weitaus häufiger vertreten als der Begriff des simultanen Erstspracherwerbs, da er laut De Houwer klarer ist und weniger Missverständnisse mit sich bringt. Vom simultanen Erwerb mehrerer Muttersprachen ist die sukzessive Form des Erwerbs mehrerer Sprachen abzugrenzen (Müller et al. 2007, S. 15). Der sukzessive Spracherwerb findet zeitlich versetzt zum Erstspracherwerb statt. Die Frage des Alters ist wie bereits oben angedeutet ein wesentlicher Bestandteil bei der Abgrenzung des simultanen und sukzessiven Bilingualismus. An dieser Stelle soll jedoch nur ein kurz gehaltener, allgemeiner Überblick über diesen Aspekt geschaffen werden. In Abschnitt 4.1 der vorliegenden Arbeit wird der Altersfaktor ausführlicher erläutert und diskutiert.Die große Mehrheit der führenden Forscher auf dem Gebiet der Mehrsprachigkeitsforschung geht davon aus, dass ein sukzessiver Spracherwerb nach einem Alter von drei Jahren stattfindet. In diesem Fall spricht man von kindlichem, sukzessivem Spracherwerb (vgl. Müller et al. 2007, S.15 ff.). Als Beispiel zur Verdeutlichung kann hier ein Kind genannt werden, das mit französisch als Muttersprache aufwächst. Im Alter von drei Jahren erwirbt es durch den Besuch einer deutschen Kindertagesstätte sukzessiv die deutsche Sprache und entwickelt sich dadurch im Laufe des Lebens zu einem bilingualen Sprecher der Sprachen französisch und deutsch. Der kindliche, sukzessive Spracherwerb erstreckt sich bis zu einem Alter von zehn Jahren. Personen, die zu einem späteren Zeitpunkt als im Alter von zehn Jahren eine weitere Sprache erwerben, fallen in die Kategorie des erwachsenen, sukzessiven Spracherwerbs (vgl. Anstatt/ Dieser 2007, S. 140). 3.2.4.2 Additiver und subtraktiver Bilingualismus: Lambert (1977) unterscheidet in seinem Werk zwei weitere Formen des Bilingualismus. Nebst simultanem und sukzessivem Bilingualismus müssen auch die Begriffe des additiven und subtraktiven Bilingualismus differenzierter betrachtet werden. Von additivem Bilingualismus spricht man, wenn Personen sich eine neue Sprache aneignen und ihre Kompetenzen in der Muttersprache auf gleichem Niveau beibehalten oder sogar weiterentwickeln. Eine solche Form der Bilingualität bringt positive Elemente in die Gesamtentwicklung des Kindes mit ein. Additiver Bilingualismus ist in Gesellschaften vorzufinden, in denen die jeweiligen beiden Sprachen ein hohes Ansehen genießen. Somit müssen sie vom Sprachlerner nicht aufgrund gesellschaftlicher Umstände unterdrückt werden. Als Beispiel können deutsche Kinder angeführt werden, die eine bilinguale Schule besuchen, oder auch anglophone Kinder in Kanada. Subtraktiver Bilingualismus ist gegensätzlich zu additiven Bilingualismus negativ konnotiert und liegt vor, wenn das gesamte Leistungsvermögen des Kindes durch das Erlernen einer Zweitsprache negativ beeinträchtigt wird. Dieser Fall trifft oft bei Kindern ein, die einer sprachlichen Minderheit angehören. Sie vernachlässigen dann ihre Erstsprache, meist aufgrund einer negativen Einstellung der Gesellschaft gegenüber ihrer jeweiligen Minderheitensprache. Die Vernachlässigung der Erstsprache kann hoch problematische Folgen für das Kind haben. Das betrifft vor allem die kognitive und psychische Entwicklung des Kindes. Eine minderwertig ausgebildete Erstsprache kann im schlimmsten Fall sogar zu doppelter Halbsprachigkeit führen, die enorme Auswirkungen auf die gesamte Schulleistung haben kann. 4. Rahmenbedingungen für eine bilinguale Entwicklung: In diesem Abschnitt wird skizziert, welche Faktoren bei der bilingualen Erziehung eines Kindes wesentlich für eine gelungene Bilingualität sind. Dabei wird zum einen die Frage nach dem idealen Alter für das Erlernen von Sprachen diskutiert. Des Weiteren werden zwei Strategien vorgestellt, die im Rahmen der familiären bilingualen Erziehung von den Eltern genutzt werden können. Auch potentielle Chancen und Risiken der beiden Strategien werden in Betracht gezogen. 4.1 Alter: Die kritische Periode : Je jünger der Lerner, desto einfacher verläuft der Spracherwerb – das ist eine allgemein weit verbreitete These. Kinder scheinen Sprachen spielend einfach zu lernen. Derweil fällt es Erwachsenen deutlich schwerer, weitere Sprachen zu erwerben oder zu lernen, so die Annahme. Bei der Frage des Alters im Kontext bilingualer Erziehung muss grundsätzlich eine klare Linie zwischen bilingualem Erstspracherwerb und frühem Zweitspracherwerb gezogen werden. In Kapitel und 3.2.4.1 wurde bereits genau erläutert, worin die Unterschiede zwischen simultanem und sukzessivem Bilingualismus liegen. Die in der Theorie klare Unterscheidung zwischen simultanem und sukzessivem Erwerb ist in der konkreten Anwendung nicht ohne Kompromisse haltbar (Schneider 2015, S. 18). Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie strikt Gleichzeitigkeit zu verstehen ist. Von ihr hängt die Definition des bilingualen Erstspracherwerbs ab (ebd.). Es herrscht große Uneinigkeit darüber, was die Altersgrenze hierfür betrifft. McLaughlin (1978, S.73) ist beispielsweise der Ansicht, dass drei Jahre als Altersgrenze festgelegt werden können. Hat das Kind in diesem Zeitraum regelmäßigen Kontakt zu beiden Sprachen, kann dies dem bilingualen Erstspracherwerb zugeordnet werden (ebd.). Deuchar und Quay (2000, S.2) hingegen vertreten die Meinung, dass die Altersgrenze auf ein Jahr heruntergesetzt werden muss […].

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