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Pädagogik & Soziales

Eva Starck-Ottkowitz

Leonora Carrington. Die Korrespondenz von Biographie und Selbstdarstellung

ISBN: 978-3-95934-976-5

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 08.2016
AuflagenNr.: 1
Seiten: 116
Abb.: 13
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Diese interdisziplinäre Studie beschäftigt sich mit der surrealistischen Künstlerin Leonora Carrington und ihren Selbstdarstellungen. Die Autorin untersucht den Bezug zwischen diesen Selbstdarstellungen und ihrer Identitätsentwicklung. Hierzu zieht sie einerseits die Bildhermeneutik nach Panofsky für die Untersuchung der Selbstdarstellungen heran und weiterhin die objektive Hermeneutik nach Oevermann für die Analyse der Lebensdaten der Künstlerin. Als Bindeglied zwischen der kunsthistorischen und der sozialwissenschaftlichen Methode fungiert die Identitätstheorie Erik H. Eriksons. Das Hauptaugenmerk liegt auf den biographischen Entwicklungen der Künstlerin und ihren Selbstdarstellungen, die als Reaktion auf ihre persönliche Entwicklung, aber auch als Spiegelbild des Surrealismus betrachtet werden können. Leonora Carrington ist in Mexiko bereits sehr bekannt, da sie dort lange Zeit gelebt hat. Ihr künstlerisches Wirken auch in Europa zu verbreiten, wo sie geboren wurde und ihre Karriere als Künstlerin begann, ist ein Ziel dieses Buches.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2, Objektive Hermeneutik: Die von Ulrich Oevermann 1969 begründete Objektive Hermeneutik bildet das zweite Standbein dieser Untersuchung. Die Objektive Hermeneutik bezieht ihre Gültigkeit aus Ausdrucksgestalten, also aus allen Fußspuren , die Menschen in dieser Welt hinterlassen. Diese Ausdrucksgestalten müssen allerdings protokolliert sein, der symbolische Gehalt und die äußere Abbildung müssen somit existieren, um sie untersuchen zu können. Die Untersuchung unterliegt dabei einem gewissen Regelwerk. Die latente Sinnstruktur, diejenige Struktur, die unbewusst von demjenigen/derjenigen, der/die sie erschaffen hat, in die Ausdrucksgestalt eingebettet wurde, wird vom Forschenden rekonstruiert und in ihrem äußeren Zusammenhang, dem Kontext der Situation, interpretiert. Dass Lebenspraxis […] immer schon als eine Sequenzfolge zu verstehen ist, als ein regelgeleiteter Ablauf und ein Ineinanderübergehen von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem […] , erklärt sich in der Betrachtung von Biographien und wird durch die Analyse derjenigen von Leonora Carrington belegt werden. Ein Ereignis in der Vergangenheit eines Menschen wirkt hinein bis in die Gegenwart und kann seine Zukunft verändern. Somit hat die Biographie eines jeden Menschen etwas an sich, was sie einzigartig werden lässt. Keine Biographie ist mit einer anderen identisch, nicht einmal die von Zwillingen, die in ein und derselben Familie aufwachsen, dieselbe Schule besuchen und dieselben sozialisatorischen Bedingungen haben. Denn die Wahrnehmung bleibt individuell, die durchlebten Situationen sind verschieden interpretiert und verarbeitet worden und damit auch die gemachten Erfahrungen, die die Gegenwart und die Zukunft beeinflussen. Es lässt sich daher sagen, dass das menschliche Leben in aufeinander folgende Sequenzen unterteilt werden kann. Die Objektive Hermeneutik ist wiederum ihrerseits […] dem Wechselspiel von Neuem, Emergenz und Krise einerseits, und Vorbestimmtem, Determiniertem und Routinen andererseits […] nachempfunden. Welche Methode könnte also geeigneter sein, die Biographie eines Menschen zu untersuchen, als diejenige, die genauso aufgebaut ist, wie das Leben selbst? Die Datenauswertung steht im Mittelpunkt der Objektiven Hermeneutik. Die Datenerhebung ist dabei zweitranging anzusiedeln, da die Methodik der Auswertung für die korrekte Interpretation und somit für das Ergebnis eines Falls eine bedeutendere Rolle spielt als die Qualität des Protokolls an sich. Die Vorgehensweise läuft folgendermaßen ab: Das in Textform vorliegende Protokoll wird auf eine bestimmte Fragestellung hin sequenziell interpretiert. Die einzelnen Sequenzen, die sich aus Sinneinheiten ableiten, werden unabhängig voneinander analysiert und gedeutet. Im Laufe der sich mehrenden Sequenzinterpretationen werden einzelne Deutungen bezüglich der anfangs festgelegten Fragestellung erarbeitet, verändert oder negiert, bis sich verschiedene Lesarten entwickeln. Diese Lesarten müssen intersubjektiv verständlich, also für andere nachvollziehbar sein, um bestehen zu bleiben. Während der gesamten Sequenzanalyse darf die- oder derjenige, die oder der sie anwendet, nicht vorgreifen und somit keine Vorkenntnisse über den weiteren Verlauf der Biographie einbringen. Jede Sequenz wird unabhängig von den darauffolgenden interpretiert, da sonst eine kreisförmige Bewegung entstehen kann – man sucht in diesem Fall lediglich Belege für eine im Voraus getroffene Annahme und ist nicht mehr offen für neue Lesarten. Ist bei dem/der Forschenden bereits Wissen über den Kontext der Sequenzen vorhanden, darf dieses nicht mit in die Analyse einbezogen werden. Bei der Sequenzanalyse ist die Qualität wichtiger als die Quantität. Die Detailgenauigkeit spielt für die Entwicklung und das Belegen beziehungsweise das Widerlegen von Lesarten eine größere Rolle als die Anzahl der Sequenzen oder objektiven Daten. Diese Sequenzen und Daten können je nach Relevanz gewählt werden, der/die Forschende unterliegt also keinem gezielten Auswahlverfahren. Zusammengefasst geht es bei der Objektiven Hermeneutik um die Rekonstruktion einer latenten Sinnstruktur in einem Protokoll in Bezug auf eine konkrete Fragestellung. In Bezug auf die objektiven Lebensdaten von Leonora Carrington scheint die Objektive Hermeneutik das ideale Verfahren zur Entschlüsselung der Verbindung von Oeuvre und Biographie zu bieten.

Über den Autor

Eva Starck-Ottkowitz wurde 1990 in Kiel geboren und begann 2011 ihr Studium der Kunstgeschichte und der Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Nach einem Jahr zog sie zurück in ihre Heimatstadt und setzte ihr Studium an der Christian-Albrechts-Universität fort. 2016 schloss sie dieses mit dem Master of Arts in beiden Fächern erfolgreich ab. Während des Studiums war Frau Starck-Ottkowitz als Hilfskraft am Kunsthistorischen Institut beschäftigt und in ihrer Tätigkeit an zwei wissenschaftlichen Publikationen beteiligt.

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