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Pädagogik & Soziales

Jörg Stumbrat

Lernfeldorientierung in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern

Ein didaktisches Konzept für die Entwicklung beruflicher Identität und professioneller Perspektiven

ISBN: 978-3-8366-6018-1

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2008
AuflagenNr.: 1
Seiten: 206
Abb.: 57
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Erzieherinnen und Erzieher haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt zu bilden. Und wer bilden möchte, sollte gut ausgebildet sein. Es ist keinesfalls einfach, sich mit dem Berufsbild von Erzieherinnen und Erziehern auseinander zu setzen. Welche zentrale Rolle dabei die Bildung einnimmt, zeigt uns beispielsweise die PISA-Studie. Der Bildungsauftrag in der Arbeit von Erzieher/-innen ist unumstritten. Die Anforderungen an Erzieher/-innen sind enorm. Diesen Anforderungen müssen sich nicht ausschließlich die Erzieher/-innen stellen, sondern ebenso die Bildungsinstitutionen zur Ausbildung von Erziehern/-innen. Die Qualität der Ausbildung soll verbessert werden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) empfiehlt, die herkömmlichen curricularen Unterrichtsformen zu lernfeldorientierten Ausbildungsformen zu ändern. Diesen Anforderungen stellt sich ebenso die vorliegende Arbeit. Diese Arbeit hat nicht den Anspruch, die Erzieher/-innenausbildung vollständig zu beschreiben, sondern greift die Berufsfindungsphase auf. Sie stellt geschichtliche Daten und Aspekte des Berufsbildes dar und setzt sich mit dem herkömmlichen curricularen Ausbildungssystem und der lernfeldorientierten Form auseinander. Abschließend soll ein Praxis-Lehr-Modul im Sinne des Lernfeldkonzeptes als Handbuch für die Lehrenden beschrieben werden, welches sich ausschließlich mit der Berufsfindung der Lernenden auseinandersetzt. Die Ausarbeitung ist Grundlage und beschreibt, wie lernfeldorientierter Unterricht im Themenfeld >Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln< umgesetzt werden kann. Das Praxis-Lehr-Modul soll Lehrende unterstützen, nach den curricularen Vorgaben des Lernfeldkonzeptes eine praktische Herangehensweise zu haben, dass Thema im Sinne des Lernfeldkonzeptes umzusetzen.

Leseprobe

Kapitel 4.4, Das Lernfeldkonzept: Die Unterrichtsgestaltung nach dem Lernfeldkonzept ist ein fächerübergreifendes, auf Handlungsfeldern/Tätigkeitsfeldern aufbauendes Curriculum, welches durch die Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von Erzieherinnen und Erziehern durch die KMK vom 28.01.2000 beschlossen wurde. Das Lernfeldkonzept wird durch zwei wesentliche Merkmale geprägt: (a) Fachübergreifender Ansatz bei inhaltlicher Offenheit, (b) Kompetenzorientierung und Tätigkeitsbezug. Fachübergreifender Ansatz bei inhaltlicher Offenheit: Es werden teilweise die oben angerissenen Aspekte aufgegriffen und genauer behandelt, um eine einfachere Lesbarkeit zu erzielen Die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen erfolgt auf der Grundlage von Lernfeldern. In beruflichen Handlungsfeldern und nicht ausschließlich in fachtheoretischen Wissensinhalten, wie diese sich in den Stoffverteilungsplänen fanden, befindet sich die curriculare Grundlage. In den Lehrplänen des Unterrichtes nach dem Lernfeldkonzept werden anwendungs- und handlungsorientierte berufliche Handlungsfelder wie beispielsweise Sprache als Grundlage menschlicher Entwicklung verstehen und fördern , Pädagogische Konzepte umsetzen und Qualität sichern , Gesundheit fördern benannt. Die Lehrpläne für den Lernfeldunterricht zeichnen sich dadurch aus, nicht den Schwerpunkt auf fachbezogene Inhalte zu legen, sondern berufliche Handlungssituationen zu erfassen. Es werden in den Lernfeldern handlungsorientierte Lernziele und Lerninhalte vorgeschrieben. Der Lernfortschritt wird durch Inhalte und Zielformulierungen geprägt, indem diese gemeinsam (Lehrende und Lernende) erarbeitet und entschieden werden. Diese inhaltliche Offenheit erlaubt dem Lehrenden, Schwerpunkte und Methoden zur Erfüllung der Zielformulierung und der Vermittlung der Inhalte selbst bzw. im Team mit Kolleginnen oder in gemeinsamer Arbeit mit den Lernenden zu definieren. Der Lehrende kann des Weiteren schnell und flexibel auf Veränderungen der pädagogischen Arbeit sowie regionale Besonderheiten eingehen. Durch fächerübergreifende Lehr- und Lernprozesse im Sinne des Lernfeldkonzeptes in berufsspezifische Handlungsfelder, die sich an beruflichen Arbeitsprozessen orientieren, wird der angestrebte Praxisbezug in den für sie relevanten Schwerpunkten zielorientiert und ganzheitlich hergestellt. Durch diese Form des Unterrichts sollen sich Lernende vielfältige Qualifikationen und Kompetenzen aneignen, welche sie dazu befähigen, sich in einer ständig verändernden Arbeitsumgebung fachkompetent und sozialverantwortlich zu verhalten. Unterschiede zwischen dem bisherigen und zukünftigen Curriculum: In folgender Abbildung wird der Unterschied zwischen der bisherigen Ausbildung und der Ausbildung nach dem Lernfeldkonzept in Kurzform dargestellt. Hierbei wird noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, dass die Lernenden Kompetenzen erwerben und nicht ausschließlich die Qualifikationen erlernen. Durch handlungsorientierte Lernformen werden die Lernenden befähigt sich eigenverantwortlich und zielorientiert Wissen anzueignen. Die Verantwortung für den Unterricht bleibt dabei nicht ausschließlich beim Lehrenden. Auf die von der KMK geforderte Unterrichtsgestaltung im Sinne der Handlungsorientierung, der Funktionen von Handlungen, der Schlüsselqualifikationen und der Kompetenzentwicklung wird im Unterpunkt (b) und dem Kapitel 4.4.4 genauer eingegangen. Begriff Lernfelder : Lernfelder sind didaktisch begründete, schulisch aufbereitete Handlungsfelder. Komplexe Aufgabenstellungen der Handlungsfelder werden zusammengefasst, deren Unterrichtsdurchführung in fachübergreifender Weise und in handlungsorientierten Lernsituationen erfolgt. Lernfelder sind durch Zielformulierung, Inhalte und Zeitrichtwerte beschriebene thematische Einheiten, die an beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientiert sind. Aus der Gesamtheit aller Lernfelder ergibt sich der Beitrag der Lehrinstitution zur Berufsqualifikation. Tabellarische Struktur von Lernfeldern: Der strukturelle Aufbau von Lernfeldern wird grundsätzlich in tabellarischer Weise dargestellt. Die Überschrift eines Lernfeldes nennt die Lernfeldbezeichnung, die immer eine berufliche Handlung darstellt, welche nach erfolgreicher Erarbeitung des Lernfeldes bewältigt werden sollte. Das bedeutet, dass Lernfelder mit Bezug auf Handeln definiert werden, nicht ausschließlich auf Inhalte (Bezug nehmend auf Tabelle 4: nicht Berufliche Identität und Professionalität sondern Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln ). Aus dem Lernfeldkopf können weiterhin entnommen werden: die nummerische Zahl des Lernfeldes, Zeitrichtwert, der zur Bearbeitung des Lernfeldes zur Verfügung steht und der Lernbereich (Kommunikation und Gesellschaft, Sozialpädagogische Theorie und Praxis etc.). Diese Angaben dienen der Zuordnung von Lernfeldern in Lernbereichen. Die Ziele werden in der Art formuliert, dass sie die Kompetenzen und Qualifikationen erfassen, die die Lernenden nach Durchlaufen des Themenfeldes (Lernfeldes: JS) erworben haben sollen. Die Formulierungen der Inhalte sind mit Absicht sehr offen gehalten, um dem Lehrenden einen großen Freiraum zur Vermittlung der Ziele zu lassen. Die Vorgaben zur Zielerreichung beschreiben, was der Lernende können soll und nicht, was er lernen muss. Unter dem Begriff Inhalte der tabellarischen Darstellung von Lernfeldern befinden sich Vorgaben darüber, welche Aspekte zu behandeln sind, die zum Ausbildungsziel führen sollen. Diese Vorgaben sind mit Absicht offen gehalten worden, damit den Lehrenden und Lernenden ein größerer Spielraum bleibt, welche Inhalte sie im Detail behandeln wollen. Handlungen und Handlungsorientierung: Die Berufliche Handlungskompetenz als Leitziel der Berufsbildung ist gegenwärtig weithin unumstritten. In der Didaktik korrespondiert dieses Leitziel mit der Konzeption handlungsorientierter Ausbildung bzw. handlungsorientierten Unterrichts. Die Grundannahme, dass Handlungskompetenz durch solche Lehr-Lern-Arrangements besonders gefördert werden kann, in denen die Lernprozesse sich an Handlungen orientieren. Zu bedenken ist, dass Handlungen sehr unterschiedliche Ziele verfolgen, auf verschiedene Weise zu Lernen und zu Erkenntnisgewinn beitragen und damit die Entwicklung der Dimensionen von Handlungskompetenz mehr oder weniger unterstützen können. Handlungen: Unter Handlungen versteht man Abfolgen von Teilhandlungen, die sich an Zielen orientieren. Jede Teilhandlung ist als Teilziel zu verstehen. Handeln bezieht sich sowohl auf materiell fassbare Gegenstände als auch auf gedankliche Gebilde. Ein handelnder Mensch strebt ein Ziel an, ansonsten hantiert er nur. Er möchte eine ihm unbefriedigende Situation verändern. Handlungen haben einen Gesamtablauf. Handlungsorientierung: Handlungsorientierung bedeutet, dass der Unterricht in dreifachem Sinne ganzheitlich zu gestalten ist, um (1) Lernen mit Kopf, Herz und Hand, (2) Lernen in einer vollständigen Handlung mit Planung, Durchführung und Bewertung sowie (3) Lernen durch die Bearbeitung von komplexen Aufgaben- und Problemstellungen, die in fachlichen und fachübergreifenden Zusammenhängen betrachtet werden, zu ermöglichen Es geht bei der Handlungsorientierung vorwiegend um die Förderung der Eigenverantwortung der Lernenden. Sie übernehmen Verantwortung für den Lernprozess und das Ergebnis. Eine wichtige Voraussetzung für ein Gelingen ist die gemeinsame Vereinbarung und Zielsetzung.

Über den Autor

Jörg Stumbrat, Diplom Berufspädagoge (Studium an der Technischen Universität Berlin) Abschluss 2007, Diplom Sozialarbeiter/-pädagoge (Studium an der Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin),Abschluss 1993. Mehrjährige Erfahrungen in Sozialpädagogischen Arbeitsfeldern wie Ambulante und Stationäre Hilfeformen, Erlebnispädagogische Angebote, Sozialppädagogische Begleitung von Auszubildenden und Dozententätigkeiten.

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