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Pädagogik & Soziales

Tanja Breitfeld

Neue Lehr- und Lernformen im Spiegel der pädagogischen Praxis

Eine Evaluation des Gruppenpuzzles

ISBN: 978-3-8366-7939-8

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 10.2009
AuflagenNr.: 1
Seiten: 170
Abb.: 17
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Grundschule steht heute - wie das Bildungswesen insgesamt - vor neuen Herausforderungen und Problemen, die sich vor allem aus den Veränderungen in der Gesellschaft und damit auch aus den außerschulischen Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kinder ergeben. Die große Verantwortung, die Lehrkräfte für die Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder übernehmen, erfordert es, sich ständig mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen auseinanderzusetzen. Nur so können sie die Anforderungen und die pädagogischen Arbeit sinnvoll und erfolgreich bewältigen. Insbesondere Lehrerinnen und Lehrer müssen sich mit den Veränderungen der Schülerinnen und Schülern auseinandersetzen und sich den Herausforderungen stellen. Um zeitgemäß und zukunftsgerecht unterrichten zu können, ist jedoch auch eine Reformierung der Unterrichts- und Lernmethoden dringend notwendig. Denn der Prozess des Lehrens und Lernens kann durch geeignete Methoden geordnet, verbessert und beschleunigt werden, das heißt, die Qualität des Unterrichts kann somit gesteigert werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genau mit dieser Problematik und stellt neue Methoden und Formen des Lernens und Unterrichtens aus verschiedenen Blickwinkeln vor. Die PISA-Ergebnisse machen weiterhin deutlich, dass Kinder und Jugendliche in deutschen Schulen erhebliche Mängel in den getesteten Bereichen aufweisen. Spätestens jetzt sollte darauf reagiert werden. Es hat sich in den letzten Jahren eine neue Lernkultur entwickelt, die dementsprechend neue Lehr- und Lernformen benötigt. Die Entfaltung neuer Lehr- und Lernformen existiert bereits seit längerem, doch welche Formen sind effektiv? Die traditionelle und fast verdrängte Form des Lehrens ist der Frontalunterricht. Moderne Unterrichtsmethoden sind vergleichsweise offener und freier. Den Lehrkräften und Bildungsexperten ist mittlerweile deutlich geworden, dass sich die Schule an die Veränderungen anpassen muss und dass neue Lehr- und Lernmethoden dringend notwendig sind. Allerdings gibt es bezüglich dessen sehr unterschiedliche Meinungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Die Autorin stellt in ihrer Arbeit einige konträre Meinungen vor. Heinz Klippert gehört zu denen, die Innovationsarbeit in Schule und Unterricht leisten möchten. Er hat zahlreiche Methoden entwickelt, um wichtige Schlüsselqualifikationen zu vermitteln und eigenständiges Arbeiten und Lernen anzuregen. Die Autorin geht der Frage nach, wie effektiv die Lehr- und Lernmethoden von Klippert sind. Im Rahmen dieser Arbeit wird ein Teil seines Konzeptes kritisch untersucht. Des Weiteren widmet sich die folgende Arbeit, und insbesondere die empirische Untersuchung, in erster Linie der Frage, ob das Methodentraining von Klippert die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verbessert und ob sie die erlernten Methoden auch auf andere Situationen oder Fächer übertragen und anwenden können.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2.1.1 Relevanz der verstärkten Methodenschulung: Klippert begründet die Defizite der deutschen Schülerinnen und Schüler damit, dass sie nicht effektiv arbeiten und lernen. Daraus resultieren Schwächen in der Leseleistung, im eigenständigen Lernen und Denken und im Anwenden und Auswerten von Informationen. Diese Probleme, so behauptet er, könne man durch effektives Methodentraining begleichen. Weiterhin erlangen die Schülerinnen und Schüler durch das Training und die Anwendung verschiedener Methoden wichtige und zukunftsgerechte Schlüsselqualifikationen, die ihnen bis Dato noch fehlen. Das Einüben grundlegender Lern- und Arbeitsmethoden müsste allerdings schon in der Vorschulphase, spätestens aber in der Primarstufe erfolgen. Die Methodenschulung sei eine wichtige Aufgabe der Grundschule, die in den höheren Schulstufen aller Art weitergeführt werden sollte. Sie diene als Grundlage und Garantie für nachhaltiges Lernen und Behalten. Mit Methodenschulung meint Klippert zum einen das Einüben fundamentaler Lern- und Arbeitstechniken und zum anderen das Training kommunikativer und kooperativer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Er ist der Meinung, dass erfolgreiches Lernen nur durch mehrkanaliges Lernen geleistet werden könne. Das heißt, dass Schülerinnen und Schüler mit möglichst vielen Sinnen den Lernstoff erschließen sollten, auf diese Weise wird der Lernstoff multilateral und nachdrücklich verknüpft und behalten. Voraussetzung für das Lernen mit vielen Sinnen sei jedoch das Beherrschen entsprechender Methoden. Klippert hat den Eindruck, dass in vielen Schulen die Methodenschulung zu wenig oder gar nicht berücksichtigt werde. Daher erklärt er sich auch die Mängel und Defizite der Schülerinnen und Schüler. Allerdings seien dafür nicht nur die Kinder verantwortlich, sondern vor allem die Lehrkräfte, die ein kleinschrittiges Methodenlernen fördern sollten. Viele Beispiele und Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis zeigen, dass es den Schülerinnen und Schülern allein an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung fehlt. Klippert erklärt sich dieses Problem folgendermaßen: Ein Großteil der (Grundschul-) LehrerInnen neigten dazu den Kindern zu häufig zu helfen und sie zu bevormunden. Sie meinen es allerdings nur gut und wollen das Beste für die Schülerinnen und Schüler. Klippert ist jedoch der Meinung, dass sie damit das Gegensätzliche bewirken. Kinder sollen lernen sich selbst zu helfen und eigenständig zu handeln. An dieser Stelle zitiert Klippert Maria Montessoris Leitmotiv: Hilfe zur Selbsthilfe . Diese Aufgabe werde in deutschen Schulen kaum berücksichtigt, so dass Kinder ohne Anweisung der Lehrkraft oft hilflos dastehen. Die Veränderung der Lebensbedingungen und -gewohnheiten deutscher Schülerinnen und Schüler ist eine schwierige Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer. Kinder wachsen heutzutage unter völlig anderen Bedingungen auf als ihre Eltern, sie werden erheblich durch die elektronischen Medien beeinflusst. In vielen Schulklassen gibt es Kinder, die gravierende Sprachmängel aufweisen, da sie im Elternhaus nicht die deutsche Sprache erlernt haben. Auch Schülerinnen und Schüler, die vernachlässigt werden, kommen immer häufiger vor. All diese Faktoren müssen bei der Erziehungsaufgabe berücksichtigt werden. Für Lehrerinnen und Lehrer sind diese Veränderungen sehr belastend. Allein die Öffnung des Unterrichts ist noch keine Garantie für effektives und sinnvolles Lernen. Dafür benötigen die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die ihnen ein freies und eigenverantwortliches Arbeiten gewährleisten. Leider gebe es immer wieder Kinder, so Klippert, die offene und freie Unterrichtssituation falsch verstehen und sie für private Interessen ausnutzen. Diese Kinder verfügen nicht über die entsprechenden Methoden und Kompetenzen, die sie für einen offenen Unterricht benötigen. Selbstständigkeit, eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen und Sozialverhalten sind Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler für offene Lernsituationen benötigen. Dennoch verfügt ein Großteil der Kinder nicht über diese Qualifikationen, da ihnen diese von zuhause aus nicht gelehrt werden, so müssen die Lehrkräfte diese Aufgabe übernehmen. In diesem Zusammenhang verweist Klippert auf die Befunde von Weinert. Der Kognitions-Psychologe bezieht kritisch Stellung zum Thema Offener Unterricht . Er sagt, man dürfe die Rolle des selbstständig und aktiv Lernenden nicht zu sehr gewichten, da auch die Rolle des anleitenden und anregenden Lehrers immens wichtig erscheint. In seinen zehn Thesen zur neuen Lernkultur (siehe auch Kapitel 2.1.1) betont er zugleich, dass die Lernkultur kompetente, professionelle und dem Schüler zugewandte Lehrkräfte erfordere. Auf die Rolle des Lehrers oder der Lehrerin darf nicht verzichtet werden, sie werde nur den aktuellen Gegebenheiten und der neuen Lernkultur angepasst und verändert. Ein Zitat von Weinert macht die Ausgewogenheit von Schüler- und Lehrerrolle deutlich: Sowohl das vom Lehrer angeleitete, als auch das vom Schüler selbstständig gesteuerte Lernen sind gleichermaßen wichtige Arbeitsformen im Unterricht . Auch die Lernforscher Gabi Reinmann-Rothmeier und Heinz Mandl sind ähnlicher Meinung. Sie plädieren für eine Ausgewogenheit zwischen ausdrücklicher Anleitung durch den Lehrenden und konstruktiver Aktivität der Lernenden. Schülerinnen und Schüler benötigten auf der einen Seite Freiraum für selbstständige Lernprozesse und auf der anderen Seite parallel Anleitungen und Hilfestellung der Lehrkräfte. Besonders bei komplexen und anspruchsvollen Aufgaben sollten Lehrer und Lehrerinnen zur Verfügung stehen. Das folgende Zitat von Walter Edelmann erläutert die Zusammenwirkung von Lehrersteuerung und Schülerselbstständigkeit sehr deutlich: Direkte Instruktion und selbstgesteuertes Lernen sind nicht alternative, sondern komplementäre, d.h. sich gegenseitig ergänzende Lehr- und Lernformen . Schülerinnen und Schüler, die nicht in der Lage sind, selbstständig zu arbeiten und zu lernen, sind auf den lehrergeleiteten Unterricht angewiesen. Besonders lernschwächere Kinder müssen Anleitungen und Hilfestellungen von der Lehrkraft erhalten. Eine weitere Aussage von Franz E. Weinert beinhaltet die Kriterien guten Unterrichts: Guter Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass die Lehrkräfte ihre SchülerInnen konsequent anhalten und anleiten, sich mit dem jeweiligen Lernstoff in möglichst aktiver und konstruktiver Art auseinanderzusetzen, um auf diese Weise intelligentes Wissen in ihre Köpfe zu bekommen . Weinert möchte das träge Wissen vermeiden, welches nur oberflächlich erworben wird und nicht sinnvoll mit Vorwissen vernetzt wird. Die aktive und konstruktive Auseinandersetzung mit Lernstoff bezieht sich auf geistige Prozesse. Intelligentes Wissen wird aktiv erworben und an bereits vorhandenes Wissen effektiv angeknüpft, so dass Zusammenhänge entstehen, die flexibel abrufbar bzw. anwendbar sind. Ähnlich argumentiert auch die Lernforscherin Elsbeth Stern, die ich in Kapitel 2.1.5 ausführlich erläutert habe. Klippert hat festgestellt, dass Schülerinnen und Schüler durchaus über eigene Methoden verfügen, jedoch sind diese eher intuitiv und häufig nicht besonders hilfreich. Aus diesem Grund sollten Lehrerinnen und Lehrer mithilfe der Methodenschulung und vielen Tipps und Übungen den Kindern neue Einsichten in Lern- und Arbeitsmethoden gewähren.

Über den Autor

Tanja Breitfeld, geb. 1982, studierte Lehramt Primarstufe an der Universität Dortmund. Derzeit tätig als Grundschullehrerin an der Gemeinschaftsgrundschule Im Brömm in Gelsenkirchen.

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