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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 05.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 120
Abb.: 8
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In Anbetracht der Diskussion um Sprachförderung sowie Sprachförderungsmaßnahmen, die zum einen durch die PISA- Studie ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt wurden sowie der in den letzten Jahren intensivierten Forschung und den daraus resultierenden Förderprogrammen, scheint vor allem die Bedeutung der Zweitsprache bei Kindern mit Migrationshintergrund ein fortlaufend aktuelles Thema zu sein. Aufgrund von Globalisierungsprozessen, neuen technologischen Entwicklungen als auch durch die Erweiterung der Europäischen Union und stetigen Migrationsbewegungen, leben wir zunehmend in einer durch Sprachenvielfalt gekennzeichneten Welt. Infolge des ständigen Wandels entsteht zunehmender Kontakt zu Menschen anderer Sprachen. Trotz hoher Migrationsbewegungen existieren bis heute Probleme, die zum Teil nur schwer überwindbare Hürden für viele Migranten darstellen. Unterschiedliche Sprachen, Herkünfte und den damit zusammenhängenden Weltanschauungen können Verunsicherung auslösen, da viele gesellschaftliche Bereiche auf den großen Zuzug von Menschen nicht vorbereitet waren und sind. Diese Studie vergleicht daher die Sprachbildungsmaßnahmen Schwedens und Deutschlands und versucht neben einer Evaluation der bisherigen Theorie, mögliche Impulse für weitere Reformmaßnahmen in Deutschland herauszufiltern.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.1.4, Die heutige Situation: Um die heutige Situation Schwedens genauer beschreiben zu können, müssen die Entwicklungen seit den 1970er und 1980er Jahren betrachtet werden. In diesen beiden Jahrzehnten lag die Zahl der um Asyl bewerbenden Flüchtlinge zwischen 10.000 und 30.000 pro Jahr. Die in dem vorherigen Kapitel bereits angedeutete Ausdehnung der Aufnahme von Asylsuchenden und Flüchtlingen setzte sich in den Folgejahren fort, so dass ab 1990 bereits ca. 170.000 Asylbewerber aufgenommen wurden. Diese Entwicklung hatten natürlich auch Einfluss auf die Wohn- und Arbeitssituation Schwedens, so dass sich die Wohnungsbeschaffung immer schwieriger gestaltete. Ebenfalls wirkten sich die ansteigenden Zahlen auf die Integration und das Ausbildungssystem aus. Jederlund beschreibt, dass ‘viele Flüchtlinge [...] in den Vororten der Großstädte [landeten]. Dort setze gegen Ende der 80er Jahre auch die Segregation ein, die wir in der heutigen Gesellschaft erleben.’ Wie die zu Beginn des Kapitels angeführte Grafik verdeutlicht, haben 16% der schwedischen Bevölkerung einen ausländischen Hintergrund. Das bedeutet, dass ein Siebtel entweder im Ausland geboren wurde oder zumindest einen Elternteil hat, der im Ausland geboren wurde. Die Hauptgruppen innerhalb der Migrationsströme der letzten Jahre machen vor allem nachziehende Familienmitglieder im Sinne der Familienzusammenführung als auch Arbeitsmigranten aus (vgl. Dazu Grafik 3 (Anhang) des Migrationsverket). Generell ist zu sagen, dass heutzutage nur wenige Länder eine höhere Einwanderungsquote aufweisen als Schweden. Deutschland liegt wie die USA oder Österreich mit ca. 12% auf einem vergleichbaren Level wie Schweden. Lediglich die Schweiz oder Luxemburg weisen eine höhere Einwanderung auf. Grund dafür ist auch das aktive Anwerben von Einwanderern/innen. In Deutschland liegt der Ausländeranteil im Gegensatz zu Schweden bei ca. 9% - also der Hälfte im Vergleich zu Schweden. Eine Gemeinsamkeit zwischen Schweden und Deutschland besteht trotzdem in den starken Zuwanderungswellen der 1980er und 1990er Jahre. Die größte Migrantengruppe in Deutschland stellen dabei mit knapp einem Drittel Einwanderer aus der Türkei dar. Jedoch ist die Einwanderungsstruktur Deutschlands ebenfalls deutlich durch den Zugang von Spätaussiedlern geprägt. Durch diesen Eintritt wird gleichzeitig deutlich, dass das Ausmaß der Migration in Deutschland nicht allein durch die ‘Zahl der in Deutschland lebenden Ausländern [...] ausreichend beschrieben ist. Zunehmend gerät daher der Begriff ‘Person mit Migrationshintergrund’ in das Blickfeld des Interesses. Hierzu gehören sowohl Ausländer als auch deutsche Staatsangehörige, und zwar sowohl die direkt Zugewanderten (Spätaussiedler, eingebürgerte Ausländer), als auch die nicht direkt Zugewanderten, also die in Deutschland Geborenen (Kinder von Spätaussiedlern, Ausländern in 2. Und 3. Generation, in Deutschland geborene Ausländer, Kinder von Eingebürgerten, u.a.)’. Es ist daher davon auszugehen, dass jede fünfte Person in Deutschland einen Migrationshintergrund hat. Um die Fragestellung dieser Arbeit beantworten zu können, ist neben der Betrachtung der Zuwanderungsgründe vor allem die weiterführende Darstellung der Herkunftsländer wichtig. Nur anhand dessen können mögliche Unterschiede zur deutschen Zuwanderung festgestellt werden, die wiederum den Schulerfolg auf sprachlicher Ebene beeinflussen können. Wie die dem Anhang beigefügte Tabelle 1 zeigt, sind es vor allem Zuwanderer aus anderen nordischen Ländern sowie dem Iran und Irak. Weitere Einwanderungsgruppen kamen aus Ungarn, Griechenland, Estland, Großbritannien, Italien und Syrien. Insgesamt lassen sich 160 verschiedene Herkunftsländer ausfindig machen. Die bisherige Einwanderung nach Schweden erreichte im Jahr 2008 ihren bisherigen Rekordwert von 101.171 immigrierten Personen. Die Herkunftsländer der größten Migrantengruppen um die Jahrtausendwende blieben auch im Jahr 2008 laut des Statistika Centralbyrå bestehen, so dass vor allem Staatsbürger aus dem Irak, anderer nordischer Nachbarländer sowie Polen zuwanderten. Die größte Zuwanderungsgruppe in Deutschland kommt dagegen aus der Türkei, Italien, Polen, Griechenland und Kroatien. Vor allem die türkisch stämmigen Personen machen mit einer Gemeinschaft von 1.658.083 Personen insgesamt 25% aller Ausländer in Deutschland aus. Wird diesem Gedanken weiter nachgegangen, lässt dich feststellen, dass ‘etwa jeder fünfte in Deutschland leben Ausländer [...] bereits hier geboren [wurde] (1,5 Mio. Personen) und [...] somit zur so genannten zweiten oder dritten Migrantengeneration [gehört].’ Dabei geht die heutige Zahl der Migranten ohne deutsche Staatsbürgerschaft ebenfalls auf die in den 1960er und 1970er Jahren angeworbenen Gastarbeiter zurück. Insgesamt betrachtet kennzeichnet sich die Situation für Deutschland als auch Schweden ähnlich. Beide Länder sind seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Einwanderungsländer. Zwar unterscheiden sich die Einwanderungsgruppen hinsichtlich ihrer Herkunft, jedoch ändert dieser Fakt nichts an der Tatsache, dass sich beide Länder den gleichen bildungspolitischen sowie integrativen Herausforderungen stellen müssen. 2.2, Kinder mit Migrationshintergrund an schwedischen Schulen: Wie die Migrationsbewegungen und Ausführungen der vorherigen Kapitel gezeigt haben, gibt es eine große Vielfalt an unterschiedlichen Kulturen und dementsprechend auch Sprachen, die auch für das Schulwesen relevant sind. An schwedischen Schulen gibt es um die 193 verschiedene Herkunftssprachen, so dass man sagen kann, dass insgesamt ca. ein sechstel der Schülerinnen und Schüler in Schweden aus Einwanderungs- oder Flüchtlingsfamilien stammen. Um dieser sprachlichen Herausforderung gerecht zu werden, hat Schweden mit großen Anstrengungen sprachliche Fördermaßnahmen initiiert. ‘Jedes Kind, das einen Elternteil mit einer anderen Familiensprache als Schwedisch hat, hat ein Recht auf zwei Stunden hemspråk-Unterricht pro Woche (Unterricht in der Familiensprache, unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Herkunft). [...] Der schwedische Staat trägt die Kosten für die Materialien und organisiert die Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen. Für zehn Sprachen werden hemspråk-Klassen an schwedischen Schulen angeboten’. Um den speziellen Bedürfnissen gerecht zu werden, hat diese Schülergruppe neben dem angebotenen Hemspråk-Unterricht (dem Unterricht in der Herkunftssprache) auch noch die Möglichkeit am Schwedisch als Zweitsprache Unterricht teilzunehmen. Aufgrund des in der Vergangenheit aufgetretenen Rassismus an manchen Schulen, verfolgt das schwedische Schulwesen konsequent die Grundprämisse, ‘dass alle Kinder und Jugendliche gleichen Zugang zu Ausbildung haben müssen ungeachtet ihres ethnischen und sozialen Hintergrunds oder ihres Wohnorts.’ Dies schlägt sich auch in der Lehrerausbildung nieder, die durch die Entwicklung zu Arbeitsteams einen großen Beitrag zur Entwicklung interkultureller Normen und Werte leisten. In Deutschland haben Ausländer ebenfalls das Recht auf Bildung. Dies ist jedoch an die Aufenthaltsgenehmigung geknüpft, die das Anrecht auf Bildung bzw. Arbeit erst ermöglicht. Ausländische Schülerinnen und Schüler bzw. diese mit Zuwanderungsgeschichte sehen sich durch die Kopplung von Bildungserfolg und sozialer Schicht bzw. Herkunft zunehmend benachteiligt, welches eine ungenügende Förderung schlussfolgern lässt. Inwieweit dies auf die generelle Konstitution des Schulsystems zurückzuführen ist, soll anhand des kommenden Kapitels geprüft werden, indem, mit Schwerpunktsetzung auf dem schwedischen Schulsystem, beide Schulsysteme vergleichen werden.

Über den Autor

Kevin Niehaus wurde 1988 in Gelsenkirchen geboren. Sein Lehramtsstudium für die Sekundarstufe I an der Universität Duisburg-Essen schloss der Autor im Jahre 2012 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Schulen erfolgreich ab. Bereits während des Studiums sammelte der Autor umfassende theoretische als auch praktische Erfahrungen im Bereich Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache. Fasziniert von der schwedischen Kultur und Sprache, verbrachte der Autor ein halbes Jahr in Schweden, um dort die Besonderheiten des Landes kennenzulernen. Seine Tätigkeiten in verschiedenen schulischen als auch universitären Projekten motivierten ihn, sich der Thematik des vorliegenden Buches zu widmen.

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