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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 05.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 120
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Betrachtet man die Arbeitsfelder der Allgemeinen Sozialarbeit und die der Klinischen Sozialarbeit, ist festzustellen, dass es sich in der Arbeit mit den Klienten überwiegend um Klienten mit traumatischen Erfahrungen handelt. Aber wie ticken diese denn eigentlich und worauf ist im Umgang mit ihnen besonders zu achten? Worin unterscheiden sich diese Klienten von anderen und wie begegnet man ihnen am besten? Welche Rolle spielen Bindungserfahrungen, Psychodynamik und Phänomene wie die Parentifizierung? All diese Fragen werden in dieser Fachlektüre transparent dargestellt. Auch dem Thema der psychischen Mikrotraumata sowie der professionellen Selbstfürsorge wird Beachtung geschenkt. Dieses Buch soll helfen, Klienten mit kleineren oder größeren Traumata besser zu verstehen und somit eine professionelle Beziehungsgestaltung zu ermöglichen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 5.1.2, Förderung von Ressourcen: Wenn nach der traumatischen Erfahrung die Umstände und Lebensbedingungen des Betroffenen negativ sind, erhöht das die Gefahr schwerwiegende Folgen davon zu tragen (Keilson, 1979 Becker, 2006 Birck, 2001 Reddemann & Dehner – Rau, 2013). Ressourcen spielen hier also eine immense Rolle. Der Ressourcenbegriff ist als Überbegriff für sowohl innere als auch äußere Faktoren, welche zur psychischen und physischen Widerstandsfähigkeit sowie zur Krankheitsbewältigung mitwirken, zu verstehen (Strittmatter, 1994 zit. Nach Viehhauser, 2000). Er wird synonym zum Begriff Protektivfaktoren (a.a.O., S. 39) verwendet. Traumaexperten betonen die Wichtigkeit von Ressourcen, welche sie auch als unterstützende Faktoren zur Bewältigung großer Belastungen bezeichnen (Fischer & Riedesser, 2009 Birck, 2001, Reddemann & Dehner- Rau, 2013.). So sehen sie nicht nur vertrauensvolle Menschen als unterstützend, sondern auch die individuellen Fähigkeiten wie sich Hilfe holen zu können (Reddemann & Dehner-Rau, 2013) und die Auseinandersetzung mit Emotionen und Irritationen bzgl. seines Welt- und Selbstbildes (Fischer & Riedesser, 2009). Nach Fischer und Riedesser hängt es von der Dimension der traumatischen Situation ab, ob und inwiefern jemand über ausreichende Ressourcen verfügt um das Erlebte bewältigen zu können. Sie vertreten die Meinung, dass wohl jeder, der eine Extremtraumatisierung erlebt, ein psychisches Trauma entwickelt unabhängig von seinen vorhandenen Ressourcen (Fischer & Riedesser, 2009). Gleichwohl ist in der Arbeit mit traumatisierten Klienten enorm wichtig, dass man sich nicht nur auf die pathologischen Aspekte fokussiert. Damit würden sie nämlich auf ihre traumatischen Erlebnisse herabgesetzt werden. Traumatisierte Menschen – ganz gleich ob Kinder, Jugendliche und Erwachsene – schaffen trotz ihrer enormen Belastungen ihren Alltag, d.h. sie haben einen starken Überlebenswillen, der jedoch durch die Orientierung auf die Symptome sehr oft übersehen wird (Birck, 2001 Gahleitner, 2013, Gahleitner et al., 2015). Das heißt, für den individuellen Heilungsprozess ist neben der Erhebung pathogener Faktoren, der Blick auf die salutogen orientierten Faktoren unerlässlich (Geißler – Piltz et al., 2005 Gahleitner et al., 2015). Schließlich hängt das Ausmaß eines Traumas davon ab, welche Grundrisse einer traumatischen Erfahrung vorausgehen, also wie seine Widerstandskräfte sind und welche Vorerfahrungen der Betroffene hat, ob er auch positive Erfahrungen wie Vertrauen und Sicherheit gemacht hat, ob er auf soziale Unterstützung zurückgreifen könnte, wie seine Resilienzen sind (Reddemann & Dehner –Rau, 2013). Denn vorhandene sichere Bindungsverhältnisse stellen die relevantesten Schutzfaktoren dar (Hantke & Görges, 2012 Hantke, 2015 Gahleitner, 2007 2013 Beckrath – Wilking & Biberacher, 2013). Je schwerer Protektivfaktoren greifbar sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit psychisch zu erkranken (Birck, 2001). Auch wenn es im Moment für den Klienten unvorstellbar scheint – Ressourcen stehen jedem Menschen zur Verfügung, sie sind nur schwer zu erschließen (Molina, 2010). Für die Arbeit mit ihnen bedeutet dies, als professioneller Helfer viel Geduld und Durchhaltevermögen zu zeigen. Außerdem muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass Menschen über erstaunliche Kräfte der Heilung und Regeneration verfügen (Reddemann & Dehner – Rau, 2013, S. 145). Dabei hilft auch zu eruieren, welche religiösen oder spirituellen Orientierungen vertreten werden – denn auch diese können den Umgang mit Traumata erleichtern. (Reddemann & Dehner – Rau, 2013). Viehhauser hat ein gesundheitspychologisches Trainingsprogramm zur Förderung von Ressourcen entwickelt und evaluiert. Er hat sich also intensiv mit dem Ressourcenbegriff beschäftigt. So erweitert er diesen und schließt kognitive Stile, Persönlichkeitskonstrukte, Selbstregulationkompetenzen sowie Euthyme Erlebnisse mit ein (Viehhauser, 2000). Ressourcen inkludieren demgemäß neben positiven Bindungserfahrungen alle positiven Gegebenheiten wie das soziale Netzwerk, finanzielle Absicherung, Hobbys und nicht zuletzt Erfolgserlebnisse (Molina, 2010). Garbe betont in dieser Hinsicht die Wichtigkeit von Bewältigungserfahrungen vor und auch nach der Traumatisierung. Erstere helfen letztendlich das Erlebte durchzustehen, letztere helfen die traumatischen Reaktionen zu bewältigen (Garbe, 2016). Da traumatisierte Personen ihren Zugang zu ihren Ressourcen verloren haben, muss der professionelle Helfer Konzepte zur Ressourcenaktivierung kennen und beherrschen. Neben der beschriebenen PITT (siehe Kapitel 4.1) gibt es noch viele andere Strategien, welche die Ressourcensuche aktivieren. Hantke und Görges beschreiben verschiedene Übungen zur Ressourcenerfassung, die sich auf die Wahrnehmung von Unterschieden in Zeit und Raum konzentrieren und Übungen zur Ressourcenerweiterung, die aber eine gewisse Stabilität voraussetzen (siehe Hantke & Görges, 2012). Wöller spricht von Traumanetzwerken und Ressourcennetzwerken (Wöller, 2011, S. 294). Dabei strebt er mit seinen Techniken nicht nur an, positive Dinge zu finden, seiner Meinung nach genüge es wenigstens etwas Neutrales zu finden. Dies würde schon unnötige Frustrationen zwischen Patienten und Therapeuten ersparen (Wöller, 2011). Um sogenannte Netzwerke auszubauen, werden bereits bei der Diagnostik die Klienten angeregt, neben den negativen Lebensstationen auch Ressourcenmomente zu skizzieren. Es gilt genau an diesen dann bei der Ressourcensuche anzuknüpfen (Wöller, 2011). Dabei wird laut Wöller in drei Schritten vorgegangen: (a.a.O.) 1. Auffinden von Ressourcen: Hier ist Geduld gefragt, weil sich Ressourcen oft nicht sofort finden lassen. Wenn sich diese nur schwer auffinden lassen, helfen z.B. lösungsorientierte Fragetechniken 2. Aktivierung von Ressourcen: Die Patienten werden an die Zeit erinnert, als die protektiven Faktoren vorhanden waren. Es folgen Imaginationsübungen, in denen sie diese Zeit nochmals durchleben und das positive Körpergefühl aufnehmen und tief rein spüren 3. Verankerung von Ressourcen: Um dieses positive Gefühl stets abrufen zu können, werden dazu passende Übungen gemacht oder entsprechende Symbole verwendet. Zur Verinnerlichung von Ressourcen eignen sich auch Übungen der klassischen Kondidtionierung (Wöller, 2011), Imaginatonsübungen wie der Sichere Ort (a.a.O Kühn, 2011 Reddemann, 2011 Hantke & Görges, 2012 Weiß, 2016a) oder das Erstellen einer persönlichen Ressourcenliste (Reddemann & Dehner – Rau, 2013). Unabhängig ob in der traumapädagogischen oder traumatherapeutischen Arbeit ist es grundsätzlich wichtig, wie in oben genannten Basics auch die Wirkprinzipien nach Grawe zu kennen und anzuwenden. Diese sind nämlich nicht spezifiziert auf eine Therapiemethode, sondern wurden innerhalb einer empirischen Untersuchung als Wirkfaktoren für eine erfolgreiche Therapie herausgearbeitet, die verschiedene Therapieverfahren alle gemeinsam haben: Problemaktualisierung, aktive Hilfe bei der Problembewältigung, therapeutische Klärung (Grawe et. Al, 1994) und Ressourcenaktivierung (Grawe & Grawe – Gerber, 1999). Letzteres sei höchstrelevant, weil sie den Weg zeigt, wie der Betroffene aus seiner problematischen Situation herauskommen kann (a.a.O.). Daher sollte jeder Therapeut fähig sein mit diesen Ingredienzen zu arbeiten, um positive Arbeitsbeziehungen herzustellen. Denn eine gelungene Therapiebeziehung muss vom Therapeuten gestaltet werden, sein Beziehungsverhalten beeinflusst letztendlich das Ergebnis. So gesehen lässt sich die Therapiebeziehung als Wirkfaktor betrachten. Die Wichtigkeit dieses Wirkprinzips betont Grawe auch hinsichtlich traumatisierter Patienten, weil eben deren Traumata meist auf enormen Enttäuschungen in zwischenmenschlichen Beziehungen beruhen. So sind die Betroffenen in dieser Hinsicht ganz leicht verwundbar und distanzieren sich, wenn man dies nicht beachtet (Grawe et. Al, 1994). Auch wenn genannte Grundkenntnisse als Voraussetzung in der Arbeit mit traumatisierten Klienten als selbstverständlich erscheinen – in der alltäglichen und vielleicht auch langjährigen Begleitung und Unterstützung traumatisierter Personen ist es wichtig und den Klienten gegenüber auch hilfreich, sich dieser immer wieder bewusst zu werden. Im Stress und leider oft auch in der Hektik des Arbeitsalltags sollte man mit grundlegendem Basiswissen nicht unachtsam werden. Gerade vor dem Hintergrund traumatiserter Klienten ist das sehr wichtig.

Über den Autor

Fabiola Daniela Molina wurde 1975 in Bolivien geboren und 1981 adoptiert. Ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Landshut schloss die Autorin im Jahre 2010 mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts erfolgreich ab. Bereits während dieses Studiums entdeckte sie ihr tiefes Interesse für die Themenfelder psychische Gesundheit und psychische Störungen. Deshalb entschied sie sich 2014 nach der letzten Elternzeit für den Masterstudiengang Klinische Sozialarbeit, ebenfalls an der Hochschule Landshut, und absolvierte 2017 den Master of Arts. Währenddessen sammelte sie praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Klienten mit Komorbidität und im Suchtbereich. Ihr Interesse galt schon immer der adäquaten Beziehungsgestaltung mit traumatisierten Klienten, ein Thema, dem sie sich auch in diesem Buch intensiv widmet.

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