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Pädagogik & Soziales

Frank Schöne

Vergangenes bewahren, Künftiges gestalten: Heimerziehung im Wandel

Innewohnende Erzieher zwischen Anspruch und Wirklichkeit

ISBN: 978-3-8366-6492-9

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 08.2008
AuflagenNr.: 1
Seiten: 120
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die gegenwärtige Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in der Bundesrepublik Deutschland ist von einem massiven Umbruch geprägt. Traditionelle Wege der Heimerziehung werden immer mehr hinterfragt, zum einen besonders aus ökonomischer Sicht und zum anderen auch aus pädagogisch-sozialen Betrachtungsweisen heraus. Ist das was in diesen Einrichtungen heute so geschieht, noch zeitgemäß? Welche wirklichen Werte können in der traditionellen Heimerziehung überhaupt beständig und sicher übermittelt werden? Dies sind nur zwei Fragen von vielen, welche auf der Tagesordnung stehen. Der Umbau des bisherigen Sozialstaates in Inhalt und Form, sowie die immer enger werdenden Spielräume finanzieller Möglichkeiten bedingen einen fast krankhaften Zwang zum Sparen in allen Bereichen, auch und vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe. Dies erbringt die Notwendigkeit, alternative Mittel und Möglichkeiten zu erschließen und dabei dennoch professionell zu handeln. Eine von vielen anderen Möglichkeiten ist die Umsetzung der stationären Hilfe mittels innewohnenden Erziehern und Erzieherinnen, sowie deren Familien. Hier ergibt sich beim Einsatz der richtigen Pädagogen die Möglichkeit, Kosteneffizienz und Professionalität zu verbinden. Diese Teams besitzen zumeist die entsprechenden Voraussetzungen und den notwendigen Grad an Selbständigkeit und können somit eine echte perspektivische Alternative zur allgemeinen Regel- oder heilpädagogischen Gruppe sein. Sie verbinden bei richtigem Umsetzen in der täglichen Arbeit ein Höchstmaß an Effizienz und zielorientierter Pädagogik im Sinne der zu betreuenden Kinder und Jugendlichen und damit im ehrlichen Interesse der gesellschaftlichen Anforderungen der Kinder- und Jugendhilfe in der Gegenwart. Trotzdem stellen Pädagogen, welche diesen Weg gegangen sind, im Gesamtsystem der Kinder- und Jugendhilfe in diesem Land eine oft belächelte Randgruppe dar. Dieses Buch soll sich neben den direkten Erfahrungen des Autors, welcher mit seiner Frau und zwei Söhnen seit 1995 solch einem Projekt vorsteht mit fünf Kolleginnen beschäftigen, welche mittels narativen Interview zu ihren Standpunkten und Positionen vor, während und zum gegenwärtigen Zeitpunkt befragt und nach fünf Schwerpunkten analysiert wurden. Die Evaluation der Untersuchungsergebnisse bezog sich auf die Frage: Welchen Wandel vollziehen Sichtweisen und Motivationen der Innewohnenden Erzieherinnen im Zeitraum ihrer Tätigkeiten?

Leseprobe

Kapitel 5.3, Die unterstützende Mitarbeiterin – Teil des sozialen Systems: Zur Unterstützung der Kinderdorffamilie steht ihr eine sogenannte Stützerzieherin zur Verfügung. Bei voller Belegung arbeitet diese 40 Stunden die Woche. Die Arbeitszeit richtet sich nach den Notwendigkeiten in der Familie und kann von Tag zu Tag variieren. In Zeiten der längeren Abwesenheit der Kinderdorfeltern übernimmt sie in vollem Umfang deren Verantwortung und zieht zeitweilig ins Kinderhaus ein. Damit steht sie für die Kinder als dritte Bezugsperson zur Verfügung und spielt eine wichtige Rolle im gesamten Kinderdorffamiliensystem, auch für die leiblichen Kinder der Kinderdorfeltern. Welche aber ist das? Als drittes Elternteil kommt sie kaum in Frage. Sie ist die von außen hinzukommende und wohnt nicht direkt in der Familie, was ihre Rolle eigentlich erschwert. Wenn sie abends nach Hause geht, oder einige Tage nicht da war, fehlen ihr die Informationen, welche die Kinderdorfeltern durch ihre ständige Anwesenheit haben. Das kann auch ein noch so gutes Informationsgespräch nicht ersetzten. Auch spüren die betreuten Kinder und Jugendlichen, dass die wichtigen Entscheidungen zwischen den Kinderdorfeltern fallen und die Erzieherin diese, ob sie will oder nicht, umsetzen muss. Wirklich frei in ihren Handlungen kann sie nur sein, wenn die Kinderdorfeltern selbst über einen längeren Zeitraum abwesend sind, und dann auch nur in den Bereichen, die keine grundsätzlichen Dinge des Alltags betreffen. Diese Rolle muss sie erst einmal akzeptieren, um für die Kinderdorffamilie eine wirkliche Hilfe zu sein. Kann sie das nicht, so sind Differenzen und Auseinandersetzungen zwischen den Erwachsenen in größerem Umfang vorprogrammiert. Es ist ein Unterschied, ob man auf eine Arbeitsstelle geht oder in dieser selbst tagtäglich wohnt und lebt. Daher können die wesentlichen Dinge des Alltags, wie zum Beispiel der grundsätzliche Tagesablauf mit seinen Eckpunkten, auch nur von den im Projekt Wohnenden festgelegt werden. Das heißt natürlich nicht, dass die Kollegin kein Mitspracherecht in solchen Dingen hat, wenn es aber zur Festlegung kommt, muss die Meinung der Kinderdorfeltern einfach mehr Gewicht haben. Es ist von Vorteil, wenn die Stützerzieherin einen eigenen, begrenzten Arbeitsbereich hat, für den sie hauptsächlich zuständig ist. In unserem Kinderhaus betrifft das zum Beispiel die Erledigung der Hausaufgaben und deren Kontrolle. Da kann sie in diesem Rahmen selbständig Festlegungen treffen, wann und in welchem Rahmen die Hausaufgaben zu machen und in welchem Umfang Übungen darüber hinaus notwendig sind. Für alle Kinder der Kinderdorffamilie ist es von großem Vorteil, dass es noch eine dritte Bezugsperson gibt. Bei acht Kindern kann es schon einmal vorkommen, dass die Kinderdorfeltern das eine oder andere nicht richtig einschätzen oder übersehen, und da wirkt sich die Möglichkeit, zu einer dritten Person gehen zu können, als durchaus positiv aus. Ebenso verhält es sich mit bestimmten Spannungen und Konflikten in der Kinderdorffamilie. Es besteht dann die Möglichkeit, dass mittels der dritten Person eine Konfliktlösung neutraler ist. Dabei ist es unerheblich, ob diese Konflikte zwischen den Erwachsenen und den Kindern oder nur zwischen den Kindern bestehen. Am wichtigsten ist es jedoch, dass es keine grundsätzlich gegenteiligen Auffassungen zwischen den Erwachsenen gibt, und das ist nicht immer leicht. Durch das Hinzukommen von außen werden von der Stützerzieherin bestimmte Situationen anders wahrgenommen und aus einem anderen Blickwinkel als dem der Kinderdorfeltern betrachtet. Sie kann damit im Rahmen der Kinderdorffamilie sehr belebend wirksam werden. Es müssen nicht alle Betrachtungsweisen der Eltern immer richtig sein, wie das in einer natürlich gewachsenen Familie mitunter auch ist, aber hier hat die Kinderdorffamilie die Möglichkeit, ohne Mehraufwand eine dritte Person mit hinzuzuziehen. Es gibt die Chance, durch die Sichtweisen der Stützerzieherin eine Erweiterung der Lösungsmöglichkeiten zum Beispiel in Konfliktsituationen zu erreichen. Gelingt das Finden des gemeinsamen Weges nicht, so kommt es zu Situationen, wie es zwei interviewte Erzieherinnen in der nachfolgenden Untersuchung schildern: Interviewte C: Dann gab es auch drei Monate richtig tierisch Krach mit den Erziehern, mit den Stützerziehern. Die zwei Weiber schwangen das Zepter. Also, ich als Innewohnende, eigentlich als Chef, stand immer da wie so ein begossener Pudel. Die Damen machten die Arzttermine, was weiß icke nich, keine Ahnung, ich war nur da fürs Saubermachen, fürs Kochen und wie gesagt, für die Wäsche war ich noch zuständig. So, das war so mein Ding. Was die Kinder betraf, das haben alles die beiden gemacht. Also, ich bin richtig dolle gemobbt worden. Es gab richtig dolle Stress, bis die Chefin gesagt hat: Jetzt ist Schluss! Und die beiden sind dann gegangen und dann ist meine jetzige Kollegin... . Interviewte D: Die (hinzukommende) Kollegin war gut 30 Jahre älter, hatte sieben Jahre das auch mit aufgebaut und dann auch so Eifersucht, die spielte eine große Rolle, damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich da mit den Kindern lebe, bist den näher, als ne Hinzukommende , die nur von außen reinkommt, und es wurde auch irgendwann dann doch nicht mehr schön. ... Das führte immer mehr zu Problemen, die nicht ausgesprochen wurden, und vielleicht war auch das Alter ein Stück mit eine Schwierigkeit gewesen, wobei ich das nicht am Alter festmache. ... Ich bin der Meinung, jeder hat sein Arbeitsfeld, der Innewohnende lebt mit den Kindern und der Stützerzieher ist der Hinzukommende, unterstützt die Innewohnende. Dann kann das auch funktionieren. Das ist das, was für mich immer wieder sehr belastend ist und das ist für mich mit das Wichtigste, die Teamarbeit. So schwierig, wie das mit den Kindern ist, um so wichtiger ist die Teamarbeit. .

Über den Autor

Frank Schöne, seit 1990 in der Heimerziehung und seit 1995 als Kinderdorfvater und Innewohnender Erzieher tätig, studierte berufsbegleitend von 2004 - 2007 an der Hochschule Merseburg (FH) und schloss dieses Studium mit dem Diplom als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge ab. Er sammelte in den 13 Jahren Betreuung von Kindern im tag täglichen Zusammenleben mit ihnen reiche Erfahrung in praktischer Arbeit unter den nicht immer leichten Bedingungen der Nähe mit diesen Kindern. Dies konnte er in seinem Studium und in der Realisierung seiner Diplomarbeit wissenschaftlich untermauern.

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