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Sozialwissenschaften

Sarah-Jane Fenner

Hegemoniale Männlichkeiten im Film: Von Woody Allen bis George Clooney

ISBN: 978-3-95684-265-8

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 03.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 40
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Der Film gilt als Leitmedium unserer Gesellschaft. Er behandelt alles, was im Leben von Bedeutung ist: die Geburt, den Tod, Trennungen, Liebe und erörtert soziale Konflikte. Obwohl der Film ein so wichtiges Medium für unsere Gesellschaft darstellt, wurde er in der Soziologie weitgehend vernachlässigt. Gerade der Bereich der Film- und Genderforschung trat erst sehr spät in den Mittelpunkt des theoretischen Interesses. Zudem galten die Untersuchungen in diesem Bereich hauptsächlich der feministischen Auseinandersetzung mit dem Film. Die vernachlässigte Untersuchung von Männlichkeit im Film gab den Anstoß für diese Arbeit und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Connells Hegemonialen Männlichkeit als auch Bourdieus Männlichem Habitus . Um die Entwicklung der Männerbilder im Film aufzuzeigen, soll der Zeitraum der letzten fünfzig Jahre betrachtet werden. Vorab wird jedoch ein theoretischer Einblick in die obengenannten Theorien gewährt. Als filmische Grundlage dienen die Filme The Graduate (1967), Annie Hall (1977), When Harry Met Sally (1989), American Beauty (1999) und Up In The Air (2009). Für die Analyse von Männlichkeit im Film stellt sich die Frage nach einer gelungenen Inszenierung von Maskulinität. Welche historisch geltenden Normen fließen in die dargestellte Form der Männlichkeit ein, und werden somit auch zu filmischen Normen? Man mag sich über die Eigenschaften der männlichen und weiblichen Stereotypen nicht unbedingt direkt einig sein, dennoch gibt es – gerade hinsichtlich des männlichen Stereotypes – bestimmte Eigenschaften, die über die Zeit relativ konstant geblieben sind. Leistungsstreben, Aktivität oder Stärke gelten u.a. für die dargestellten Formen der Männlichkeit im Film. Grundsätzlich ist der männliche Stereotyp häufig stärker ausgeprägt, d.h. als typisch männlich bezeichnete Eigenschaften überwiegen oft jene, die als typisch weiblich gelten. (Hißnauer/Klein 2002: 25) Freilich bestand die Möglichkeit diesbezüglich eine komplette Abhandlung über Rambo: First Blood niederzuschreiben. Mit der Auswahl der Filme von The Graduate bis Up In The Air soll jedoch eine andere Form der Hegemonialen Männlichkeit verdeutlicht werden. In diesem Filmen finden sich vorwiegend die Anti-Helden als Protagonisten wieder. Sexuelle Beziehungen, teils unverbindlich, spielen zu dem in jedem der Filme eine bedeutende Rolle. Die Charaktere sind zum Teil orientierungslos, noch nicht bei sich angekommen oder befinden sich gar in der Midlife Crisis. Der Entwurf von Männlichkeit im Film spiegelt sich in der Gesellschaft wieder.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.1, Hegemoniale Männlichkeiten und männlicher Habitus: Der Habitus gilt als einer der wichtigsten Begriffe der allgemeinen Soziologie und bezeichnet die Gesamtheit der zum Ausdruck kommenden Besonderheiten des persönlichen Verhaltenstils. Er wird durch das Aussehen, die Kleidung, die Sprache etc. verdeutlicht. Der Habitus nimmt eine dauerhafte körperliche Gestalt an und ist an individuelle Körper und ihr Handeln gebunden. Am Habitus einer Person lässt sich für gewöhnlich der soziale Status dieser erkennen, bspw. durch die Zugehörigkeit einer sozialen Klasse in der Gesellschaft. Als filmsoziologisches Beispiel bietet sich nahezu jeder Woody Allen Film an. Gerade in dem im Jahr 2000 erschienenen Film ‘Small Time Crooks’ (dt. Titel ‘Schmalspurganoven’) wird der Habitus der Eheleute Ray und Frenchy verdeutlicht. Ray (dargestellt von Woody Allen) plant mit ein paar Freunden eine Bank auszurauben, indem sie einen Tunnel zu dem Tresorraum graben. Zur Ablenkung eröffnet Rays Frau Frenchy eine Plätzchen-Bäckerei, von deren Keller aus die Männer an ihrem Tunnel graben. Wie es der Zufall so will, läuft Frenchys Geschäft so gut, dass sie und Ray im Laufe des Films ein Imperium aufbauen, was Frenchy unter anderem dazu veranlasst ihren kulturellen Status auf den ihres gesellschaftlichen Standes zu bringen. Frenchy bemüht sich in Sachen Innenarchitektur und lädt angesehene Gäste in das neue Appartement ein. Ray, der sichtlich überfordert mit dem gehobenen Besuch scheint und die Bemühungen seiner Frau nicht nachvollziehen kann, bringt den Abend u.a. mit Blondinenwitzen zu. Auch Frenchy wird zum ‘Opfer’ der gehobenen Schicht: All ihre Bemühungen werden hinterrücks von den Partygästen verspottet. – Gerade in dieser Szene wird deutlich, dass sich der Habitus, über den die Eheleute vor ihrem Reichtum verfügt haben, nicht verändert hat. Zwar haben sie kurzzeitig mindestens so viele Rücklagen wie die anderen Partygäste, dennoch ist der kulturelle Status innerhalb der ‘feinen Gesellschaft’ nicht gewachsen. ‘Small Time Crooks’ wird im Verlauf des Films immer mehr zur Gesellschaftssatire. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu greift in seinem Werk ‘Die männliche Herrschaft’ den Begriff des vergeschlechtlichen Habitus auf. Bourdieu zu Folge scheint diese geschlechtliche Einstellung ‘naturgegeben’ zu sein und findet sich bspw. gerade im Haus wieder, dessen Teile ‘geschlechtlich bestimmt’ sind. Darüber hinaus gibt er zu verstehen, dass die männliche Herrschaft, im politischen und ökonomischen Sinne, eine wichtige Form der symbolischen Herrschaft darstellt. ‘Symbolisch’ wird als Gegensatz zu real und effektiv verstanden, weshalb die Form der symbolischen Gewalt eine rein ‘geistige’ Gewalt ohne reale Auswirkungen ist. Die theoretischen Sichtweisen von Connells hegemonialer Männlichkeit und Bourdieus männlichem Habitus zeigen deutliche Parallelen, die im Folgenden dargestellt werden sollen. Die Grundaussagen der beiden Theoretiker stimmen größtenteils miteinander über ein. Sowohl Connell, als auch Bourdieu gehen beide davon aus, dass Männlichkeit und Weiblichkeit als soziales Konstrukt und nicht als rein biologisches Geschlecht aufgefasst werden müssen. Des Weiteren sehen beide diese Konstruktion der Männlichkeit in der sozialen Praxis verankert und gehen ebenfalls von einer Variabilität dieser Praxis aus (bei Bourdieu objektive Strukturen und subjektive Dispositionen). Zu dem gehen Connell und Bourdieu in ihren Theorien von kultur- und milieubedingten unterschiedlichen Mustern von Männlichkeit aus. Wie bereits erwähnt, verkörpert die hegemoniale Männlichkeit die derzeitige, akzeptierte Antwort auf das Legitimitätsproblem des Patriarchats, während gleichzeitig die Unterordnung der Frauen gewährleistet wird. Bei Pierre Bourdieu findet sich ebenfalls eine patriarchal strukturierte Gesellschaft, in der das ‘Mannsein’ von vornherein bestimmte Befugnisse und Privilegien mit sich bringt, gleichzeitig aber auch Pflichten unterliegt. Beide Autoren sprechen also das gesellschaftliche Verhältnis von Männern und Frauen an. Bei Raewyn Connell finden sich zu dem unterschiedliche Männlichkeitsmuster. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der ‘männlichen Hegemonie’ und der ‘hegemonialen Männlichkeit’: Die männliche Hegemonie bezieht sich auf die Gesamtgruppe der Männer im Unterschied zu den Frauen die hegemoniale Männlichkeit bezieht sich wiederrum ausschließlich auf Differenzierungen und Konkurrenz unter Männern und steht somit immer in Relation zu nichthegemonialen Männlichkeit, die ebenfalls in verschiedene Kategorien fallen (s. vorheriges Kapitel). Connell selbst spricht von einem ‘vagen Rahmen’, das ihr Konzept für die Analyse von Männlichkeit bildet. Die Schwachstelle dieses Konzepts zeigt sich durch den fehlenden Zusammenhang von sozialer Praxis, Körperlichkeit und Denk- und Handlungsmustern. Bourdieu bietet hingegen mit seinem Konzept des Habitus eine sichere Alternative. Hinsichtlich der unterschiedlichen Männlichkeitskategorien, die bei Connell zu finden sind, kann man durchaus auch von unterschiedlichen Varianten des männlichen Habitus sprechen. ‘Sowohl Connells Kategorisierung als auch Bourdieus Habituskonzept bezeichnen kollektive Muster und beziehen sich auf den Zusammenhang von objektiven sozialen Strukturen und kollektiven Praxisformen. Insofern sind sie nicht unmittelbar auf die personale und persönliche Dimension des Geschlechterverhältnisses und das situative Handeln von Individuen übertragbar.’ (Brandes 2004: 4)

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