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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 07.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 52
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Im Frühjahr 1940 begann auf dem Territorium der Sowjetunion der sowjetische Geheimdienst NKWD eines der schrecklichsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts - die aussergerichtliche Ermordung von fast 22.000 polnischen Offizieren. Die Wahrheit über dieses Verbrechen wurde während der gesamten Nachkriegszeit von den sowjetischen Machthabern streng geheim gehalten. In der vorliegenden Arbeit wird der Prozess der Entwicklung über die offizielle Haltung der sowjetisch/russischen Elite, angefangen in der chrustschowschen Ära bis in die heutige Zeit, verfolgt. Viel Wert wird vor allem auf die Aufklärung der Gründe und den Faktoren gewidmet werden, die die daraus resultierende Entwicklung begünstigten. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt in den aktuellen russischen Beziehungen zum Thema Katyn' und soll vor allem die Frage beantworten: Wie sehen die Grundpostulaten dieser Politik aus, welche Ziele werden dabei verfolgt? Ungeachtet der Anerkennung der Massenerschießung der polnischen Offiziere und die Übernahme der Verantwortung für dieses Verbrechen von sowjetischer Seite im Jahr 1990 ist die Angelegenheit von Katyn' auch heute, nach nun mehr 70 Jahren, noch immer nicht gelöst. Das Verbrechen von Katyn' ist bis heute noch nicht juristisch anerkannt, denn weder die Vollstrecker dieser Morde sind namentlich bekannt, noch sind ihre Opfer jemals rehabilitiert worden. Die noch unbeantworteten Fragen beim Verbrechen von Katyn' vergiften die russisch-polnischen Beziehungen und säen die Saat des Misstrauens zwischen den zwei Völkern. Weiterhin wird in dieser Studie die These aufgestellt, dass von der Lösung der Katyn'- Frage auch die russische Zukunft selbst abhängt: Wird Russland den Weg der Demokratie gehen, indem es das Verbrechen von Katyn' juristisch anerkennt und sich damit zur Überwindung des Stalinismus in Politik und Gesellschaft bekennt? Oder wird es - in Ablehnung einer demokratischen Wegrichtung - in alten sowjetischen Mythen und Dogmen gefangen bleiben? Alle diese Frage führen in ihrer Gesamtheit zum Verbrechen von Katyn', das nach wie vor ein äußerst aktuelles Thema ist.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4, Das Thema Katyn' in Russland: 4.1, Die Katyn' - Frage unter El'zin: Zur Zeit des Rückzugs Gorbacevs als Präsident der UdSSR (genauer: am 14.10.1992) ließ Boris El'zin über den Staatsarchivisten R. Pichoja wichtige Dokumente zum Thema Katyn' nach War-schau überführen. El'zin hatte konkrete Ziele: nicht zuletzt wollte er seinen politischen Konkur-renten Gorbacev weiter demontieren, obwohl dieser für El'zin zum gegebenen Zeitpunkt schon keinerlei Gefahr darstellte. Im Oktober 1992 kritisierte El'zin die Arbeit der sowjetischen Seite in der polnisch-sowjetischen Kommission und beschuldigte die ehemalige Regierung der UdSSR, die Arbeit der Kommission behindert zu haben. Ein weiteres Ziel El'zins bestand darin, sich mit einem Schlag vom gesamten totalitären Erbe der Sowjetunion zu lösen. Bei seinem Besuch in Polen im Jahr 1993 besuchte El'zin das Katyn'-Mahnmal in Warschau und bat im Namen des russischen Volkes um Verzeihung. El'zin hoffte dadurch das Kapitel Katyn' ein für allemal schließen zu können. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Text, den El'zin 1995 anlässlich des fünfundfünfzigsten Jahrestages von Katyn' an Lech Walesa übermitteln ließ: ????????? ???????? ???? ?????? ? ???, ??? ??? ??????????? ???????? ????? ????? ??????? ?????? ???? ???????????? ???????, ?????? ?? ? ??? ???????? ??????? ???? ??????? ??????????????? ????? ???????? ????? ?????, ?????????? ?? ?????????-???????? ????????? ????????? ????????? ? ????????????????. ?? ???? ?????? ? ??? ?? ????????, ??? ??????? ???? ?????????, ??? ?????????? ????????, ?????? ???? ?? ???????????? ?????????? ?????????? ????????????? ??????? ? ?????????? ???????? ?????????? ?????? ?????? ?????? ????????? ????, ????????? ????????????? ? ?????????? ??????? ?????????? — ?? ?????????? ????????? ?? ??????????? ????????? ???????? ? ??????? ???????????. ??????? ??????????????? ?????? ? ????????? ???????????? ??????????? ??????, ??????? ??????, ?????? ????????. ??? ???????????? ?????????? ? ????????? ????, ? ??? ????? ? ???? ????? ?????? ? ?????? ? 1993 ????. Aus dieser Botschaft wird deutlich, dass El'zin die Bedeutung des Themas Katyn' für die polnische Seite nicht vollends begriffen hatte. Außerdem schien er nicht zu verstehen, dass es mit einer gutgemeinten Geste, einer öffentlichen Entschuldigung, der Übergabe einiger Dokumente und ein wenig Kritik am sowjetischen Regime bei der Überwindung einer so schweren totalitären Vergangenheit nicht getan sein konnte. Dies erforderte eine langwidrige und penible Aufarbeitung der Vergangenheit unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Kräfte, darunter Historiker, Juristen und Politiker. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass während der Präsidentschaft El'zins die russischen Behörden polnischen und russischen Historikern sowie Privatpersonen, die die Verbrechen von Katyn' erforschten, keine Steine in den Weg legten. Im Jahr 1996 verabschiedete die Regierung der Russischen Föderation einen Beschluss, der die Einrichtung von Gedenkkomplexen in Katyn' und Mednoje vorsah. Im folgenden Jahr fand im Haus des Kinos in Moskau die Präsentation der russischen Ausgabe des Buches ‘??????: ???????? ????????????? ?????. ????????? ? ?????????- statt. Im russischen Fernsehen liefen Dokumentarfilme über die Tragödie von Katyn' (‘?????? ? ?????-, ‘??????? ? ?????????-), in denen die Einzelheiten des schrecklichen Verbrechens gezeigt wurden. Eine wichtige Rolle bei der Bewahrung der historischen Erinnerung an Katyn' und die Überwindung von mit diesem Ereignis verbundenen Mythen spielte die Gesellschaft ‘Memorial’, in deren ‘Polen-Abteilung’ Aktivisten, wie A.M. Grinina, A.E. Gur'janov und N.V. Petrov, arbeiteten. Wichtig war dabei, dass in den Neunzigerjahren das Verbrechen von Katyn' von politischer Seite endlich offiziell anerkannt worden war und damit der Mantel des Schweigens und der Lüge über Katyn' verschwand. Die Erschießung von 22.000 polnischen Kriegsgefangenen war nun kein Geheimnis mehr und wurde immer häufiger in Presse und Fernsehen thematisiert.

Über den Autor

Ivan Kulnev, B.A., wurde 1985 in Woronesh (Russland) geboren. Sein erstes Studium der Geschichte wurde mit Auszeichnung an der staatlichen Universität Woronesh absolviert. Sein zweites Slawistik Studium (B.A. Polonistik/Russistik) an der Universität Potsdam schloss der Autor im Jahre 2013 mit dem akademischen Grad des Bachelor of Arts erfolgreich ab. Bereits während des Studiums sammelte der Autor in den Gedenkstätten und Museen (Sachsenhausen, Leistikowstrasse, ‘Topographie des Terrors’) umfassende praktische Erfahrungen zu den Themen Erinnerungskultur, Aufarbeitung der Geschichte, Vergangenheitsbewältigung und Stalinismus. Die vom Autor während jahrelanger Arbeit gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen werden im vorliegenden Buch präsentiert.

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