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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 09.2011
AuflagenNr.: 1
Seiten: 88
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Experten sind sich einig: Das Welthandelsregime WTO befindet sich am Beginn des 21. Jahrhunderts in der Krise. Der ausbleibende Abschluss der aktuellen Welthandelsrunde steht symbolisch für die ungelösten Probleme und Herausforderungen der Welthandelsordnung. Eine Vielzahl an Reformvorschlägen für die Zukunft des Welthandels wurde in den vergangenen Jahren von wissenschaftlicher und institutioneller Seite erarbeitet, ohne durchschlagenden Erfolg zu bringen. Dieser Hintergrund veranlasst Andreas N. Ludwig den Blick auf die Arbeiten des britischen Politik- und Wirtschaftswissenschaftlers Razeen Sally zu werfen, der in der aktuellen Reformdebatte die Prämissen des klassischen Liberalismus der politischen Ökonomie nutzbar macht und so einen innovativen Diskussionsbeitrag liefert. Ludwig befasst sich in seiner Analyse zunächst mit den Ursprüngen des klassischen Liberalismus in der politischen Ökonomie Großbritanniens des 18. Jahrhunderts und zeichnet die Entwicklungslinien dieser Denkschule bis zur Entstehung der heutigen Welthandelsordnung nach. In einem zweiten Abschnitt skizziert der Verfasser Kritik und Vorschläge für eine Reform der Handelsordnung allgemein sowie der WTO im Besonderen, wie sie von Razeen Sally in seinem Werk New Frontiers in Free Trade dargestellt werden. Abschließend ordnet der Autor diesen klassisch-liberalen Ansatz Sallys ein, wagt einen Ausblick auf dessen Potenzial bei der Reform der Welthandelsordnung im frühen 21. Jahrhundert und legt das Augenmerk besonders auf die mögliche Rolle des Vereinigten Königreiches in diesem Prozess.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2, Die Vorbildrolle des Vereinigten Königreiches im Freihandel: Nach der Darstellung der Grundlagen des klassischen Liberalismus soll im folgenden Abschnitt das Augenmerk auf der ersten konkreten Ausformung der Vorstellungen der politischen Ökonomie der schottischen Vordenker liegen. Wie kann sich das postulierte Quartett aus individueller Freiheit, offenen Märkten, limited government und unilateraler Initiative in Liberalisierung und Freihandel, also das Ideal des klassischen Liberalismus für die nationale und internationale Wirtschaftsordnung im Vereinigten Königreich des 19. Jahrhunderts durchsetzen? Hierzu erscheint eine kurze Betrachtung der Entwicklung des Freihandelsgedankens von Nöten und wie dieser sich in seiner Smithschen Ausprägung seit 1776 schrittweise in Großbritannien gegen merkantilistisch-protektionistische Überzeugungen in der Wirtschaftspolitik durchzusetzen vermag. Wiewohl der Freihandel als Konzept des internationalen wirtschaftlichen Austausches bereits seit der Antike diskutiert und er seit dem Beginn der Neuzeit von Naturrechtstheoretikern als Teil des ius gentium betrachtet wird, bleibt er nicht mehr als ein theoretisches Konstrukt, das im Wirtschaftsalltag und im Handel zwischen Staaten als eigentlich unbrauchbar betrachtet wird. Die zwei Jahrhunderte vor Adam Smith werden daher in Europa vom Merkantilismus bestimmt, der im Rahmen der entstehenden Nationalstaaten an Bedeutung gewinnt: Handelspolitik solle dem Wohl des Staates dienen und unliebsame internationale Konkurrenz vermieden werden. Obwohl Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern seit dem 17. Jahrhundert nicht müde werden die verschiedenen Prämissen des Merkantilismus infrage zu stellen und zu widerlegen, haben sie bis in die Gegenwart kaum an ideologischer Überzeugungskraft eingebüßt und sind heute selbst in liberalen Wirtschaftskreisen präsent. Die Grundprämissen des Merkantilismus sind dabei die Anhäufung von Edelmetallen, eine positive Handelsbilanz, die Förderung von unterentwickelten Wirtschaftszweigen, der Glaube an ein internationales Nullsummenspiel in der Wirtschaft und der Erhalt der innenpolitischen Stabilität. Mit dem Siegeszug des Merkantilismus ist aber vor allem in England, Schottland und Frankreich eine zunehmende kritische Auseinandersetzung mit dem Sujet verbunden, die viele Elemente der späteren Überlegungen Smiths bereits vorwegnimmt, aber keine Breitenwirkung entfalten kann. Erst die Rezeption der französischen Physiokraten durch die englische und schottische Moralphilosophie bei Philosophen wie Francis Hutcheson und Josiah Tucker, sowie die Vorarbeiten Adam Fergusons und David Humes ebnen Adam Smith den Weg, der im Jahre 1776 mit seinem Werk ‘An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations’ und besonders dem darin enthaltenen Abschnitt zur politischen Ökonomie einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel einläutet. ‘He achieved what others before him had failed to do: present a systematic, coherent framework for thinking about the economics of trade policy.’ Er legt damit das Fundament für eine grundlegende Veränderung der nationalen und vor allem auch der internationalen Wirtschaftsordnung, wenn er im vierten Buch seines revolutionären Grundlagenwerkes eine umfassende Argumentation zugunsten des Freihandels vorlegt. Sowohl Smith als auch Hume präsentieren in ihren Werken damit einen Fundamentalangriff auf den Merkantilismus, sowie Protektionismus und Interventionismus jedweder Sorte und die aus ihrer Sicht grundfalsche Annahme eines Nullsummenspiels im internationalen Handel. ‘Indes haben sich die Völker durch solche Maximen zu dem Glauben verleiten lassen, ihr Interesse bestehe darin, alle ihre Nachbarn zu machen. Jede Nation ist dahin gebracht worden, das Glück aller anderen Nationen, mit denen sie Handel treibt, mit neidischen Augen anzusehen und den Gewinn derselben für einen Verlust zu halten, den sie selbst erleidet. Der Handel, der seiner Natur nach unter Völkern wie unter Menschen ein Band der Freundschaft und Eintracht sein sollte, ist die reichste Quelle der Zwietracht und des Hasses geworden.’. Wie bereits erwähnt, spielen für Smith und Hume die dynamischen Aspekte des Marktes und des internationalen Austauschs sowie deren langfristige positive Wirkungen für den Fortschritt einer Gesellschaft, egal ob das im Rahmen von Technologietransfers, einer effizienteren Arbeitsteilung oder größerer Märkte der Fall ist, eine wichtige Rolle. ‘Over time, this interaction between institutions and external openness leads to capital accumulation, investment, entrepreneurship, and the diversification of a growing economy. (…) His was a model of an open-ended, dynamic, institution-rich economy.’ Internationale Konkurrenz und Nachfrage trägt in diesem Verständnis zu einer schrittweisen Verbesserung nationaler Institutionen bei, was Smiths Freihandelsgedanken für alle Staaten gleich welchen Entwicklungsstandes nützlich macht und unter anderem bis heute seine Relevanz ausmacht.

Über den Autor

Andreas N. Ludwig M.A. wurde 1984 in Neuburg an der Donau geboren. Nach dem Abitur absolvierte er den deutsch-französischen integrierten Studiengang Politikwissenschaft der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und des Institut d’Etudes Politiques de Rennes (Frankreich). Neben dem deutschen und französischen Masterabschluss im Fach Politikwissenschaft, erwarb der Autor einen Masterabschluss des Institut des Hautes Etudes Européennes (IHEE) der Universität Straßburg (Frankreich). Der Verfasser war während seines Studiums Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung. Im Rahmen von Praktika in München, Berlin und Brüssel sammelte er breitgefächerte praktische Erfahrungen im Bereich der Parlaments- und Pressearbeit, sowie der Politikberatung und Parteiarbeit. Daneben wirkte er als wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Internationale Politik und Außenpolitik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der Politikwissenschaftler ist derzeit Doktorand an der Professur für Außenpolitik und Internationale Politik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seine Forschungsschwerpunkte beinhalten die politischen Systeme Großbritanniens und Deutschlands (mit Augenmerk auf deren Außen-, Sicherheits- und Europapolitik), transatlantische und Commonwealth Fragen, sowie das politische System Bayerns.

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