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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 01.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 64
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Themen Tod und Trauer sind wesentliche Bestandteile unseres Lebens. Jeder Mensch wird innerhalb seines Lebens mit diesen schwierigen Themen konfrontiert und muss sich persönlich damit auseinandersetzen. Auch Kinder werden nicht von Tod und Trauer verschont. Schon früh sammeln sie Erfahrungen in Hinblick auf Verluste, Todeserlebnisse und den damit verbundenen Gefühlen. Kinder stellen Fragen dazu, wollen wissen, was sich hinter dem Tod verbirgt und was es bedeutet, tot zu sein. Sie sind interessiert an den Themen. Doch wie soll man auf Kinderfragen antworten, auf ihre Trauer reagieren, wenn man sich selbst nie wirklich intensiv mit Tod und Trauer auseinandergesetzt hat und auch nie wirklich gelehrt bekam, was dies bedeutet? Sollten, beziehungsweise müssen denn Kinder schon etwas über den Tod wissen? Verfügen sie über das nötige Verständnis? Vor allem als zukünftige Grundschulpädagogin wird mir dadurch die Bedeutsamkeit bewusst, sich selbst mit diesen Themen auseinanderzusetzen um Kindern Fragen beantworten zu können, um sie vorzubereiten auf solche schwierigen Situationen und um so ein wesentliches Thema nicht einfach zu verdrängen. Die vorliegende Studie setzt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Thematisierung von Tod und Trauer im Sachunterricht der Grundschule auseinander. Die Thematisierung soll in diesem Zusammenhang am Beispiel von Kinderliteratur, als mögliche, methodische Chance zur Auseinandersetzung mit den Themen, betrachtet und dargestellt werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3., Die Thematisierung von Tod und Trauer in der Grundschule: Für Kinder ist die Schule, neben der Familie und dem zu Hause, einer der wichtigsten und bedeutendsten Lebensbereiche beziehungsweise Lebensorte. Eine lange Zeit des kindlichen Lebens und der kindlichen Entwicklung wird in der Schule verbracht. (vgl. Witt-Loers 2009, S.12) Wenn Tod und Trauer zur täglichen, kindlichen Lebenswelt gehören, Kinder dazu auch Fragen stellen und interessiert sind, ist es nicht erst recht sinnvoll diese Themen in der Schule zu thematisieren, die einen so großen Lebensbereich in der kindlichen Welt einnimmt und den Kindern neue, bis dahin verwehrte Erkenntnisse ihrer Umwelt eröffnen könnte? Welche Notwendigkeit, welche Bedeutung die Themen Tod und Trauer in der Grundschule haben und welche Chancen sich bieten, soll im Folgenden geklärt werden. Des Weiteren soll in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Lehrerrolle im Kontext der Thematisierung von Tod und Trauer in der Grundschule betrachtet werden. Weiterhin sollen die Themen als wichtiger Bestandteil und Lehrstoff des Sachunterrichtes diskutiert werden. 3.1, Relevanz und Bedeutung der Thematisierung von Tod und Trauer im Unterricht der Grundschule: 'Greift eine Lehrkraft die Thematik [Tod und Trauer] auf, wird sie feststellen, dass bereits ein Großteil der Kinder Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat.' (Kaiser 2002, S.202) Diese Erfahrungen sind so vielfältig wie die Kinder selbst und sie '[…] gehören elementar zum Leben, sind gleichsam »Urerfahrungen«, die unser Leben von der Geburt bis zum Tod begleiten.' (Specht-Tomann/Tropper 2011, S.7) Durch, beispielsweise den Tod eines nahe stehenden Menschen, eines Haustieres, der meist den ersten bewussten kindlichen Kontakt mit dem Tod darstellt (vgl. Jennessen 2007, S.25), oder auch durch die Medien, werden Todes- und Trauererlebnisse zu alltäglichen Erfahrungen. Vor allem in den Medien werden Kindern besonders häufig Todesbilder und -ereignisse präsentiert und dargestellt, die, das sei bemerkt, nicht wirklich, zu klaren und verständlichen Todesvorstellungen von Kindern führen können. So wird von Medienexperten davon ausgegangen, dass Kinder in unserer Gesellschaft bis zu ihrem zwölften Geburtstag etwa 14.000 Leichen gesehen haben werden, nur über Medien. (vgl. ebd. 2007, S.25) Auch die mit einem Verlust, mit dem Tod verbundenen Gefühlen, die Trauer, sind bereits im Erfahrungsschatz der Kinder in der Grundschule verankert. (vgl. Kaiser 2002, S.202) Doch wer fängt die Kinder auf, wenn sie Fragen zu dem Gesehenen haben und Tod und Trauer verarbeiten müssen. Die Medien haben das nicht in ihrem Programm und auch gesellschaftlich werden die Themen eher 'totgeschwiegen' und aus dem Bewusstsein verdrängt. Im vorherigen Kapitel wurde bereits dargestellt, wie sich die Einstellungen zu Tod und Trauer in unserer Gesellschaft entwickelt haben und welche Konsequenzen und Folgen aus der Verdrängung und Tabuisierung resultieren. Kinder sollten jedoch in dieser Hinsicht vor allem von den Erwachsenen ernst genommen werden. Sie sind schließlich diejenigen, die Einzigen, die Kinder, in Bezug auf die Themen und deren Auseinandersetzung, helfen können. (vgl. Kaiser 06.07.2011, S.10) Deshalb sollten diese kindlichen Erfahrungen gerade von Eltern und vor allem auch von Lehrkräften '[…] ernst genommen werden, denn sie bergen zahlreiche Chancen, von Kind auf zu lernen, den Tod als [natürlichen] Teil des eigenen Lebens zu begreifen [und ihn nicht zu verdrängen].' (Daum 2003, S.25) Aber insbesondere auch die Eltern oder die Familie können und/ oder wollen emotional oft nicht in Gesprächen mit ihren Kindern über diese schmerzlichen Themen sprechen. Sie sind meist dazu nicht in der Lage und eher 'Analphabeten im Trauerbeistand.' (Götze-Ohlrich 2007, S.71)Hier werden die Notwendigkeit und die Relevanz der Thematisierung von Tod und Trauer in der Grundschule deutlich. Durch die pädagogische Auseinandersetzung werden Kinder im Umgang mit den Themen unterstützt und nicht allein gelassen. (vgl. Jennessen 2007, S.15) Kinder wollen ihre Lebenswelt erkunden und verstehen. Sie stellen Fragen und interessieren sich für vielfältige Sachen, auch für die Themen Tod und Trauer. Vor allem ab dem Grundschulalter, wenn Kinder die absolute Endlichkeit des Lebens zu verstehen beginnen, der Tod nicht mehr abstrakt ist und sie auch später Ursachen und Umstände ergründen wollen, entwickeln sich viele Fragen. Wenn diese Fragen nicht beantwortet werden, das Interesse nicht gestillt wird, füllen Kinder Wissenslücken mit ihrer Fantasie und ihren eigenen Vorstellungen, die in Bezug auf Tod und Trauer meist nicht realistisch sind und Ängste und Sorgen hervorrufen können, sowie ihre seelische und geistige Entwicklung stören können. (vgl. Götze-Ohlrich 2007, S.69) Kinder brauchen eine Orientierungshilfe, die sie unterstützt beim kritischen Hinterfragen, Reflektieren, realistischen Verstehen und Verarbeiten dieser Themen ihrer Lebenswelt. (vgl. Franz 2009, S.55) 'Hierin liegt eine wichtige Aufgabe für Schule und Unterricht.' (Daum 2003, S.27) Die Schule kann Kindern helfen, ihre detaillierten Fragen zu beantworten, sie sachlich aufzuklären und zu unterstützen bei der Auseinandersetzung mit diesen existenziellen Themen. Die Kinder können im Unterricht lernen, über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen, Gefühle und Gedanken auszudrücken und sie nicht zu unterdrücken und kulturelle Einblicke in Trauerkultur und Rituale zu bekommen, die ihnen wahrscheinlich sonst verwehrt bleiben würden. (vgl. Itze/ Plieth 2011, S.118) Dabei kann vor allem auch in der Grundschule die noch bestehende, kindliche Unbekümmertheit und Offenheit im Umgang mit dem Tod und mit Trauer, das vielseitige Interesse und der Entdeckungsdrang der Kinder genutzt werden (vgl. Jennessen 2007, S.26), um die Verbannung, die Tabuisierung der Themen aus dem Leben der Kinder zu verhindern. Die Beschäftigung mit diesen Inhalten würde die Wertschätzung des Lebens und aller Lebewesen und eine offene, positive Einstellung zum Tod und auch zum Trauern bei den Kindern unterstützen, vertiefen und begünstigen. Und das könnte somit auch zukünftig einen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Umgang mit den Themen und im Zusammenleben ermöglichen. (vgl. Tausch-Flammer/ Bickel 1994, S.14) Durch eine einfühlsame, sensible Beschäftigung mit Tod und Trauer im Unterricht der Grundschule kann aber auch eine bereits mit Ängsten und Sorgen bedachte, kindliche Todesvorstellung und/ oder auch generell die Angst vor dem Tod und vor Trauerreaktionen genommen werden. Auch hier wird das nötige Enttabuisieren und offene Gestalten der Themen in der Grundschule deutlich. (vgl. Jennessen 2007, S.28) Kindern werden in der Grundschule selbstverständlich vor allem Grundeigenschaften, wie Schreiben, Rechnen und Lesen beigebracht, sowie der Umgang mit gesellschaftlichen Regeln und Normen. Doch die Vermittlung und das Hinführen zu wesentlichen und einflussreichen Thematiken, wie vor allem Tod und Trauer, die die Kinder in ihrer unmittelbaren Lebenswelt betreffen, werden meist noch vernachlässigt. (vgl. Tausch-Flammer/ Bickel 1994, S.14) Aufgrund oder gerade auch wegen der gesellschaftlichen Verschleierung und Tabuisierung von Tod und Trauer lässt sich vermuten beziehungsweise erahnen, dass die bisherige schulische Auseinandersetzung und Thematisierung noch eher sehr selten stattfindet. (vgl. Jennessen 2007, S.28) Das lässt auch darauf schließen, dass die Erkenntnis, über die Verantwortung und die Zuständigkeit in diesem Bereich, in den Schulen noch nicht wirklich gewonnen und anerkannt wurde. (vgl. ebd. 2007, S.2) Die Grundschule, die es sich unter anderem aber zur Bildungs- und Erziehungsaufgabe macht, die kindliche, individuelle Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und zu unterstützen, an vorhandenes Wissen und Verstehen der Kinder anzuknüpfen und die Lebenswelt der Kinder zu berücksichtigen und sich daran zu orientieren, muss sich dann auch selbstverständlich mit den Themen Tod und Trauer auseinandersetzen. (vgl. LISUM Bbg/ LISUM/ L.I.S.A 2004, S.7f.) Neben Grundfragen und -problemen unserer Gesellschaft sollen auch die Interessen und Neigungen der Schülerinnen und Schüler, im Schulalltag berücksichtigt und integriert werden. (vgl. ebd. 2004, S.13) So sollen sie im Unterricht und durch die Schule allgemein Kompetenzen aufbauen und dazu befähigt werden, '[…]sich mit sich selbst und der sie umgebenden Welt und den gesellschaftlichen Schlüsselproblemen auseinander zu setzen.' (ebd. 2004, S.8) Um diesen Vorstellungen, Festlegungen, Aufgaben, die sich die Grundschule in ihrer Erziehungs- und Bildungsaufgabe stellt, auch wirklich gerecht zu werden, müssen so fundamentale, schwierige Themen wie Tod und Trauer, die einen wesentlichen Teil der kindlichen Lebenswelt ausmachen, Beachtung finden im Schulalltag.

Über den Autor

Jenny Mummelthey, M.Ed., wurde 1989 in Osterburg geboren. Ihr Studium der Grundschulpädagogik und der Geschichte an der Humboldt- Universität zu Berlin schloss die Autorin mit dem akademischen Grad Master of Education erfolgreich ab. Bereits während des Studiums sammelte die Autorin umfassende praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern in der Grundschule.

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