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Soziologie

Judith Fait

Kupfer, Kolonialismus, Kapital. Das Bergwerk Tsumeb, Namibia

ISBN: 978-3-96146-712-9

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2019
AuflagenNr.: 1
Seiten: 212
Abb.: 180
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In den bisherigen Arbeiten zum deutschen Kolonialismus wurde der Abbau von Mineralien als eher randständiger Aspekt thematisiert. Dabei stellten die Industrialisierung und der damit einhergehende Rohstoffbedarf im Fall der ersten deutschen Kolonie, dem heutigen Namibia, eine treibende Kraft dar. Die von der Kolonialindustrie geschaffenen Strukturen und Abhängigkeiten sind bis heute wirksam. Als exemplarisches Beispiel dient die Mine der Superlative in Tsumeb. Das Buch behandelt nach einem kurzen Abriss der Landesverhältnisse und der Entstehungsgeschichte des Erzvorkommens die Anfangsphase der Kolonisierung durch christliche Missionen, die Händler und Kupfergräber ins Land zogen. Die späteren Verflechtungen von Montanindustrie und Politik, die auch Wissenschaftler zu Handlangern der Ausbeutung kriegswichtiger Rohstoffe machten, warfen Milliardengewinne ab. Die in der Kolonie eingesetzten Technologien waren dabei meist das Modernste, was die zeitgenössische Technik zu bieten hatte. Abschließend wird dargelegt, mit welchen Mitteln uns das Vergessen dieses Teils der deutschen Geschichte leicht gemacht wurde. Ein besonderes Highlight sind die erstmals veröffentlichten historischen Fotografien.

Leseprobe

Textprobe: Land und Leute: Die Atlantikküste bildet Namibias Westgrenze, die südpolare Benguelaströmung sorgt hier für anhaltenden Fischreichtum, gelegentlich auftauchende Wale und ein immer feuchtes und kühles Küstenklima. Landeinwärts folgt ein durchschnittlich 100 Kilometer breiter Wüstenstrand hier liegen im Süden die Diamantsperrgebiete und die erste offizielle deutsche Kolonie in Lüderitz. Nördlich entlang der Küste folgen etwa fünfhundert Kilometer von unbesiedelten Dünen und der einzig nutzbare Tiefhafen Walvisbay, dann Swakopmund mit den landeinwärts gelegenen Uranminen Rössing, Husab (das frühere Rössing-Süd-Feld ) und Langer Heinrich samt der Retortenstadt Arandis. Rössing wurde erstmals 1905 als Fundstätte für Beryll beschrieben, der Uranabbau erfolgte jedoch erst ab 1956, als die ersten zivilen Forschungsreaktoren einen kontinuierlichen Bedarf und damit eine ausreichende Rentabilität für den weiteren Abbau versprachen. Bis heute ist die britisch- australische Rio Tinto Group (RTZ) die Mehrheitseignerin und hält etwa ein Drittel des Weltmarkts für Uran. Arandis ist eine typische Straßensiedlung, gegründet als Schlafstadt für die Minenarbeiter, bei Tag kaum wahrnehmbar und ein inzwischen landesweit etabliertes Ausbildungszentrum für bergbaubezogene Berufe. Der noch weiter nördlich anschließende Küstenstreifen von Swakopmund bis zum Kunenefluß wird als Skelettküste bezeichnet, mit einem Alter von etwa 1,5 Milliarden Jahren gehört er zu den ältesten Gesteinsformationen der Erde. Schiffswracks am Strand und die Knochen gestrandeter Wale zeigen die Wucht der Benguelaströmung an: wer hier gestrandet war, hatte keine Überlebenschance. Nach Osten fügt sich an den Küstenstreifen ein Steilanstieg (Große Randstufe) bis zu über 2000 m über Meereshöhe an, sie geht zum Landesinneren (Binnenhochland) hin in eine schiefe, stetig ansteigende Ebene über. Das Binnenhochland wird im Norden von breiten Tälern durchzogen und ist dank eines hohen Grundwasserspiegels relativ fruchtbar. Hier liegen auch der Waterberg und die Otaviberge mit der Tsumeb-Mine und einigen kleineren Kupfer-und Vanadiumvorkommen. Weitere Erzvorkommen sind im Norden Namibias bisher nicht bekannt. Das Binnenhochland fällt nach Osten hin dachartig zur Kalahari- Wüste ab, durch sie verlaufen die Grenzen zu Botswana und Südafrika, hier sind bisher keine abbauwürdigen Lagerstätten bekannt. Im Süden Namibias ist das Hochland größtenteils flach, wenige, aber tiefe Täler durchschneiden die Landschaft. Nur einzelne Bergmassive vulkanischen Ursprungs und die großen Karasberge bilden nennenswerte Erhebungen hier finden sich zahlreiche, meist kleine Vorkommen von Kupferglanz und eine abbauwürdige Zinkmine bei Rosh Pinah. Im Südosten bildet der Oranjefluss die Grenze zu Südafrika, im Norden grenzt der Kunenefluß ab der Skelettküste an Angola. Der weitere Grenzverlauf ist eine schnurgerade Verbindungslinie zum Okavangofluß, östlich davon bilden die Flüsse Okavango (Angola) und Sambesi (Zimbabwe) im äußersten Osten die Landesgrenze. Eine Besonderheit Namibias sind die Trockenflüsse (Riviere), die nur selten Wasser führen. Kommt es im Oberlauf eines Riviers zu starken Regenfällen, bauen sich meist Flutwellen auf, die – oft über 100 Kilometer entfernt – am Unterlauf aus heiterem Himmel eine enorme Zerstörungskraft entfalten. So wurden 1908 die Kirche der Rheinischen Mission in Keetmannshoop und in den 1970-er Jahren die Betonpfeiler der Brücke über die Swakopmündung regelrecht weggeschwemmt. Das Klima ist mit Ausnahme des tropisch- üppigen Caprivizipfels heiß und trocken (subtropisch-kontinentales arides Klima) mit zwar unregelmäßigen, aber gelegentlich sehr heftigen Regenfällen zwischen November und April, wobei die jährliche Niederschlagsmenge vom Süden mit unter 50 mm pro Jahr in Richtung Nordosten mit bis zu 600 mm ausfällt. Regionale Dürreperioden von mehreren Jahren sind nicht selten. An der Atlantikküste wird das Klima durch den polaren Benguelastrom bestimmt, der zusammen mit dem eisigen Südwester Wind für ein nebelig- feuchtkaltes aber niederschlagsarmes Klima sorgt. Das Gebiet des heutigen Namibia wurde vermutlich vor 2500 Jahren erstmals von den aus Zentralafrika eingewanderten San besiedelt. Die Felsmalereien in Twyfelfontein sind nach neueren Erkenntnissen über 10000 Jahre alt, können aber derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit den San zugeordnet werden. Deren Felsmalereien sind zum Teil deutlich über 1000 Jahre alt und wurden erst im 19. Jahrhundert gänzlich eingestellt. Das heutige Namibia ist ein ethnisch vielfältiges Gebiet, in der schwarzen Bevölkerung lassen sich allein sechs unterschiedliche Stammesethnien unterscheiden. Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert drangen aus dem heutigen Botswana ( Betschuanaland ) zunächst die nomadischen Herero mit ihren Rinderherden ein, etwa um dieselbe Zeit ließen sich die ackerbauenden Ovambo aus Angola im Norden des Landes nieder. Im 19. Jahrhundert erfolgte im Süden die Zuwanderung der Nama- und Afrikaanerstämme aus der Kapprovinz. Sie verdrängten die San in die Kalahari-Wüste und die Damara ( Klipkaffern , vom arabischen Kaffi rin , d.h. Ungläubige) in die unwirtliche Region des Nordens südlich des Kaokoveldes bis zur heutigen Nationalstraße B2 zwischen Swakopmund und Usakos und westlich bis an die Skelettküste. Bergbau und Metallurgie waren in der Region nach heutigem Erkenntnisstand weitestgehend unbekannt, nur die Ovambo konnten schmieden. Heute stellen die Ovambo die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe dar und entsprechend groß ist ihr politischer Einfluss – seit 1990 regiert die von ihnen dominierte SWAPO- Partei in ununterbrochener Folge. Die Besiedlung durch europäische Händler und Missionare begann zunächst langsam und nur sporadisch aus der, seit dem Wiener Kongress von 1815, britisch dominierten Kapprovinz. Die erste deutsche Missionsstation wurde 1842 bei Warmbad gegründet, weitere folgten als sich die Missionsstationen im Lauf der Zeit mit Aussenstellen nach Norden vorschoben. Ab 1884 begann mit Lüderitz' Landankauf eine zögerliche Zuwanderung aus dem deutschen Reich, heute hat Namibia eine deutschstämmige Bevölkerung von rund 20000 Personen und ist die größte deutsche Sprachinsel außerhalb Europas. Allerdings unterscheidet sich das Nam- Deutsch vom heute gesprochenen Deutsch durch zahlreiche Lehnwörter und grammatikalische Konstruktionen aus dem Englischen und dem Afrikaans. Bedingt durch viele familiäre Beziehungen der frühen Siedler nimmt das heutige Namibia immer noch eine Sonderstellung in den Beziehungen Deutschlands zu den ehemaligen deutschen Kolonien ein. Die Erforschung der Bodenschätze begann etwa um 1850, ebenfalls von der Kapprovinz ausgehend, wurde aber immer wieder durch Ausbrüche von Tierseuchen und kriegerische Auseinandersetzungen unterbrochen. Eine systematische Erforschung unterirdischer Rohstoffvorkommen wurde lokal erst um 1890 durch den Einsatz von robustem Tiefbohrgerät ( Diamantbohrer ) ermöglicht. Die beispiellose Erfolgsgeschichte der Tsumeb-Mine ist ohne eine wiederkehrende Einbeziehung der Landesgeschichte und – zwar im Hintergrund, deshalb aber nicht weniger wirkmächtig – der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts kaum zu verstehen. Diese Exkursionen werden jedoch so kurz wie möglich gehalten, damit der rote Faden zwischendurch nicht ganz unsichtbar wird.

Über den Autor

Judith Fait wurde 1956 in Murnau/Obb. geboren und ist in Bayern zwischen Künstlerkolonien und Kohlebergbau aufgewachsen. Ihr Studium der Ingenieurwissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München schloss die Autorin im Jahre 1987 mit dem akademischen Grad Dipl.-Ing. (FH) erfolgreich ab. Bereits während des Studiums entwickelte die Autorin ein besonderes Interesse an Kultur- und Technikgeschichte. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Reisen und Fotografie, was 2003 ihre erste Fotoausstellung in München nach sich zog. Seit 2013 ist sie Mitglied bei The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage (TICCIH) und neben zahlreichen Fotoausstellungen veröffentlicht sie gelegentlich Beiträge im TICCIH-Bulletin und der Zeitschrift Industriekultur .

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