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Wissenschaft

Astrid Hohlbein

Das Unmögliche wollen. Freiheit und Liebe bei Franziska zu Reventlow

Biografie

ISBN: 978-3-86815-740-6

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Produktart: Buch
Verlag: Igel Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2020
AuflagenNr.: 1
Seiten: 316
Abb.: 11
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

O, wäre ich frei, diese Unfreiheit ist so furchtbar drückend und tötet alles, was man in sich hat. ‚Heidnische Heilige‘, ‚Madonna mit dem Kinde‘ oder einfach ‚die Münchner Gräfin‘ wurde Franziska zu Reventlow genannt, die vor allem durch ihr unkonventionelles Leben in der Enge des Kaiserreichs bekannt wurde. Eine Malerin wäre sie gerne geworden, als Symbolfigur der Münchner Boheme wurde sie gefeiert, als Geliebte und Mutter hat sie sich verwirklicht und ist heute zu einem Sinnbild der sexuellen Befreiung geworden. Wegen ihrer prekären finanziellen Lage floh sie aus München und ging in Ascona eine Scheinehe ein. Als der erhoffte Geldsegen ausblieb, bekannte sie sich schließlich zu ihrer Schriftstellerei. Heute erzählen ihre feinsinnigen Romane und Novellen sowie Briefe und Tagebücher vom Leben dieser außergewöhnlichen Frau. Ich liebe einen und begehre sechs andere, einen nach dem andern. Mich reizt nur gerade der Wechsel … Fühle mich ganz als ich selbst, wenn alles durcheinandergeht, Wehmut, Sehnsucht, tiefe Liebe und frivole Oberflächlichkeiten.

Leseprobe

Textprobe: Ein Leben jenseits aller Konventionen Annäherung an eine ungewöhnliche Frau »Heute früh Hausbesitzer Glaufliege und Hausmeister vereint angetobt, um mir zu kündigen. – Nachmittags Oktoberwiese, sehr vergnügt gewesen. –« Dieses Zitat aus Franziska zu Reventlows Tagebuch vom Oktober 1909 leitet einen von über zwanzig Umzügen allein innerhalb Münchens ein. Und es wird noch lange nicht der letzte sein. Aus der Fassung zu bringen scheint sie das nicht. Sie ist gerade 47 Jahre alt geworden und hat doch mehr hineingepackt in diese Jahre als manche, deren Leben vielleicht doppelt so lange gedauert hat. Und trotzdem reicht ihr dieses eine Leben nicht aus. Um die Bandbreite aller Möglichkeiten ausschöpfen zu können, möchte sie am liebsten »mehrere Leben nebeneinander haben – eines dürfte dann meinetwegen tragisch sein und entsagend mit einer großen stillen Liebe – […], aber das andere – nur hineinstürzen und alles über sich zusammenschlagen lassen. –« Ein Leben in Purzelbäumen, wie sie es selbst einmal ausdrückt, getrieben von innerer Ruhelosigkeit und immer auf der Suche nach einer Heimat. Die Rebellion ist für sie mit der Jugend noch lange nicht vorbei, die Folgen muss sie tragen und zuweilen auch mit Einsamkeit bezahlen, weil viele nicht mitkönnen auf ihrem Weg. Lebensantrieb und Ziel ist der Wille frei zu sein, solange sie denken kann erst wenn sie frei ist, glaubt sie richtig leben zu können. Dabei lässt sie nur die Aussicht, einmal frei und selbständig sein zu können, als Jugendliche das Bedrückende ihres Elternhauses ertragen und gipfelt in dem Versuch, sich äußerlich anzupassen, um ihre künftige Freiheit und Eigenständigkeit nicht zu gefährden: »Ich will die Unfreiheit ertragen, um frei zu werden.« Sich selbst zu bilden und zu erziehen soll ihr auf diesem Wege behilflich sein und zunächst zu ihrer inneren Befreiung führen. Aber trotzdem kann sie dem Rat ihres Vaters, ihre ›freien Ansichten‹ wenigstens nicht zu äußern, nicht folgen, den Schritt zurück in das enge Korsett von Familie und bürgerlicher Gesellschaft auch äußerlich nicht mehr vollziehen. Im Gegenteil – sich frei zu machen, das ist für sie Lebensrecht und Pflicht sich selbst gegenüber, wenn möglich im Guten, aber wenn es sein muss, auch gegen den Willen der Eltern. Und so beschließt Franziska bereits als Neunzehnjährige, in letzter Konsequenz zu fliehen, sobald sie volljährig ist, »in die Welt hinaus, in die unbekannte verheißungsvolle Welt.« Auch später lässt sie das Streben nach Freiheit jede Einmischung in ihr Leben energisch abwehren. Der Gedanke, nicht auf eigenen Füßen zu stehen, ist ihr unerträglich, auch wenn es darum geht, ihre Lebensbedingungen entscheidend zu verbessern, sich etwa von einem Mann aushalten zu lassen: »Aber mich hier herausziehen lassen, mich etablieren lassen – wieder die alte Geschichte ich kann meine Freiheit nicht aufgeben, und dann wäre sie hin, wenn ich auch ein besseres Dasein hätte.« Den ›Sprung ins Freie‹ macht sie immer wieder, und weil sie ihre Vision von Freiheit auch leben will, bleibt allen Zwängen sich zu entziehen oberstes Gebot. Kunst ist für sie ein Synonym für Freiheit, das Leben ›mit künstlerischer Betätigung‹, das ihr vorschwebt, ein Leben für die bildende Kunst, als Malerin, der das Malen ein Rausch ist. Nicht gut genug malen zu können – daran ist sie beinahe verzweifelt. Ob sie Talent hatte, kann heute kaum mehr beurteilt werden, da von den vielen Bildern, über deren Anfertigung sie berichtet, nur wenige erhalten sind. Existenzgrundlage ist fast immer ihre Tätigkeit als Übersetzerin, und obwohl Franziska zu Reventlow später sicherlich zu den ersten Frauen gehört, die ihren Lebensunterhalt mit Schreiben bestreiten, sieht sie es erst in ihren letzten Lebensjahren als Beruf an. Das Schreiben ist ihr immer Fronarbeit und daher ungezählt die Versuche, ihre Existenz anders als damit zu bestreiten – sie lässt sich unter anderem zur Schauspielerin ausbilden, eröffnet ein Milchgeschäft, arbeitet als Versicherungsagentin und zuletzt im Locarneser Kursaal, um andere zum Spielen zu animieren. Ein regelmäßiges Einkommen hat stets zurückzustehen hinter ihren Freiheitsbestrebungen und ihrem Hunger auf das Leben: »Wie ist das Leben schwerreich, so reich, daß man nur immer beide Hände ausstrecken möchte.

Über den Autor

Astrid Hohlbein wurde 1966 in Hanau am Main geboren. Ihr Studium der Germanistik, Sozialpsychologie und Älteren Skandinavistik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie mit dem Magister Artium und einer Magisterarbeit über Franziska zu Reventlow ab. Auch nach ihrem Studium beschäftigte sie sich mit der Münchner Gräfin und ergänzte das Material in den folgenden Jahren zu einer Biografie. Die Autorin arbeitete in verschiedenen Berufen, zuletzt als Kursleiterin für Deutsch als Fremdsprache und Alphabetisierung. Außerdem führt sie, teils zusammen mit ihrem Mann Marco, literarische Spaziergänge und Lesungen im Raum Frankfurt am Main durch. Astrid Hohlbein lebt in Ortenberg-Selters am Rande des Vogelsberges.

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