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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 08.2017
AuflagenNr.: 1
Seiten: 552
Abb.: 70
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Das Phänomen des islamistischen Terrorismus weist seit den 1990er Jahren eine erschreckende Beständigkeit auf. Spätestens seit dem 11.09.2001 beschäftigt dieses Thema die Öffentlichkeit. Der Tenor der Analysen lautet größtenteils, die Ursachen der Taten seien auf Terrororganisationen zurückzuführen und/oder in der pathologischen Verfassung der Täter zu finden. Religiöse Motive werden a priori ausgeschlossen. Der Islamismus wird vom Islam getrennt und in einer Art moralischer Bad Bank isoliert betrachtet. Die vorliegende Studie entwickelt einen alternativen Blickwinkel, bei dem vom Phänomen des Selbstmordattentates ausgehend, die Täter und ihre Prägung durch ihr religiös-kulturelles Umfeld untersucht werden. Vor dem Hintergrund kriminologischer Theorieansätze wird der 11.09.2001 beispielhaft betrachtet. Die Untersuchung verlagert mit der Benutzung der Allgemeinen Evolutionstheorie bewusst den Schwerpunkt der gegenwärtigen pathogenetischen Theorieansätze auf eine alternative Perspektive, um bisher nicht zur Aufarbeitung dieser Thematik herangezogene Wissensfelder fruchtbar zu machen. Mit dieser Analyse wird der Versuch unternommen, eine kritische Diskussion anzustoßen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3: Das religiös motivierte Selbstmordattentat am Beispiel der Assassinen: In den letzten beiden Kapiteln wurden Selbstmordangriffe beschrieben, die aus Rache oder im Rahmen militärischer Konflikte begangen wurden. Aufgrund der guten Dokumentation dieser Handlungen konnten Aspekte herausgearbeitet werden, die auch für Selbstmordattentate von Relevanz sind. Ab diesem Kapitel fokussiert sich die Analyse ausschließlich auf das Phänomen des Selbstmordattentats im engeren Sinne. Was unterscheidet nun aber einen Selbstmordangriff von einem Selbstmordattentat? Der augenscheinliche Unterschied liegt in dem Begriffsbestandteil -attentat . Angriff beschreibt im Deutschen ein offensives Vorgehen gegenüber Dritten. Der Begriff Selbstmordattentat lässt sich in die Wortbestandteile Selbstmord und Attentat zerlegen. Die Wortkomponente selbst steht dafür, etwas eigenhändig zu machen. Ein Mord ist nach § 211StGB eine vorsätzliche Tötung eines oder mehrerer Menschen u.a. aus niedrigen Beweggründen . (Vgl. Vorschriftensammlung für die Sicherheitswirtschaft 2015, S. 45) Das Wort Attentat wiederum ist als Fremdwort zu klassifizieren. Laut dem Duden-Fremdwörterbuch stammt es aus dem Französischen und hat eine lateinische Wurzel. Es steht u.a. für den Versuch, einen politischen Gegner umzubringen . (Duden 2000, S. 157) Eine weitergehende Recherche zeigt, dass dieser Begriff von einer schiitischen Sekte, den Assassinen, herrührt, die im Mittelalter im Nahen und Mittleren Orient angesiedelt und für spektakuläre Anschläge bekannt waren. Die Assassinen haben zwar diese Art des geplanten Mordes nicht erfunden. (Vgl. Lewis 1989, S. 169) Sie waren aber die ersten verbrieften also dokumentierten und organisierten Selbstmordattentäter und ihr Ruf war so bedeutsam, dass sich ihr Name in den europäischen Sprachen als Bezeichnung für eine solche Handlung durchgesetzt hat. In den nachfolgenden Abschnitten werden die Genese der Glaubensgemeinschaft der Assassinen und ihre Taten untersucht. An diesem Beispiel soll exemplarisch die Komplexität der menschlichen Handlung des Selbstmordattentats erläutert werden. Bei der Analyse der Assassinen ist insbesondere die Kraft, die aus einer pragmatischen Jenseitsvorstellung entsteht, von Bedeutung. Die Intention dieser Glaubensgemeinschaft, ihren schiitisch-ismailitischen Glauben gegenüber dem Sunnitentum der Seldschuken zu verteidigen, machten ihre Handlungen zu religiös motivierten Selbstmordattentaten. 3.1 Die Assassinen und die Taktik des Selbstmordanschlages: Im Jahr 1332 verfasste der deutsche Kleriker Brocardus ein Schriftstück, in dem er vor den Gefahren der Orientreisen warnte. Gedacht war der Text für König Philipp VI. von Frankreich, der einen neuen Kreuzzug plante, um die heiligen Stätten der Christenheit zurückzuerobern. (Vgl. Lewis 1989, S. 15) In seinem Traktat ging Brocardus besonders auf eine Gruppe ein, die er Assassinen nannte. Deren Beschreibung in europäischen Quellen erfolgte insbesondere aus der Sicht des Gegners, wobei die Assassinen entmenschlicht und wenig objektiv dargestellt wurden. […] erwähne ich besonders die Assassinen, die verflucht und gemieden seien. Sie verkaufen sich, dürsten nach Menschenblut, töten Unschuldige gegen Bezahlung, scheren sich weder um das Leben noch um die Erlösung. Wie der Teufel verwandeln sie sich in Engel des Lichtes, indem sie Gebärde, Kleidung, Sprache, Sitte und Benehmen vieler Nationen und Völker nachahmen als solche Wölfe im Schafspelz nehmen sie den Tod auf sich, sobald sie erkannt werden. Da ich sie nicht persönlich gesehen habe, sondern das Obige nur aus mündlichen Berichten oder speziellen Schriften kenne, kann ich nicht mehr darlegen und auch keine vollständigen Informationen liefern […]. (Brocardus: Directorium ad passagium faciendum, zit. n. Lewis 1989, S. 15). Diese Erzählung des Chronisten wirkt auf den heutigen Leser wie eine fiktive Beschreibung von Dämonen in Menschengestalt. Die Assassinen waren aber eine real existierende Glaubensgemeinschaft. In der einschlägigen Literatur, die sich mit Selbstmordattentaten beschäftigt, werden die Attentate der Assassinen regelmäßig erwähnt. Um sich ein detailliertes Bild von den Assassinen machen zu können, werden ihre Gründung und ihre Entwicklung im Folgenden kurz dargestellt. 3.1.1 Gründung und Genese der Assassinen: Als Gründer des Assassinen gilt Hassan-i Sabbah. Bevor er die Glaubensgemeinschaft in der persischen Kultur implementieren konnte, sammelte er jahrelang Erfahrung als reisender Prediger und Gelehrter. Hassan-i Sabbah geriet mit der religiösen und politischen Obrigkeit seiner persischen Heimat in Konflikt. Seine geistliche Opposition formierte er zu einer erfolgreichen militärischen Widerstandsgruppe, die mit Mitteln der Guerillataktik operierte. (Vgl. Gelpke o.J., S. 111–112) Hasan-i Sabbah wurde wahrscheinlich in Qumm geboren. Das genaue Datum ist unbekannt. Sein Vater soll der Legende nach aus Kufa, das sich im heutigen Irak befindet, stammen. Sabbah war Zwölfer-Schiit und von jemenitischer Abstammung. Noch in Kindertagen zog Sabbah mit seiner Familie nach Rajj, wo er seine weitere Erziehung erhielt. Er hatte schon in seiner Kindheit einen fest verankerten orthodoxen Glauben. Interessiert an religiösen Inhalten, folgte er bis ins Alter von 17 Jahren dem Zwölfer-Glauben seiner Väter (vgl. Lewis 1989, S. 63). In einem autobiographischen Fragment äußerte er sich wie folgt: Meinen Glauben an den Islam hatte ich nie irgendwann in Zweifel gezogen ich war stets überzeugt gewesen, daß es einen lebendigen, ewigen, allmächtigen, omnipräsenten Gott, einen Propheten und einen Imam gebe, dazu erlaubte und verbotene Dinge, Himmel und Hölle, Gebote und Verbote. (Sabah, zit. n. Lewis 1989, S. 63). Die Glaubenswelt von Sabbah war in seiner subjektiven Sicht stringent geordnet, bis er als junger Mann einem gewissen Amira Zarrab begegnete, der ihm von den Lehren der Ismailiten berichtete. Anfangs war Hassan-i Sabbah reserviert und versuchte seinen Standpunkt nicht zu verändern. Ich erwiderte: ,Oh Freund, sprich ihre Worte nicht aus, denn sie sind Ausgestoßene was sie sagen, ist gegen die Religion‘. (Sabbah, zit. n. Lewis 1989, S. 64) Sabbahs Neugierde war aber geweckt und er fing an, ismailitische Bücher zu lesen. Manches überzeugte ihn, andere Fragen blieben unbefriedigt. Eine schwere Krankheit führte bei Sabbah dann zu seiner Bekehrung zur ismailitischen Glaubensausrichtung. In der Überzeugung seines bevorstehenden Ablebens änderte er seinen bis dahin gefestigten religiösen Standpunkt. Er überlebte die schwere Krankheit und suchte sein neues Heil bei einem ismailitischen Mentor, der ihn unterrichtete und seine Bekehrung zum Abschluss brachte. Sabbahs spirituelle Metamorphose endete schließlich mit dem Treueeid auf einem ismailitischen Iman. Aufgrund seines Charismas gelang es Hassan-i Sabbah, Männer um sich zu scharen und einen eigenen Orden zu gründen. Das Turkvolk der Seldschuken war zu dieser Zeit in Persien an der Macht und trat als Protektor des Kalifen von Bagdad auf. Um die Religionsgemeinschaft zu schützen, zogen die Assassinen auf die Burg Alamut im Elburg-Gebirge. Mit der Zeit erwarb man weitere Anlagen, sodass sich die Gruppe zu einer wehrhaften Organisation entwickelte. Die Glaubensgemeinschaft der Assassinen mit ihren Burganlagen hatte fast zweihundert Jahre lang Bestand. Den Mameluken oder auch Saladin (ca. 1137–1193) gelang es nicht, die Festung Alamut einzunehmen und somit das Zentrum der Bewegung zu zerstören. Erst die Mongolen konnten die Assassinen im Jahr 1256 vernichtend schlagen. Das Attentat auf Nizam al-Mulk: Die Gruppe um Hassan-i Sabbah sah sich als die wahren Vertreter des Islam. Sie wollten ihre Eigenständigkeit bewahren und widersetzten sich den Mameluken mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Es gelang ihnen aber nicht, die ansässige Bevölkerung mit ihrer Art des Islams zu missionieren, da die sunnitisch-seldschukische Obrigkeit und insbesondere ihr persischer Wesir Nizam al-Mulk sensibilisiert waren und dieses Vorhaben gewaltsam bekämpften. In dieser Situation griff Hassan-i Sabbah zu dem äußersten ihm zur Verfügung stehenden Mittel, er ließ den persischen Verräter Nizam al-Mulk durch ein Selbstmordkommando exekutieren. Am 16. Oktober des Jahres 1092 erfolgte das Attentat durch einen von Sabbahs Gefolgsleuten. Der Täter erstach den Wesir in seiner Sänfte, die ihn vom Audienzsaal zum Zelt seiner Frauen bringen sollte. Noch während der Assassine das Attentat verübte, wurde er selbst getötet. Den Tathergang beschreibt eine zeitgenössische Quelle: Unser Meister legte Schlingen und stellte Fallen auf, um ein so edles Wild wie Nizam al-Mulk im Netz des Todes und des Verderbens zu fangen. Durch diese Tat wurde sein Ruhm gewaltig vermehrt. Mit der Gaukelei der Täuschung und dem Kunstgriff der Lüge, mit arglistiger Verstellung und hinterhältiger Zurichtung bereitete er den Boden für die fida’is, um endlich zu fragen: ,Wer von euch ist willens, dieses Land von dem Übeltäter Nizam al-Mulk Tusi zu befreien?‘ Ein Mann namens Bu Thair Arrani legte die Hand auf das Herz, um seine Bereitschaft anzuzeigen. Und in der Nacht zum Freitag, dem 12. Ramadan des Jahres 485, bei dem Ort Sahna im Distrikt vom Nihawand näherte er sich, dem Pfade des Irrtums folgend, um auf ihm zur Seligkeit der künftigen Welt zu gelangen, als Sufi verkleidet der Sänfte Nizam al-Mulks, der vom Audienzsaal zum Zelt seiner Frauen getragen wurde, und erstach ihn mit einem Messer. Noch während er zustieß, erlitt er das Martyrium. Nizam al-Mulk war das erste Opfer der fida’is Unser Meister (mag er nach seinen Verdiensten gerichtet werden) sagte: ,Die Tötung dieses Teufels ist der Beginn der Seligkeit. (Raschid al-Din o.J., S. 110, zit. n. Lewis 1989, S. 74). Dieses Attentat auf Nizam al-Mulk war der Beginn einer beispiellosen Mordserie, die sich bis zum Fall der Assassinen hinzog. Die Opfer waren wichtige Funktionäre, insbesondere Theologen, Fürsten, Generale, Gouverneure und Kalifen. Während Hassan-i Sabbah nur Fida’is zu moslemischen Geistlichen und politischen Führern schickte, welche seiner Meinung nach vom wahren Glauben abwichen, befahlen seine Nachfolger auch Attentate auf christliche Fürsten, die als Kreuzritter in den Orient kamen. Sinan ibn Salman ibn Muhammad, der Alte vom Berge Neben Hassan-i Sabbah gab es einen weiteren Führer der Assassinen, der in der Geschichtsschreibung besondere Erwähnung findet: Sinan ibn Salman ibn Muhammad, der sogenannte Alte vom Berge (auch unter den Namen Rashid ad-Din Sinan bekannt). Zu Weltruhm bei den Kreuzfahrern im Heiligen Land und damit in Europa gelangte Sinan ibn Salaman, indem er diese zunächst nicht bekämpfte, sondern ein Attentat auf den designierten König von Jerusalem Markgraf Konrad von Montferrat beging. (Vgl. Röhricht 1898/1966, S. 614/615) Über den Gehorsam der Anhänger von al-Din scheint berichtet der deutsche Chronist Arnold von Lübeck, dass sie: […] absurd erscheinen, aber durch Aussagen zuverlässiger Zeugen verbrieft sind. Der Alte hat die Menschen in seinem Land durch Hexerei derart verwirrt, dass sie weder beten noch an irgendeinen Gott außer ihm selbst glauben. Überdies verlockt er sie auf seltsame Weise mit Hoffnungen und Versprechungen ewiger Freuden, so daß sie lieber sterben als leben wollen. Viele von ihnen, stünden sie auf einer hohen Mauer, würden auf sein Kopfnicken oder seinen Befehl hin hinunterspringen und mit zerschmettertem Schädel einen elenden Tod sterben. (Arnold von Lübeck, zit. n. Lewis 1989, S. 18–19). Der Gehorsam der Assassinen war eine Folge der strengen Hierarchie innerhalb der Sekte und des göttlichen Status, den die Imame in der ismailitischen Ausrichtung des Islams genossen. (Vgl. Hellmuth 1988, S. 31/32) Eine besondere Rolle für die Motivation der Attentäter könnte ein Erziehungsprozess gespielt haben. Die Legende darüber war im Orient weit verbreitet. (Vgl. Hellmuth 1988, S. 40) Jungen potentiellen Attentätern soll man das angebliche Paradies schon auf Erden gezeigt haben, indem man sie an einem speziellen Ort auf einer der Assassinen-Burgen brachte. Diese Legende erreichte auch Europa und beflügelte noch den Ruf der Assassinen. Verstärkend wirkte hier wahrscheinlich auch Marco Polo, der im 13. Jahrhundert große Teile Asiens bereiste und in seinen Reisebeschreibungen über die Glaubensgemeinschaft berichtete: Er hieß Aloeddin, und seine Religion war die Mohammeds. Er hatte in einem schönen, von zwei hohen Bergen umschlossenen Tal einen überaus herrlichen Garten anlegen lassen, in dem die köstlichen Früchte und die duftigsten Blumen, die man sich nur denken kann, gediehen. Paläste von mannigfacher Größe und Gestalt waren auf verschiedenen Terrassen übereinander gebaut, geschmückt mit goldenen Schildern, Gemälden und reichen Seidenstoffen. In diesen Gebäuden waren viele Springbrunnen mit klarem, frischem Wasser zu sehen an anderen Orten wiederum flossen ganze Bäche von Wein, Milch und Honig. In den Palästen hielten sich die schönsten Mädchen auf sie waren in den Künsten des Gesanges erfahren, konnten auf verschiedenen Musikinstrumenten spielen, tanzten wunderbar und verstanden sich auf alle Vergnügungen und unterhaltenden Spiele. Geschmückt mit kostbaren Kleidern wandelten sie durch die Gärten und erfüllten die Pavillons mit Lust und Seligkeit. Diesen herrlichen Garten aber hatte der Fürst nicht ohne eine besondere Absicht anlegen lassen. Mohammed hatte nämlich denen, die seine Gebote befolgten, die Freuden des Paradieses versprochen, wo man in Gesellschaft schöner Frauen jede Art sinnlichen Genusses finden sollte. Nun wollte der Fürst bei seinen Anhängern den Glauben verbreiten, daß auch er ein dem Mohammed ebenbürtigen Prophet sei und die Gewalt habe, seinen Günstlingen Einlaß in das Paradies zu verschaffen. Damit aber niemand ohne seine Genehmigung den Weg in dieses köstliche Tal finden könnte, ließ er am Eingang desselben ein festes, uneinnehmbares Schloß errichten, in das man nur auf geheimen Weg gelangen konnte. Auch hielt der Fürst an seinem Hof eine Anzahl zwölf- bis zwanzigjährige Jünglinge, die er aus denjenigen Einwohnern der benachbarten Gebirge ausgewählt hatte, die kriegerisch veranlagt waren und besonders verwegen zu sein schienen. Diesen erzählte er täglich von dem durch den Propheten verkündigten Paradies und von seiner Macht, sie in dasselbe einzuführen: Von Zeit zu Zeit aber ließ er ihnen dann Schlafmittel einflößen und sie, wenn sie nun aus ihrem tiefen Schlummer erwachten, waren wie berauscht von all den Herrlichkeiten, die ihnen schon beschrieben worden waren ein jeder sah sich von lieblichen Mädchen umgeben, die sangen, spielten und sich durch die bezauberndsten Liebkosungen angenehm machten auch wurde er von ihnen mit köstlichen Speisen und herrlichen Weinen bedient, bis er ganz trunken von dem Übermaß des Vergnügens, inmitten der Bäche von Milch und Wein, sich wirklich im Paradiese glaubte und die gebotenen Freuden nur mit äußerstem Widerwillen verlassen hätte. Wenn nun vier oder fünf Tage auf diese Weise vergangen waren, wurden sie wieder in tiefen Schlaf versetzt und aus dem Garten gebracht. Anschließend führte man sie vor den Fürsten, und sie antworteten auf dessen Frage, wo sie gewesen seien: ,Im Paradies – durch die Gnade Eurer Hoheit!‘ Und angesichts des ganzen, voller Staunen und Neugier zuhörenden Hofes erzählten sie von ihren ungewöhnlichen Erlebnissen. Daraufhin wandte sich der Fürst an sie und sagte: ,Wir haben die Versicherung unseres Propheten, daß der, welcher seinen Herrn verteidigt, ins Paradies kommen wird wenn ihr also meinem Gebot folgt und meinen Befehlen gehorsam seid, so wartet dieses glückliche Los euer!‘ Begeistert über solche Worte, schätzten sich alle glücklich, die Befehle ihres Herrn auszuführen und in seinem Dienst sterben zu dürfen. So geschah es, daß der Fürst, wenn irgendein benachbarter Herrscher sein Mißfallen erregte, diesen durch die von ihm erzogenen Meuchelmörder töten ließ, von denen keiner zögerte, sein eigenes Leben zu opfern, das er gering schätzte, wenn er nun seines Herrn Befehle ausführen konnte. Infolgedessen wurde die Schreckensherrschaft des Fürsten in allen Nachbarländern außerordentlich drückend empfunden […] (Polo o.J./2001, S. 72–75).

Über den Autor

Daniel Zerbin wurde 1973 in Gelsenkirchen geboren. Das Studium der Berufs- und Betriebspädagogik schloss der Autor im Jahr 2002 und das Studium der Kriminologie im Jahr 2004 jeweils mit dem Diplom ab. Insgesamt diente Daniel Zerbin zwölf Jahre als Offizier in der deutschen Militärpolizei (Feldjägertruppe der Bundeswehr). In dieser Zeit sammelte der Autor Erfahrungen im Auslandseinsatz und kam mit dem islamistischen Terrorismus in Afghanistan in Berührung. Motiviert durch eine kriminalistische Verwendung in der Feldjägertruppe und einer weiteren Tätigkeit als wissenschaftlicher Angestellter bei der Polizei Hamburg, widmete er sich vertieft dem Thema des islamistischen Terrorismus im Rahmen eines Promotionsprojektes an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Das vorliegende Buch entstammt diesem Projekt und spiegelt zu einem Teil auch die Lebensgeschichte des Autors wider.

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