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  • Kinder und Jugendliche in der Trennungs- und Scheidungsmediation. Eine Studie aus entwicklungspsychologischer Sicht

Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 02.2019
AuflagenNr.: 1
Seiten: 88
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Niemals ist eine Trennung oder eine Scheidung leicht. Umso schwerer ist dieser Prozess, wenn Kinder und Jugendliche von der Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Dieses Buch stellt das Verfahren der Trennungs- und Scheidungsmediation vor und gibt Hinweise, ab welchem Alter und in welcher Form Kinder und Jugendliche in dieses Verfahren einbezogen werden können und auch sollten.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel B II Trennung und Scheidung aus Sicht der Kinder und Jugendlichen: Auch wenn Trennungen und Scheidungen zum Normalfall geworden sind und der Begriff Scheidungskind grundsätzlich an Relevanz verloren haben mag, so ist die Trennung und Scheidung der Eltern für die betroffenen Kinder ein einschneidendes und meist dramatisches Ereignis (Doench 2014, S. 39).Insbesondere die Langzeitstudie von Judith Wallerstein beschäftigt sich mit den Anforderungen an Kinder und Jugendliche aufgrund der Trennung ihrer Eltern und zeigt, dass diese ein lebensveränderndes Geschehen im Leben der Kinder darstellt (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 30). Neben der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben müssen die Kinder und Jugendlichen die psychischen Auswirkungen einer Trennung und Scheidung verarbeiten (vergl. Wallerstein, Blakeslee 1989, S. 339-341). Kinder sehen keinen Sinn darin, die Familie auseinander zu reißen um Familienprobleme zu lösen. Nur wenige Kinder verstehen, dass die Eltern aufgrund ihrer unglücklichen Ehe leiden. Die Scheidung ist für sie nicht das Heilmittel, sondern die Scheidung soll wieder weggehen (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 117/118). Die erste Aufgabe betroffener Kinder und Jugendlichen besteht darin, überhaupt zu begreifen, was Scheidung bedeutet und welche Folgen eine Scheidung für alle Beteiligten hat (vergl.Stolz/Strini, 2009, S. 44). Insbesondere jüngere Kinder haben panische Angst, dass sie von beiden Eltern verlassen werden könnten. Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern über die Veränderungen sprechen und sie ermutigen, ihre Sorgen und Ängste zu äußern. Bei vielen sich trennenden Paaren erfolgt aber keine altersgerechte und zeitnahe Einbindung der Kinder und Jugendlichen, indem ihnen das Geschehen erklärt wird. Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen werden, wenn überhaupt, viel zu spät geführt (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S.77). Die Hälfte der an der Studie von Wallerstein beteiligten kleinen Kinder erfuhr erst am Tag des Auszugs eines der Elternteile von der Trennung der Eltern (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 118). Das Kind hat ein Recht darauf zu erfahren, warum die Eltern sich scheiden lassen, denn Kinder und Jugendliche müssen die Trennung und Scheidung begreifen, um zwischen fiktiven Vorstellungen und der Wirklichkeit unterscheiden zu können (Stolz/Strini, 2009, S. 45). Ansonsten werden die Ängste vor dem Unbekannten noch erheblich vergrößert (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002,S. 77). Die zweite Aufgabe besteht nach Wallerstein darin, dass die Kinder und Jugendlichen sich möglichst bald nach der Scheidung wieder ihrem eigenen Leben zuwenden und sich ihren Hobbys und Freunden widmen (Stolz/Strini, 2009, S. 45). Die dritte Aufgabe, so Wallerstein, besteht in der Bewältigung des Verlustes. Damit Kinder und Jugendliche diese schwierige Aufgabe gut meistern können, wäre es vorteilhaft, wenn die Eltern miteinander kooperieren (Stolz/Strini, 2009,S. 45). Insbesondere müssen die Kinder und Jugendlichen lernen, die Endgültigkeit der Trennung und Scheidung zu akzeptieren. Es gibt Kinder, die noch Jahre später darauf hoffen, dass ihre Eltern wieder zusammenfinden (Stolz/Strini 2009,S. 46). Die letzte Aufgabe der Kinder und Jugendlichen besteht darin, sich trotz der erlebten Situation weiter zu entwickeln. Insbesondere Jugendliche müssen den Mut aufbringen, trotz des Erlebten Bindungen und Beziehungen einzugehen (Stolz/Strini 2009, S. 47). Außerdem hat die Langzeitstudie von Wallerstein ergeben, dass die Kinder und Jugendlichen mit altersabhängigen Symptomen (getrennt nach Vorschulalter, Latenzalter und Adoleszenzalter) auf die Trennung ihrer Eltern reagieren. Diese Symptome wie Schmerz, Angst, Wut, Ohnmacht und Aggressivität sind altersspezifische und persönlichkeitsabhängige Bewältigungsversuche der Trennungs- und Scheidungssituation. Eltern erwarten oft von ihren Kindern, dass diese ohne Protest und große Bestürzung, die großen Veränderungen in ihrem Leben einfach so akzeptieren und keine Schwierigkeiten machen (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 288). Diese Symptome sind eine ganz normale Reaktionen auf ein nichtnormales Ereignis (Hutter, 2012, S. 27) und müssen den Kindern zugestanden werden. Die Symptome sind daher sogar notwendig werden die Symptome durch Methoden der Erziehung unterdrückt, legt man den Grundstein für spätere neurotische Folgeerscheinungen (Figdor, 1997, S. 116/117). Glückt die Anpassung, indem das Kind Strategien entwickelt, um mit der neuen Situation umzugehen, so verschwinden die Symptome wieder von selbst (Figdor, 1997, S. 24). Manche Kinder verhalten sich aber – vernünftiger, aber auch ungesunderweise – einfach taktisch. Neben den obengenannten Symptomen, die wieder vergehen, können auch Langzeitfolgen auftreten. An dieser Stelle können die Folgen nicht umfassend dargestellt werden, da dieses den Rahmen der Untersuchung sprengen würde. Einige Folgen, die zum Teil gravierende Auswirkungen auf das zukünftige Leben der Scheidungskinder hat, sollen aber beschrieben werden. Aufgrund von Loyalität ( Wes Brot ich ess`, des Lied ich sing ) oder aber um den als nicht stabil wahrgenommen Elternteil nicht weiter zu belasten, zeigen die Kinder das von ihnen erwünschte Verhalten (Hutter, 2012, S.30). Ergebnis ist, dass die Kinder den Umgang mit ihren Gefühlen von den Erwartungen ihrer Eltern abhängig machen. Dadurch haben sie keinen Zugang mehr zu ihrem eigentlichen Erleben und die notwendigen Adaptionen zum Umgang mit der neuen Situation erfolgen nicht. Die Trennung und Scheidung ihrer Eltern wird nur die betroffenen Kinder und Jugendlichen tatsächlich nicht tangieren, die schon vorher eine gestörte Beziehung zu ihren Eltern hatten (Figdor, 1997, S.24). Möglicherweise leidet das Selbstwertgefühl, aufgrund a) des Verlassen Werdens durch einen Elternteil, b) dessen, dass der Hauptsorgeberechtigte Elternteil weniger präsent ist, da der Alltag von Alleinerziehenden hektischer wird und sie weniger Zeit für das Kind haben (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 189) und c) des Fehlens des Vaters (Studien belegen, dass insbesondere für den Aufbau des Selbstwertgefühls der Vater sehr wichtig ist (Hutter 2012, S. 14)). Hinzukommt, dass Kinder und Jugendliche aus Trennungs-und Scheidungsfamilien die Erfahrung gemacht haben, dass sich das Geschehen während der Trennung und Scheidung ihrem Einfluss entzieht. Sie sind diesem hilflos ausgeliefert. Die Familie wird aus ihrer Sicht, ohne dass sie mitbestimmen können und gegen ihre Bedürfnisse, aufgelöst. Das subjektive Erleben der Kinder und Jugendlichen ist also dergestalt, dass sie der Situation ohne Mitgestaltungsmöglichkeiten ausgesetzt sind. Es besteht die Gefahr, dass dieses Gefühl der mangelnden Selbstwirksamkeitsüberzeugung immer wieder bestätigt und vertieft wird (Hutter 2012,S. 12). Dies kann sich langfristig auf das Initiativverhalten des Kindes im späteren Leben auswirken (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, S.79). Scheidungskinder haben es zudem schwer im Umgang mit Konflikten, da sie in der Kernfamilie nicht gelernt haben, wie ein angemessenes Konfliktverhalten ist. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Auseinandersetzungen mit Kapitulationen enden. Für sie bedeuten Konflikte eine Gefahr. Ihre Reaktionen hierauf sind Sprachlosigkeit, Trauer oder aber Flucht ((Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 86). Scheidungskindern fehlt außerdem eine gute Vorlage für die Gestaltung von Beziehungen für ihr Erwachsenenleben. In dem Moment, wo es um ihre Partnerwahl geht, erleben sie die Scheidung ihrer Eltern erneut. Aus Angst vor dem Misslingen von Beziehungen wählen sie den falschen Partner, geben bei Problemen früh auf oder lassen sich erst gar nicht auf Beziehungen ein. Der Punkt ist, dass Scheidungskinder mit dem Misslingen, Kinder aus einer intakten Ehe mit dem Gelingen einer Ehe rechnen (Wallerstein/Lewis/Blakeslee, 2002, S. 89).

Über den Autor

Sabine Baluch wurde 1973 in Aachen geboren. Die gelernte Diplom-Rechtspflegerin entschied sich aufgrund ihrer Tätigkeit als Personalsachbearbeiterin, ihre Qualifikationen im Bereich des Personal- und Konfliktmanagements durch ein berufsbegleitendes Studium an der Fernuniversität in Hagen weiter auszubauen. Dieses schloss die Autorin im Jahr 2018 mit dem Titel Master of Mediation erfolgreich ab. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Personalsachbearbeiterin konnte sie bereits während des Studiums praktische Erfahrungen in der Durchführung von Mediationen sammeln. Das in dem Buch behandelte Thema liegt der Autorin besonders am Herzen, da sie selbst geschieden ist und ihr Sohn zum Zeitpunkt der Trennung fünf Jahre alt war. Die Autorin lebt heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Belgien.

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