Suche

» erweiterte Suche » Sitemap

  • Sie befinden sich:
  • Fachbücher
  • »
  • Pädagogik & Soziales
  • »
  • Burnout und Spiritualität. Das Burnout-Syndrom nach Burisch und das Konzept der vertieften Spiritualität und emotionalen Gesundheit nach Scazzero in der vergleichenden Analyse

Pädagogik & Soziales


» Bild vergrößern
» weitere Bücher zum Thema


» Buch empfehlen
» Buch bewerten
Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 01.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 104
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die vorliegende Studie bringt die Themenfelder Burnout und Spiritualität miteinander ins Gespräch. Sie geht der Frage nach, inwiefern diese beiden Themen voneinander profitieren können, wo sie sich überschneiden, und auch, wo deren Begrenzungen liegen. Hierfür wird im ersten Teil der Untersuchung mithilfe des deutschen ‚Burnout-Papstes‘ Matthias Burisch ein umfassender Einblick in den Bereich Burnout gewährt. Der zweite Teil befasst sich mit dem Begriff der gesunden Spiritualität nach Peter Scazzero. Er wendet sich damit gegen eine falsch verstandene Spiritualität und stellt dieser das Konzept einer emotional gesunden Spiritualität entgegen. Schließlich werden die beiden Positionen miteinander diskutiert. Dabei zeigt sich, dass beide Bereiche jeweils an den anderen anschlussfähig sind. So können beide Konzepte gegenseitig voneinander profitieren: Spirituelle Aspekte können die Burnout-Forschung um wichtige Anknüpfungspunkte erweitern. Umgekehrt finden sich sehr bemerkenswerte Ansatzmöglichkeiten aus der Burnout-Forschung, die Fragen an die christliche Spiritualität aufwerfen und damit auch eine Hilfe darstellen können.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.1.1 Warnsymptome der Anfangsphase (Phase 1) Zu Beginn eines Burnout-Prozesses stehe immer ein Überengagement – davon wird in der älteren Literatur zum Thema ausgegangen. Burisch jedoch spricht lieber etwas neutraler von überhöhtem Energieeinsatz . Auch der Zusammenhang zwischen Burnout und ‚Idealismus‘ sei nur zum Teil bestätigt. Entscheidend sei nicht die Anzahl der Überstunden oder eine Überlastung an sich, sondern vielmehr die Tatsache, den größten Teil der Arbeitszeit mit angespanntem Zwerchfell zu verbringen – womöglich aus der Angst geboren, jederzeit könne etwas Bedrohliches oder Unangenehmes passieren. Ein Warnsignal erster Güte sei, so Burisch, wenn Menschen nach der Arbeit nicht mehr abschalten können In Folge würde ein Teufelskreis entstehen, der den Schlaf und damit die Erholung raube, so dass morgens dann die Widerstandskraft fehle. Also nicht die Arbeitsmenge, sondern vielmehr die Gefühlslage, mit der man seine Arbeit tut bzw. seine Zeit verbringt sei entscheidend. Der Autor ist der Meinung, es könne jahrelang ein hoher Grad an Engagement gebracht werden, solange das Verhältnis ausgeglichen sei zwischen dem Einsatz einerseits und Lob und Anerkennung dafür andererseits. Aber spätestens, wenn sich häufig oder dauerhaft Symptome der Erschöpfung zeigten, sei zu fragen, ob man letztlich doch mit zu großem Einsatz gefahren sei oder sich am falschen Platz befunden habe. Als Warnsignal kann ferner gelten, wenn man durch groben Undank, durch ungerechte Kritik eines Vorgesetzten oder durch ausbleibende Solidarität von Kollegen beginnt, an der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns zu zweifeln, auch das Gefühl des ‚Zuviel-des immer-selben‘ könne ein Hinweis sein. Übrigens könne man über den ‚direkten Weg‘, also ohne die ‚dynamische Anfangsphase‘, in eine der anderen Phasen gelangen, etwa wenn sich plötzlich die Umwelt ändert, z.B. durch den Beginn eines Studiums, durch den Eintritt in einen neuen Beruf, durch einen neuen Chef oder eine neue Führungsverantwortung – Situationen, die an Kompetenzgrenzen führten, womöglich mit Sachzwänge verbunden, wo nicht klar sei, wie diese neuen Herausforderungen zu bewältigen seien. 3.1.2 Reduziertes Engagement (Phase 2) Burisch kennzeichnet die zweite Phase als reduziertes Engagement . Bei Ausbrennern entwickle sich aus Begeisterung häufig Überdruss. Die Arbeit, einst selbst gewählt und geliebt, werde zunehmend zur Belastung, die Betroffenen lebten nur noch auf das Wochenende oder den Urlaub zu, zählten die Jahre bis zur Rente. Die Vorgeschichte hierzu liege häufig in einer idealistischen Überhöhung der Arbeit, speziell der Arbeit mit und für Menschen , die sich später bis zur Abkehr von diesen Menschen wandle. Es erfolge ein emotionale(r), kognitive(r) und verhaltensmäßige(r) Rückzug , zunächst von Menschen und schließlich auch von der Arbeit schlechthin . Habe man früher im Übermaß (freiwillig) gegeben, wolle man nun vor allem nehmen, und wenn dies nicht möglich scheint, nehme man sich eben selbst zurück. Hierzu gehöre das Phänomen der Selbstdistanzierung: Die Suche nach Möglichkeiten, sich selbst aus der Verantwortung zurückzuziehen oder – besonders in sozialen Berufen – die Tendenz, Beziehungen zu entpersönlichen . Weiter ordnet Burisch das Phänomen der inneren Kündigung bei Mitarbeitern dieser Phase zu. Dabei wirkten sie stets sehr beschäftigt, aber man wisse nicht so richtig, was sie eigentlich täten. Manche führten eine Art Doppelleben , denn ihre Befriedigung, die ihnen früher die Arbeit verschaffte, suchten sie nun in Vereinen oder im Hobby das Leben beginne erst nach Feierabend. Der Prozess des Zurückziehens sei mit verheerenden Folgen verbunden, v.a. bei Mitarbeitern aus der sozialen Branche: Es entstehe ein Teufelskreis aus verringertem Engagement, das daraufhin Reaktionen erzeuge, die diesen Rückzug wiederum rechtfertigten und damit verstärkten. In dieser Phase begännen auch äußere Faktoren, wie etwa die Bezahlung, nach und nach eine immer gewichtigere Rolle für den Grad der Arbeitszufriedenheit zu spielen. 3.1.3 Emotionale Reaktionen Schuldzuweisungen (Phase 3) In einer weiteren Phase kann es zu emotionalen Reaktionen oder Schuldzuweisungen kommen. Der Betroffene sei mit der Situation konfrontiert, dass er zentrale (…) Ziele und Befriedigungsquellen aufgeben muss. Er erkennt gezwungenermaßen an, desillusioniert worden zu sein. Dies sei ein schmerzlicher Prozess , der eine Verarbeitung erfordert, die Burisch dezidiert als Trauerarbeit bezeichnet. Eine solche Trauerarbeit könne dabei helfen, den Verlust ( des unrealistisch optimistischen Weltbildes ) anzunehmen und damit einen konstruktiven Abschluss zu finden. Der Autor weist darauf hin, dass es auch hier keinen idealtypischen Ablauf gibt sondern je individuelle Einzelfälle. Manche umgingen diese existenziell wichtige Trauerarbeit, so Burisch, z.B. durch Schuldzuweisung sich selbst gegenüber, oder versuchten alternativ, die Schuld anderen zuzuschieben. Aber weder Depression noch Ärger seien besonders hilfreiche Bewältigungsstrategien. Eine sinnvolle Bewältigung müsste differenzierter vorgehen: Worauf es wahrscheinlich ankäme, wäre, das Unabänderliche vom Veränderbaren zu unterscheiden und sich mit dem ersteren, dem Unabänderlichen, abzufinden, das letztere, dem Veränderbaren, in kleinen Schritten in Angriff zu nehmen. Wie der Einzelne mit den Schwierigkeiten umgeht, liege v.a. an der seelischen Großwetterlage, die maßgeblich das Verhältnis des Betroffenen zu sich und zu den anderen bestimmt. Wenn der Ausbrennende die Ursache seiner Probleme v.a. bei sich selbst suche, tendiere er dazu, depressiv zu reagieren. Würde die entstehende Hilflosigkeit – manche sehen in ihr eine der häufigsten Auslöser für Depressionen – nun interpretiert als persönliches Versagen, sinke infolgedessen der Selbstwert ab. Dazu komme u.U. ein drückendes Schuldgefühl hinzu . Ein Ausbrenner, dessen Lebenszweck die Arbeit ist, verliere damit für sich selbst die Existenzberechtigung. Alternative Reaktionen seien nach außen gerichtete, aggressive Emotionen wie Bitterkeit, Zynismus und Reizbarkeit. Sie könnten als Hilferuf des extrapunitiven Ausbrenners gewertet werden, der lieber austeilt als einsteckt. Solche Leute seien es eher gewohnt, sich selbst zu helfen, auch könnten sie nur sehr schwer Schwäche und Hilfsbedürftigkeit offen zugeben. 3.1.4 Abbau (Phase 4) In einer weiteren Phase, die Burisch mit Abbau überschreibt, käme es zu Leistungsabfällen, die möglicherweise auf den ersten Blick nicht ersichtlich seien. Denn selbst wenn das Arbeitsergebnis vielleicht genauso aussehe wie vorher, so sei der Aufwand, um dieses Ergebnis zu erzielen, ein wesentlich höherer. Manchmal werde es offensichtlicher: es passierten Flüchtigkeitsfehler, Termine würden übersehen oder nicht eingehalten, Dinge verlegt usw., die vom Umfeld oder von gutmütigen Kollegen vielleicht noch ausgeglichen werden könnten. Die Innovation bleibe zunehmend auf der Strecke, die Motivation gehe zurück und, wo möglich, würde Dienst nach Vorschrift getan. Nicht auffallen, keine Experimente und möglichst wenig Aufregung, so heißt jetzt die Devise (‚Abbau der Kreativität‘) . Man suche nach kognitiver Entlastung, so Burisch. Es werde z.B. in eingefahrenen Bahnen vorgegangen oder auf Schemata nach dem Typ ‚das haben wir schon immer so gemacht‘ o.ä. zurückgegriffen. Demnach sei der ‚kleinkarierte Bürokrat‘ tatsächlich burnout-prototypisch . Es könne sich in dieser Phase des Krankheitsverlaufs eine Wechselwirkung mit der vorhergehenden Phase ergeben, die sich beide gegenseitig verstärkten. 3.1.6 Psychosomatische Reaktionen (Phase 6) In dieser Phase seien, wie bereits auch schon in der Anfangsphase, psychosomatische Symptome zu finden, so Burisch, wie z.B. Schlafstörungen, Kreislaufbeschwerden, Verspannungen und Verdauungsbeschwerden, sowie eine Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Weiter könne es, als mögliche Folge veränderter Essgewohnheiten, zu einer starken Gewichtszunahme kommen, wenn z.B. öfter oder mehr gegessen, dazu vielleicht häufiger nach Süßigkeiten gegriffen würde. Auch der Konsum von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen steige. Koronare Herzkrankheiten oder Geschwüre im Magen-Darm-Trakt könnten auftreten, so der Autor. 3.1.7 Verzweiflung (Phase 7) Das temporäre Gefühl der Hilflosigkeit hat sich zu einem chronischen Gefühl der Hoffnungslosigkeit verdichtet. . Diese letzte Phase bezeichnet Burisch mit existenzieller Verzweiflung , und verweist auf Lauderdale, der diese Phase ‚Meltdown‘ nennt. Das Leben sei sinnlos geworden, Gedanken an Suizid tauchten auf oder fänden – so immer wieder leider die traurige Bilanz –, schließlich zu einer Umsetzung. Damit es nicht so weit kommen müsse, gebe es jedoch Hilfen und Hinweise, und es sei gut zu lernen, die Zeichen rechtzeitig zu erkennen.

Über den Autor

Sandra Käser, M.A. Religion und Psychotherapie, verfügt über reichhaltige Erfahrungen als Beraterin, Mentorin und Coach in verschiedenen Bereichen und Organisationen. Sie war zunächst lange Zeit als Bankkauffrau tätig. Ihr Engagement im gemeindlich-kirchlichen Kontext und die Begleitung von Erwachsenen und Jugendlichen führte sie dann zunehmend auf den Weg in Richtung Lebensberatung. Ihr Masterstudium Religion und Psychotherapie sowie eine Ausbildung zum Coach und zur Begleiterin für Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz hat ihr Beratungsspektrum vertieft und erweitert. Burnout-Betroffene begegneten ihr sowohl in der Bank als auch im religiös-gemeindlichen Kontext. So kristallisierte sich die Frage nach Ursachen und Prävention von Burnout als wichtiges Thema für sie heraus. Dieser Thematik geht die Autorin in ihrem vorliegenden Buch nach und bringt die beiden Themen Spiritualität und Burnout miteinander in Verbindung. Sandra Käser arbeitet als Jobcoach und Seminarreferentin im sozialen Bereich und ist außerdem freiberuflich als Beraterin und Coach tätig. Sie lebt mit ihrer Familie im Nordschwarzwald.

weitere Bücher zum Thema

Bewerten und kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichenten Felder aus.