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Pädagogik & Soziales

Diana Stiller

Clara Grunwald und Maria Montessori

Die Entwicklung der Montessori-Pädagogik in Berlin

ISBN: 978-3-8366-6522-3

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 10.2008
AuflagenNr.: 1
Seiten: 304
Abb.: 8
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Studie stellt das Leben und Wirken von Clara Grunwald und Maria Montessori dar, auf dem besonderen Hintergrund der Entwicklung der Montessori-Bewegung in Berlin der 20er Jahre bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und deren Folgen. Bei dieser Untersuchung wird die Wirkungsweise von Clara Grunwald für die Montessori-Pädagogik in Deutschland, explizit in Berlin der Weimarer Republik verdeutlicht. Hier werden ihre Intention, ihre Einflussnahme und ihr Engagement für die Etablierung der Montessori-Pädagogik und die Entwicklung der Montessori-Bewegung in Berlin beschrieben. Zudem wird der hervortretende Konflikt zwischen Maria Montessori und Clara Grunwald mehrschichtig betrachtet, da verschiedene Faktoren die Entwicklung und Ausbreitung der Montessori-Pädagogik beeinflussten. Der Konflikt zwischen den beiden Frauen zeigt schicksalhafte Auswirkungen auf die Person und das Wirken Clara Grunwalds, sowie auf die Montessori-Bewegung in Berlin. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hat gleichfalls schwerwiegende Auswirkung auf die Arbeit von Clara Grunwald und auf die Montessori-Pädagogik in Deutschland, die den Niedergang der Montessori-Pädagogik zur Folge hat. Vor diesem historischen Hintergrund wird die Entwicklung der Montessori-Pädagogik nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart betrachtet und kurz skizziert.

Leseprobe

Kapitel 4.2, Gründung der Deutschen Montessori-Gesellschaft (DMG): Die Montessori-Pädagogik erfährt in den Jahren der Weimarer Republik neben dem Bund entschiedener Schulreformer gleichermaßen Unterstützung von Seiten der Politik. Der Erlass des preußischen Ministers für Wohlfahrt 1920 und die Rolle der Montessori-Pädagogik auf der Reichsschulkonferenz finden Anerkennung und Beachtung. Elisabeth Schwarz arbeitet als eine anerkannte Vertreterin der Montessori-Bewegung Deutschlands im ersten Ausschuss der Reichsschulkonferenz. Clara Grunwald, Initiatorin und Protagonistin der Montessori-Bewegung in Berlin, gründet 1919 das Montessori-Komitee, in dem sich Fachleute der Montessori-Pädagogik zusammenschließen. Mit Vorträgen, Zeitungsartikeln und einer kleinen Broschüre tritt sie an die Öffentlichkeit. Zusammen mit Elsa Ochs hält sie Sprechstunden zur Montessori-Methode in ihrer Wohnung ab. In die Sprechstunde kommen, nach Clara Grunwald, die gebildete Mutter aus dem Volk als Ratsuchende in Erziehungsfragen, aber auch Eltern von schwererziehbaren Kindern. Sie beschreibt die Montessori-Sprechstunde als Berufsberatungsstelle , an die sich die Tochter des wohlhabenden Mannes, der ihr die Mittel für eine längere Ausbildung gewähren kann, wendet, ebenso wie die intelligente Arbeiterin, die erfahren will, wie sie ihre Kraft und ihre Liebe in den Dienst der heranwachsenden Generation stellen kann. Mit der Unterstützung des Bundes entschiedener Schulreformer, Otto Ostrowski als kommissarisch eingesetzten Bürgermeister von Lankwitz und dem Montessori-Komitee wird das 1. Montessori-Kinderhaus Deutschlands eröffnet. Da das Montessori-Komitee Satzungsgemäß nur Montessori-Fachleute aufnehmen darf, gründet Clara Grunwald am 15.11. 1921 die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V. . In diese Vereinigung schließen sich alle diejenigen Menschen zu gemeinsamen Arbeit zusammen, die für die Ausbreitung der Montessori-Methode in Deutschland wirken und für die Gründung und Erhaltung von Montessori-Kinderhäusern sorgen wollen. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V. wirkt in enger Zusammenarbeit mit dem Montessori-Komitee. Clara Grunwald gelingt es nach ihrem Ausbildungskurs 1921 in Rom, Maria Montessori für einen Vortrag 1922 nach Berlin einzuladen. Da Clara Grunwald den Mangel an gut ausgebildeten Montessori-Pädagoginnen beklagt, entschließt sich das Montessori Komitee, einen Ausbildungskurs für bereits beruflich ausgebildete Lehrkräfte einzurichten. Der von Maria Montessori genehmigte Kurs findet vom 11. April 1923 - 29. September 1923 unter Leitung von Clara Grunwald und Elsa Ochs im Hörsaal des ‚Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht’ in Berlin statt. Mit Unterstützung der beiden Vereine werden in der Folgezeit Montessori-Einrichtungen in Berlin eröffnet. Namentlich stehen dafür das ‚Haus der Kinder am Leopoldplatz und in Wilmersdorf. Das Montessori-Komitee vereinigt sich mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Montessori-Methode e.V. 1925 zur Deutschen Montessori-Gesellschaft (DMG) unter Führung Clara Grunwalds. Dem Engagement der Mitglieder dieser Gesellschaft ist es zu verdanken, dass die Erziehungsgedanken Maria Montessoris zunehmend in die Öffentlichkeit befördert werden. Überdies führt die Gesellschaft eine Werbeaktion mit einer Wanderausstellung durch, die in verschiedenen Städten gezeigt wird. Die großen jüdischen Warenhäuser‚ ‚N. Israel’ und ‚Wertheim’ zeigen diese Ausstellung und richten dazu einen modellhaften Montessori-Raum ein. Die Nachfrage nach Montessori-Kinderhäusern steigt gemäß dieser großangelegten Öffentlichkeitsarbeit. Logischerweise steigt gleichermaßen die Nachfrage nach ausgebildeten Montessori-Lehrkräften und entsprechenden Ausbildungskursen. Clara Grunwald und Elsa Ochs bilden ohne Einverständnis Maria Montessoris weitere Montessori-Lehrer aus und kündigen einen weiteren Montessori-Ausbildungskurs für die Sommermonate 1925 an, den Maria Montessori verbietet. Clara Grunwald lädt Maria Montessori daraufhin erneut nach Berlin ein, damit sie persönlich den angekündigten Ausbildungskurs abhält. Nach frühzeitig organisierten und erfolgreich durchgeführten Kursen in Berlin wird Maria Montessori, angesichts der politischen Situation und nicht zuletzt auch auf Grund von Clara Grunwalds Engagements (fast ohne finanzielle Mittel) immer misstrauischer. Obgleich die Gründung der DMG den Höhepunkt von Clara Grunwalds Schaffens darstellt, treten zunehmend Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten formaler und inhaltlicher Art auf. Hinzu kommt der Konflikt zwischen der DMG, namentlich Clara Grunwald, und Maria Montessori. Die erwähnten Diskrepanzen führen zum Autorisationsverlust des DMG und dessen Einrichtungen durch Maria Montessori. Überdies kommt es zur Abspaltung innerhalb der DMG und einer Neugründung des Vereins Montessori-Pädagogik Deutschlands in Jahre 1930. Maria Montessori übernimmt die Präsidentschaft des Vereins. Die Ausbreitung der Montessori-Pädagogik ist in Berlin durch die rigide- kontrollierende Weitergabe Maria Montessoris nur teilweise erfolgreich. Die Verunglimpfungen und Vorwürfe zwischen 1927-1931 führen zu einer Lethargie der DMG. Clara Grunwald zieht sich in den folgenden Jahren bis zur Auflösung der DMG 1933 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Gründung der Association Montessori International (AMI): Auf dem ersten internationalen Montessori-Kongress im August 1929 wird im Zusammenhang mit der fünften Weltkonferenz der New Education Fellowship in Helsingör, Dänemark, von Maria Montessori die Società Montessori Internationale(SMI) gegründet. Der spätere Name der SMI ist Association Montessori Internationale (AMI). Die AMI fungiert als Dachorganisation zur Beaufsichtigung der Tätigkeit von Schulen und Gesellschaften auf der ganzen Welt und der Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen . Mit der Gründung der AMI, dessen Leitung Maria Montessori ein Leben lang inne hat, versucht sie ihre Methode möglichst auf breiten internationalen Terrain mit Zentrum in Italien, auszuweiten. Der Hauptsitz der AMI ist bis 1936 in Berlin. Die Organisation wird jedoch nach der Schließung aller deutschen Montessorieinrichtungen durch das Naziregime nach Amsterdam verlegt, wo sie bis heute ihren Platz hat. Als Ziel der AMI nennt Leenders die Gründung einer neuen Vereinigung mit ganz neuen Statuten um eine Lösung für die Restriktion zu finden. Die Statuten des AMI umschreiben das Ziel der Organisation in Artikel 1. wie folgt: Verbreitung der (...) reinen Methode, also der Methode, wie sie durch die Dottoressa geschaffen wurde, ohne jegliche Veränderung . Durch die AMI versucht Maria Montessori die allgemeine Leitung der internationalen Bewegung in ihre Hände zu bekommen, um ihr Ideal einer größeren Ausdehnung ihrer Methode weit über die Kindergarten-Methode hinaus zu erreichen. Die internationale Ausweitung ihrer Methoden schließt nach Leenders die institutionalisierte Kontrolle über ihre eigene Konzeption, der ‚Reinheit der Methode’ ein. Sie schützt die Methode, indem sie sie mit ihrem Namen verbindet . Als hervortretendes Kontrollinstrument fungieren die strengen Beschreibungen für den Umgang mit dem Material. Des weiteren ist ihre Autorisierung notwendig, um den Namen Montessori-Schule zu tragen. Maria Montessori legt persönlich fest, welche Personen einen Montessori-Kurs abhalten dürfen und duldet keine Verbindung mit anderen Methoden. Nur ihre ‚reine Methode’ mit ihrem Namen als Markenzeichen darf bei Ausbildungskursen, in Kinderhäusern und Schulen, die mit dem Namen Montessori in Verbindung stehen, angewendet werden. Nur von ihr unterschriebene Diplome haben unbefristete Gültigkeit. Neben der ‚Montessori-Botschaft’ interpretiert Leenders die Reinheit der Methode auch als ein Produkt Montessori, das für finanziellen Gewinn steht . Maria Kramer fasst die Aufgaben der AMI folgendermaßen zusammen: Die AMI soll nicht nur die Kurse organisieren und die Lehrerausbildung beaufsichtigen, nicht nur Kontakt zwischen den Montessori-Schulen und -Gesellschaften auf der ganzen Welt aufrechterhalten und Informationen über die Ideen und Tätigkeiten der Bewegung verbreiten, sondern sie war zugleich eine Firma, die die Produktionsrechte für Maria Montessoris Bücher, für die Herstellung und den Verkauf der Materialien besaß und die Gebühren für die Ausbildungskurse entgegennahm . Die AMI setzt zwar ihre Arbeit unter der Kontrolle von Maria Montessori fort, sie selbst wird jedoch von der faschistischen Regierung innerhalb der Opera Montessori kontrolliert, für die sie sich weiterhin einsetzt. Der 1930 gegründete Verein Montessori-Pädagogik Deutschland e.V., tritt dem AMI bei. Diese Tatsache, dass die Mitglieder des Vereins der Montessori Pädagogik Deutschlands überzeugt sind, dass nur sie die ‚richtige’ Montessori-Pädagogik in Berlin praktizieren, ist ebenfalls ein Indiz für die Denunziationen und Vorwürfe, denen sich Clara Grunwald 1931 ausgesetzt sieht. Die Diffamierung ihrer Person und mögliche Hintergründe werden nachfolgend betrachtet.

Über den Autor

Diana Stiller, Diplom-Sozialpädagogin, Studium an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Abschluss 2006 als Diplom-Sozialpädagogin/ Diplom-Sozialarbeiterin. Derzeit tätig bei KiB (Kinder in Bewegung) als stellvertretende Leiterin im TABALUGA - Bewegungskindergarten Berlin.

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