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Pädagogik & Soziales

Joachim von Meien

Der Partisanenkrieg der Wehrmacht während des Russlandfeldzuges im Zweiten Weltkrieg

ISBN: 978-3-8428-7916-4

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 10.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 112
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Der sich stetig ausweitende Partisanenkrieg im Rücken der Ostfront trug erheblich zur Niederlage der Wehrmacht im Russlandfeldzug bei. Bis zuletzt gelang es nicht, eine angemessene Gegenstrategie zu entwickeln bzw. durch- und umzusetzen. Die vorliegende Studie nähert sich dem komplexen Phänomen des Partisanenkriegs im Unternehmen Barbarossa sowohl aus militärischer als auch aus juristischer Perspektive.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.3, Geschichte der asymmetrischen Kriegsführung: Die Geschichte des Partisanenkrieges reicht wesentlich weiter zurück, als nur bis zu dessen Begriffsbildung im 18. Jahrhundert. Es handelt sich bei der Guerilla um eine Urform des Krieges, die es zu allen Zeiten bei Naturvölkern gab und die dort bis in die Gegenwart zu beobachten ist. Schon in der Antike finden sich zahlreiche Beispiele für Guerillaaktionen, von denen hier einig kurz beleuchtet werden sollen. Zum ersten Mal schriftliche Erwähnung fand die asymmetrische Kriegsführung wohl in Ägypten im sogenannten Papyrus Anastasi aus der Zeit der Ramessiden. Dort heißt es: ‘Die Irregulären [Hervorh. d. Verfassers] wagten es nicht, am Tage anzugreifen, sondern zogen es vor, ihre Angriffe auf die Nacht zu verlegen.’ Auch die konfliktreiche Geschichte Israels ist voll von Partisanenkampfaktionen. Im Alten Testament bediente sich etwa Gideon, der Sohn des Joasch, partisanischer Überraschungstaktik, um die Israelis von den Midianitern zu befreien. Mit nur hundert Mann und dröhnenden Posaunen gelang es ihm, nachts totale Verwirrung im gegnerischen Lager zu stiften, so dass die Feinde Israels letztendlich in Panik sogar aufeinander losgingen. Im Makkabäeraufstand fanden die jüdischen Attacken auf das zahlenmäßig überlegene syrische Heer ebenso häufig bei Nacht statt. Judas Makkabäus besiegte so mit nur 6000 Mann die riesige syrische Streitmacht in mehreren Gefechten zwischen 166 und 165 v. Chr. Partisanenkriege finden sich auch in der römischen Geschichte. Der Historiker und Senator Tacitus schildert in seinen Annalen den Partisanenkrieg der Numider in Nordafrika. Dort gelang es dem militärisch unterlegenen Nomadenvolk unter seinem Anführer Tacfarnias durch ständiges Zurückweichen und Zuschlagen in geschickten Momenten, die Römer lange Zeit an einer finalen Entscheidungsschlacht zu hindern: ‘Daher verlegte sich Tacfarnias auf den Kleinkrieg, wich zurück, wenn er angegriffen wurde, und drang, wenn der Gegner kehrtmachte, wieder vor. Solange die Barbaren an dieser Kampfesweise festhielten, konnten die Römer in der Tat nichts ausrichten.’ Erst sieben Jahre später brachte eine Änderung der römischen Taktik hin zu kleineren, mobileren Einheiten in Verbindung mit einem Überraschungsüberfall militärischen Erfolg und beschwor das Ende des Tacfarnias’. Eine letztendlich erfolgreiche Guerillataktik fuhr auf römischer Seite der zum Diktator gewählte Quintus Fabius Maximus Verrucosus, genannt Cunctator, gegen Hannibal. Er hielt sich mit seinem Heer nahe den karthagischen Invasionstruppen auf, ohne es jedoch zu einer entscheidenden Schlacht kommen zu lassen. Dennoch gelang es ihm auf diese Weise, die karthagischen Kräfte fortwährend zu stören und auf diese Weise zu binden. Zunächst war diese defensive Taktik bei den Römern verpönt und Cunctator wurde als eine Art Spottname verwandt. Nach der zweiten großen römischen Niederlage in der offensiv geführten Schlacht bei Cannae erkannte man jedoch den Nutzen der abwartenden Strategie, die in den Folgejahren bestimmend für die Kriegsführung der römischen Armee wurde, bis man sich stark genug fühlte, wieder selber in die Offensive zu gehen. Ebenfalls eine erfolgreiche Partisanentaktik wandte der Cheruskerführer Arminius bei seinem Sieg über das römische Heer unter Publius Quinctilius Varus im Jahre 9 n. Chr. an , bei dem etwa ein Achtel des gesamten römischen Heeres vernichtet wurde. Heinrich von Kleist hat die Schlacht national-glorifizierend unter dem Eindruck der napoleonischen Besetzung in dem 1808 geschriebenen Drama Die Hermannsschlacht verarbeitet. Mit dem heroisierenden Drama forderte er die Deutschen auf, sich im Kampf gegen Napoleon die Kriegsführung des Arminius zum Vorbild zu nehmen. An einigen Stellen spielt er auf partisanische Unternehmungen Hermanns an: ‘Hermann heimlich: Hast du ein Häuflein wackrer Leute wohl, /Die man zu einer List gebrauchen könnte? Eginhardt: Mein Fürst, die War’ ist selten, wie du weißt. / - Was wünschest du, sag an? Hermann: Was? Hast du sie? / Nun hör, schick sie dem Varus, Freund, / Wenn er zur Weser morgen weiter rückt, / Schick sie in Römerkleidern doch vermummt ihm nach. / Lass sie, ich bitte dich, auf allen Straßen, / Die sie durchwandern, sengen, brennen, plündern.’ Oder weiter: ‘Aristan: Den Teutoburger Wald umringen sie, / Mit einem ganzen Heere dich / In der Moräste Tiefen zu ersticken.’ An anderer Stelle wird der tellurische Charakter der germanischen Kämpfer deutlich: ‘Aristan: Er spricht von Freiheit, Vaterland und Rache’ Auch der römische Historiker Cassius Dio beschreibt die für Angriffe aus dem Hinterhalt bestens geeignete Landschaftsbeschaffenheit Germaniens: ‘Die Berge, ohne Ebenen waren nämlich von Schluchten durchzogen, außerdem standen Baumriesen dicht nebeneinander, so dass die Römer bereits vor dem feindlichen Überfall mit dem Fällen der Bäume, der Anlage von Wegen und der Überbrückung von Geländeabschnitten, wo solches nötig war, Mühe genug hatten. (...) Inzwischen kam auch ein starker Regen und Sturm auf, was die Marschierenden weiterhin voneinander trennte, und der Boden, um die Wurzeln und Stämme her schlüpfrig geworden, machte jeden Schritt höchst unsicher Bruch und Sturz der Baumwipfel sorgten für weitere Verwirrung.’

Über den Autor

Dr. Joachim von Meien, geboren 1981 in Hannover, studierte Geschichtswissenschaft und Anglistik in Magdeburg, Konstanz und Hannover. Er legte das 1. Staatsexamen 2007 ab, promovierte 2010 und absolvierte 2012 das 2. Staatsexamen. Der Autor ist seit 2013 in der Lehrerbildung an der Universität Hannover tätig.

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