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Pädagogik & Soziales

Florian Greller

Greller Klein Perfekt. Ein Tutor in China

ISBN: 978-3-96146-577-4

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2017
AuflagenNr.: 1
Seiten: 208
Abb.: 27
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Der Autor dieses Buches hatte die Möglichkeit, für ca. fünf Monate für eine Tutorentätigkeit nach China zu gehen. Der Aufgabenbereich der Tutoren war sehr vielfältig: Neben der Gewährleistung, dass die Organisation des Studiums reibungslos funktioniert, bestand die Hauptaufgabe darin, Vorlesungsinhalte zu wiederholen sowie die Studierenden auf Deutschland vorzubereiten und ihnen die deutsche Kultur näherzubringen. Gerade die Vorbereitung auf Deutschland war aufgrund der zum Teil erheblichen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China sehr wichtig. Das Ziel der Studierenden lag im Absolvieren eines Doppelabschlusses. Der Autor erlebte während seines Aufenthaltes einen Einblick in die chinesische Kultur, der oft sehr erheiternd, manchmal traurig, ab und an unfassbar war und oftmals ein Schmunzeln hervorbrachte. Der Autor ging nicht nur einmal an seine Grenzen und fragte sich, ob er die Herausforderung meistern würde. Neben der betrauten Aufgabe hatte der Autor noch Möglichkeiten herumzureisen und somit nicht nur Land und Leute kennenzulernen, sondern auch herausragende Sehenswürdigkeiten zu besuchen – bekannte, aber auch weniger bekannte. Seine Stationen waren Taiyuan, Peking, Shanghai, Datong, Pingyao sowie Xian. Neben dem spannenden Einblick in die chinesische Kultur sind im Text platzierte QR-Codes, die auf dazugehörige YouTube-Videos weiterleiten, ein Highlight dieses Buches.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 11. Die Wanderarbeiter – Ein anderer Blick […] Während ich dieses Buch geschrieben habe, wurde in den Onlinemedien berichtet, wie rasend schnell der neue Pekinger Flughafen gebaut werde und wie viele Jahre schon der neue Berliner Flughafen BER nicht fertiggestellt werde. Das ist zunächst einmal richtig, doch warum in China deutlich schneller gebaut wird als in Deutschland, hat aber mehrere Ursachen und es liegt nicht nur an der Langsamkeit von deutschen Behörden, Brandschutzbestimmungen oder der unterstellten Unfähigkeit vieler Beteiligter von Großprojekten. Offensichtlich ist es in China möglich, deutlich schneller, günstiger und noch dazu alles größer und spektakulärer zu bauen als in Deutschland. Die Voraussetzungen vor Ort sind aber anders als in Deutschland. Ob das richtig oder falsch ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. In China werden Großprojekte, insbesondere wenn es die Infrastruktur betrifft, deutlich schneller genehmigt als in Deutschland. Auf den einzelnen wird weniger Rücksicht genommen, weil der Nutzen der Allgemeinheit im Vordergrund steht. In deutschen Medien wurde oftmals berichtet, dass den Anwohnern eine Entschädigung oder Ausweichquartiere in Aussicht gestellt würde, die Durchführung aber an korrupten Beamten scheitere. Im Umkehrschluss lässt sich aber daraus schließen, dass Bürger durchaus entschädigt werden und für den Autor ist es nicht vorstellbar, dass sich das Geld ausschließlich korrupte Beamte einverleiben. Ob das wirklich so ist, kann der Autor nicht beurteilen. Ein großes Thema in Deutschland ist bei Infrastrukturprojekten, dass sich die Fertigstellung teilweise um Jahrzehnte hinzieht. Zum Beispiel wird gesagt, dass die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel erst im Jahr 2035 fertiggestellt werden soll. In China können nicht zwanzig oder dreißig Jahre vergehen, bis bspw. eine neue Bahntrasse fertig gebaut wird. Aufgrund der hohen Bevölkerungszahl, die immer mobiler wird und für eine Arbeitsstelle weite Strecken in Kauf nimmt, muss eine Infrastruktur vorhanden sein, um nach Hause zur Familie zu kommen. Dass die Eltern an einem anderen Ort arbeiten als das Kind und die Großeltern, die es betreuen, ist keine Seltenheit. Auffällig ist auch, dass wenn es sich nicht um Prestigebauten handelt, die Qualität der Gebäude nicht dem entspricht, was in Deutschland gebaut wird. Dies könnte ein Grund sein, warum gerade Wohnhochhäuser in einer immensen Geschwindigkeit hochgezogen werden. Auf unserem Campus nagte bereits der Zahn der Zeit an manchen Gebäuden, obwohl diese erst ein paar Jahre alt waren – wie eingangs beschrieben. Ein weiterer Grund, warum es in China vermeintlich schneller vorangeht als in Deutschland, ist das Vorhandensein einer großen Anzahl an Arbeitskräften, den sogenannten Wanderarbeitern. Über deren Schicksal wurde auch in deutschen Medien berichtet. Jedem Chinareisenden fallen die grünen Zelte auf, die überall stehen – insbesondere an Baustellen von großen Vorhaben, wie Brücken oder Wolkenkratzern. In diesen Zelten leben die Arbeiter, solange sie eine Beschäftigung auf der Baustelle haben. An einem Nachmittag beschloss ich, einen Spaziergang auf dem Campus der benachbarten Universität zu unternehmen. Dort gab es ein hippes Café mit einem sehr guten italienischen Kaffee und ich beschloss spontan, dort einen zu trinken. Das Café war im alternativen Stil gehalten und versprühte eine coole Atmosphäre. Es hätte auch in Berlin-Kreuzberg sein können. Dort traf ich einen Professor und wir beschlossen, gemeinsam zurück zu laufen. Auf den Weg dorthin kamen wir an einem grünen Zelt vorbei und ein Arbeiter sah schon von weitem, dass wir gleich an ihm vorbeilaufen würden. Er strahlte über das ganze Gesicht, als er uns sah und er wirkte sehr sympathisch. Als wir neben ihm standen, winkte er uns zu sich ins Zelt und zeigte uns seine Bleibe. Mir persönlich stockte der Atem. Das Zelt war überfüllt mit Holzpaletten, auf denen lediglich ein dünnes Laken, ein paar Decken und Kissen lagen. In der Mitte des Zeltes stand ein Ofen, um das Zelt zu beheizen. Es gab keine Privatsphäre, keine Möglichkeit, die Habseligkeiten zu verschließen – von der Hygiene ganz zu schweigen. Ich fragte mich, wo denn die Waschmöglichkeiten für die Arbeiter waren. Ich machte kein schockiertes oder trauriges Gesicht, sondern nickte anerkennend und bedankte mich, dass er uns das gezeigt hatte. Seine Reaktion war aber nicht – zumindest interpretierte ich das so –, dass er bemitleidet werden wollte, sondern eher das Gegenteil, wie stolz er war, Teil dieses Projektes zu sein und dass er das mit den vielen anderen verwirklicht hatte. Ich hatte nach dem kurzen Erlebnis einen weitaus größeren Respekt vor diesen Menschen und meine Anerkennung, unter solchen Bedingungen zu leben, um in Lohn und Brot zu kommen, wuchs. Ich hatte ein Video gemacht und das Zelt von innen gefilmt. Ich entschied mich aber, es nicht zu veröffentlichen, um die Privatsphäre des Arbeiters zu schützen. Ein Bild von einem der grünen Zelte auf einer anderen Baustelle habe ich aber im Fotoalbum hinzugefügt. Ich gehe davon aus, dass das Einkommen des Wanderarbeiters nicht dem bspw. eines Bankangestellten entspricht. Wie auch bei uns gibt es in China Menschen mit deutlich mehr und deutlich weniger Einkommen und die Differenz kann sehr groß sein. Dies zu beurteilen, ist aber für einen Außenstehenden schwierig. Viele Chinesen bspw. leben auf dem Land und dort ist eine moderne Infrastruktur einfach noch nicht angekommen – das heißt aber nicht gleich, dass jeder dort arm ist. Ausgedehnte Slums oder Armenviertel, wie es sie in Südostasien gibt, habe ich an keinem der Orte gesehen, die ich besuchte. Nach China besuchte ich unter anderem Kambodscha und die Armut dort, insbesondere der Kinder, war erschreckend. Diese Einschätzung muss nicht für ganz China gelten, dafür ist das Land zu groß. Auch liest man von vielen Geschäftsleuten, die aus dem Nichts und durch harte Arbeit zu einem Vermögen gekommen sind. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass in China die Eröffnung eines Geschäftes oder Betriebes oftmals deutlich einfacher ist als in Deutschland. Scheinbar wird aber auch das Thema Reichtum in China innerhalb der Familien diskutiert. Kinder, die ihren Reichtum – oder genauer gesagt, den Reichtum der Eltern – im Internet zur Schau stellen, sorgten vor ein paar Monaten für einen Skandal in China, der weltweit Beachtung fand. In einem späteren Kapitel erzähle ich von Kimmy und seiner Vielzahl an Apple-Produkten. Nach dem Tutorium fragte ich ihn, warum er denn so viele davon besitze. Kimmy erzählte mir dann, dass die einfach da seien, weil seine drei Geschwister diese nicht mehr brauchten. Wir hatten dann noch einen Smalltalk über Reichtum und in diesem Zusammenhang beschrieb er mir dann seine Wohnverhältnisse während seines Studiums. Sein Vater hätte genug Geld gehabt, um ihm eine Wohnung in Taiyuan zu bezahlen, weigerte sich aber, Kimmy das zu finanzieren. Kimmy solle wie alle anderen auch im Studentenwohnheim im 6-Bettzimmer ohne Privatsphäre leben und sich mit einfachen sanitären Anlagen begnügen. Hintergrund der Entscheidung seines Vaters war, dass Kimmy am eigenen Leib erfahren solle, wie es auch anders sein könnte und er dadurch seinen Lebensstandard zu Hause zu schätzen lernen würde. Ich sagte nur Wow! und Kimmy lachte und sagte: Das hätte Grelli jetzt nicht gedacht. Für Kimmy wäre aber eine eigene Wohnung eh nichts gewesen, weil er nicht gerne alleine war und auch ohne 6-Bettzimmer sein Leben zu Hause schätzte und wusste, dass es nicht so selbstverständlich war. Kimmy war einer der liebenswertesten Studenten, die ich während meiner Zeit in Taiyuan kennengelernt hatte. Aber auch seine Kleidung werde ich nicht vergessen, die oftmals das Highlight des Tages war. […] 13. Das Prinzip der drei Affen […] Ich habe sehr lange mit mir gerungen, ob ich zu folgender Thematik überhaupt berichten soll. Ich entschied mich dafür, weil es doch zum Alltag gehört und auch in Deutschland darüber berichtet wird. Das Prinzip der drei Affen lautet: Ich höre nichts, ich sehe nichts ich sage nichts. Das beschreibt es ganz gut, wie ich mich in China verhielt, um mit folgendem Verhalten klarzukommen: Das Spucken, die Essensreste auf dem Tisch zu platzieren, das Schmatzen und Schlürfen und eine ganz besondere Situation. Es ist jetzt aber nicht so, dass in China die Straßen voll von Spucke sind oder überall die Essensreste herumliegen. Auch nicht jeder Chinese verhält sich grundsätzlich gleich und spuckt wie wild durch die Gegend – ein falscher Eindruck soll an dieser Stelle nicht entstehen. Die hygienischen Standards sind oft sehr hoch, wie bspw. in den Mensen und den offenen Küchen. Alles wurde ordentlich gespült und aufgeräumt und alle Mitarbeiter hatten Hauben auf. Auch die Tische wurden regelmäßig gereinigt. Zu den positiven Aspekten der Millionen Touristen aus Fernost in Europa gehören sicherlich die Einnahmen der Hoteliers und des Einzelhandels vor Ort. Zu den negativen Aspekten gehört allerdings, dass zwei Kulturen aufeinanderprallen. Während der Autor dieses Buch schrieb, lief auf einem Sender zufällig eine Dokumentation über Frankreich und die neue Reisewelle aus Fernost. Die Inhaberin eines Cafés beschwerte sich über die ungehobelten chinesischen Touristen, die sich nicht für das Land interessieren, überall spucken, alles anfassen müssen, kein französisches Essen bestellen und so weiter. Dass es ein Problem gibt, kann nicht ganz geleugnet werden, aber wie es immer so ist, handelt es sich um ein paar Flegel, die eine ganze Gruppe in Verruf bringen. Die andere Frage ist: Wo auf der Welt wird sich nicht über eine Nation aufgeregt, die sich wüst im Ausland verhält? Angeblich lässt die Regierung ein Handbuch drucken, wie sich ihre Landsleute im Ausland zu benehmen haben. Meine persönliche Meinung ist, dass ein Handbuch vielleicht grundsätzlich für jeden Reisenden herausgebracht werden sollte. Es sind aber oft nicht offensichtliche Fehlverhalten, die die Gastgeber ärgern, sondern die unscheinbaren, wie z. B. dass ich mit dem Stäbchen nicht in den Reis hinein stochere, sondern abtrage. Als ich das erste Mal in die Mensa kam, fiel mir unter anderem der Dreck auf den Tischen auf. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Als ich mich das erste Mal an einen Tisch gesetzt hatte, fiel mir aber auf, wie akkurat die Essensrestehäufchen gestapelt waren. Mir fiel dann weiterhin auf, dass die Essenden die Essensreste eben ordentlich auf den Haufen spuckten. Alle Tische werden nach dem Essen akribisch gesäubert und es bleibt von den Resten nichts mehr übrig, aber erst mal ist es ungewöhnlich zu sehen. Mir persönlich ging es so, dass ich den Dreck irgendwann nicht mehr wahrnahm, es gehörte einfach zum Alltag. Ein Student erstaunte mich beim Nudelessen. Er nahm zwischen seine Stäbchen eine nicht gerade geringe Anzahl an dicken Nudeln. Er hievte nun die Nudeln an seinen Mund und saugte nun die Nudeln in einem Zug hinein und die Nudeln waren nicht gerade kurz. Während des Hineinsaugens machte es ziemlich ungewöhnliche Schlürfgeräusche. Das sah so urkomisch aus, dass ich einen Lachkrampf nicht verhindern konnte. Der Student nahm es mir nicht übel, freute sich scheinbar, dass er mich zum Lachen bringen konnte und saugte munter weiter. Wir in Deutschland empfinden Schmatzen beim Essen als unhöflich und manche als ekelig. Während meiner Zeit in China empfand ich aber das Schmatzen nicht als ekelig, sondern es fing an, mir zu gefallen. Zumindest mir kam es so vor, dass durch das Schmatzen der Geschmack noch besser zur Geltung kam und durch das Schmatzen das Essenserlebnis noch gesteigert wurde, weil ich keine Rücksicht nehmen musste, dass keine Geräusche nach außen dringen und man einfach munter drauflos essen konnte. An das Spucken konnte ich mich aber nicht gewöhnen und empfand das eher als störend. Es ist jetzt aber nicht so, dass immer und überall munter drauflos gespuckt wird. Eines Tages hatte ich eine Diskussion in der Klasse, wie man sich im Alltag in Deutschland verhält und auf was die Studierenden achten sollten. Als wir das durchgingen, hatte ich eher das Gefühl, jetzt eine Verbotsliste erstellt zu haben, aber es ist eben so, wie es ist. Alleine die Vorstellung, meine Klasse würde in Deutschland in einer Mensa essen, und anfangen, die Essensreste wie Hühnerknochen auf den Tisch zu spucken oder, noch schlimmer, auf den Boden, ließ mich erschaudern und deshalb waren klare Anweisungen besser, um dies zu vermeiden.

Über den Autor

Florian Ludwig Greller, LL.B. wurde 1980 in Aichach geboren. Nach der Ausbildung zum Versicherungskaufmann arbeitete er mehrere Jahre im Innendienst eines großen deutschen Versicherers. Während dieser Tätigkeit absolvierte er ein berufsbegleitendes Studium im Studiengang Wirtschaftsrecht. Nach Abschluss des Studiums war der Autor für ein Semester als Tutor an einer chinesischen Hochschule angestellt, die eine Kooperation mit einer deutschen Hochschule abgeschlossen hatte. Nach seiner Rückkehr machte er sich als unabhängiger Versicherungsberater selbstständig und hält Vorträge für Existenzgründer. Er veröffentlichte zunächst ein Buch über das Thema der Produkthaftung. Nach dessen Abschluss entschloss sich der Autor seine Erlebnisse und Erfahrungen, die er in China gesammelt hatte, niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Der Autor ist bis heute mit China verbunden und es erfolgt ein reger Austausch mit ehemaligen Studierenden, die sich noch in Deutschland aufhalten oder bereits nach China zurückgekehrt sind.

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