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Pädagogik & Soziales

Vera Katharina Matußek

Tinte killt Tinnitus. Schreib es auf! Wie kreatives Schreiben heilsam auf Ohrgeräusche wirkt

ISBN: 978-3-96146-766-2

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 06.2020
AuflagenNr.: 1
Seiten: 100
Abb.: 10
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Ein dauerhaftes Ohrgeräusch (Tinnitus) kann die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Kurative Therapieansätze für Tinnitus stehen nicht zur Verfügung. Auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes wird derzeit eine multimodale Herangehensweise vorgeschlagen, bestehend aus einer ärztlichen Beratung, dem Erlernen von Bewältigungsstrategien (Coping) sowie der tinnitusspezifischen kognitiven Verhaltenstherapie. Einen weiteren – wissenschaftlich anerkannten – Baustein bildet die Arbeit von Selbsthilfegruppen. Sie unterstützen gesundheitsaktivierende Ressourcen wie Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Netzwerkbildung und fördern damit die Resilienz der Betroffenen. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Schreibens ist für viele Indikationen bereits bekannt, die Verknüpfung von Tinnitus mit Kulturtherapien ist jedoch neu. Sie ist unter folgenden Fragestellungen zu prüfen: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, welche Risiken Beachtung finden, damit Heilsames Schreiben im Falle von Tinnitus aktiv und erfolgversprechend genutzt werden kann? Hierauf gibt die Autorin ungewöhnlich unkonventionelle Antworten.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.3, Medizinische Therapieansätze bei chronischem Tinnitus: An dieser Stelle soll ein Überblick über die in der S3-Leitilinie Chronischer Tinnitus von der AWMF (2015) vorgeschlagenen Therapiemaßnahmen bei Tinnitus gegeben werden. Dabei seien die Therapieformen ohne evidenzbasierte Empfehlung der AWMF wie akustische, elektrische und elektromagnetische Verfahren, Zahn- und Kiefer- und HWS-Behandlungen sowie Alternativverfahren wie die Hyperbare Sauerstofftherapie und Akupunktur der Vollständigkeit halber hier kurz erwähnt, werden aber nicht im Einzelnen erklärt, da dies über die Intention dieser Veröffentlichung hinausginge und zudem ihren Umfang sprengen würde. Auch die Arzneimitteltherapie der Komorbiditäten wird hier nicht thematisiert. Vielmehr wird auf die im Rahmen unserer Fragestellung entscheidenden Maßnahmen bei Tinnitus, nämlich die Basistherapie, die tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie und die Selbsthilfe genauer eingegangen. 2.3.1, Basistherapie: An erster Stelle steht, gemäß AWMF (2015) im Anschluss an die Diagnostik und Dia-gnose-Sicherung, die Beratung der Betroffenen durch einen tinnituserfahrenen Facharzt. Die Betroffenen sollen in einem Einzel- oder Gruppencounseling über Entstehung, Therapieoptionen und Prognose informiert werden. Zur Vorbereitung auf die strukturierte kognitive Verhaltenstherapie (kVT) gilt es, gemäß AWMF (2015) die Betroffenen in einem ersten Schritt durch das Counseling (Englisch: Beratung) zu führen, um sie mit dem Ohrgeräusch nicht allein zu lassen. In dieser Beratung soll den Betroffenen vermittelt werden, dass eine Gewöhnung an das Ohrgeräusch mittels kognitiver VT häufig erreichbar ist. Darüber hinaus sollen die Betroffenen hier auf die Notwendigkeit eingestimmt werden, dass sie im Rahmen der kognitiven VT bereit sein müssen, selbst und umfangreich bei der Therapie mitzuwirken (vgl. a.a.O.: 32). 2.3.2, Kognitive Verhaltenstherapie (kVT): Gemäß AWMF (2015) soll eine tinnitusspezifische strukturierte kognitive Verhaltenstherapie auf der Grundlage eines validierten Therapiemanuals als Gruppen- oder Einzeltherapie in entsprechend qualifizierten Praxen und Einrichtungen durchgeführt werden. Die kognitive VT erweist sich in Bezug auf die Tinnitusbelastung und Lebensqualität sowie auf die Depressions-Scores gemäß Aussage der AWMF als hoch wirksam. Bei einer schweren Dekompensation bzw. Ausschöpfung der ambulanten Therapie kann die kVT auch stationär erfolgen. 2.3.3, Selbsthilfe: Selbsthilfeorganisationen können gemäß AWMF (2015) eine zusätzliche Beratungsfunktion übernehmen. Eine Metaanalyse legt die Wirksamkeit der Selbstintervention auf die Tinnitusbelastung nahe, erlaubt aber noch keine abschließende Beurteilung (vgl. a.a.O.: 13-33). 2.3.4, Ausblick: Als neuartige, derzeit im Experimentierstadium befindliche und von der AWMF bisher unberücksichtigte sowie zukünftig noch zu prüfende Verfahren können Tinnitus-Selbsthilfe-Apps oder Tinnitus-Counseling-Apps genannt werden. In Deutschland gelten derartige Apps als Medizinprodukte (Hesse 2018: 350). Diese Tools seien, so zitiert das Deutsche Ärzteblatt die Ausführungen der Techniker Krankenkasse (2018), momentan noch lediglich dazu gedacht, ggf. anfallende Wartezeiten sinnvoll und vorbereitend zu nutzen. Ob sie sich zukünftig auch innerhalb der Therapieanwendung etablieren werden, bleibe zum heutigen Zeitpunkt aber offen. (vgl. Deutsches Ärzteblatt 2018). 2.4, Fazit: In diesem Kapitel wurden Forschungsstand, Testverfahren und übliche Therapiemaßnahmen im Hinblick auf deren Evidenzgrad vorgestellt. Dabei ist die Evaluation des Belastungsfaktors elementar für die Therapieentscheidung bei chronischem Tinnitus. Da sich bezüglich des Kompensationsgrades gravierende Unterschiede der Herangehensweise ergeben, ist es auch für den Einsatz des Schreib-Curriculums Heilsames Schreiben bei Tinnitus wichtig, den Distress-Faktor durch ein Frageninventar vor Beginn der Schreibübungen zu ermitteln. Aus diesem Grund wurden beispielhaft das Frageninventar nach Goebel und Hiller sowie der Tinnitus-Questionair nach Hallam genannt. In jedem Fall sollte vor Beginn des Schreib-Curriculums mit einem Frageninventar gearbeitet werden, um je nach Belastungsgrad die aktuell passende Übung auszusuchen. Aufgrund der geringen Evidenzlage der meisten Therapieansätze wurden von der Kommission der AWMF in der S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus nur wenige Empfehlungen ausgesprochen. Eine durch Evidenz gesicherte Empfehlung wird einzig für die kognitive Verhaltenstherapie angegeben. Positiv bewertet wird aber auch der Einsatz von Selbsthilfegruppen.

Über den Autor

Die promovierte Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde mit Zusatzbezeichnung Sozialmedizin verspürt sowohl eine berufliche als auch private Betroffenheit zur Thematik Tinnitus , respektive dem heilsamen Aspekt des Creative Writings . Fasziniert von den Möglichkeiten der Selbsthilfe, studierte sie an der Alice-Salomon Hochschule in Berlin Biographisches und Kreatives Schreiben zum Master of Arts. Sie lebt und arbeitet als Gutachterin und freie Autorin in Berlin.

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